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[2. Band.]
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der ursprüngliche Zustand der Menschen; von dem Bedürfnissedes Zusammenlebens gedrängt, haben die Menschen, in denWäldern vereinzelt, einen Gesellschaftsvertrag unter einanderabgeschlossen; dieser Vertrag ist die Grundlage aller Rechteund aller Pflichten; die Societäten haben im klassischen Alter-thume in Sparta, Athen und Rom den Gipfelpunkt ihresRuhmes erreicht; das Christenthum und die Monarchie habenihre Entartung herbeigeführt; die Wiederkehr des Heiden-thunls im fünfzehnten Jahrhundert hat angefangen, sie ausder Barbarei, in welche Monarchie und Christenthum sie hattenversinken lassen, herauszuziehen; um sie vollends zu heilen,muß man diese heilsame Bewegung fortsetzen und das klassischeAlterthum, seinen Geist, seine Gebräuche, seine socialen In-stitutionen wieder herstellen; denn sie allein sind fähig, auchjetzt noch große Männer und große Tugenden geltend zu machen.

Wie man sieht, liegen diesem Systeme zwei Dinge undnur zwei Dinge zu Grunde, die Unkenntniß und der Haß desChristenthums in seinen Beziehungen zur Gesellschaft und diefanatische Bewunderung der socialen Institutionen des Heiden-thums. Emile wiederholt, indem er das unbeschränkteste Hei-denthum predigt, in einer anderen Form dieselbe Lehre. Diesgilt auch von allen übrigen Werken Rousseau's.

Wie Voltaire, kann man somit auch Rousseau als einedes Christenthums leere und des Heidenthumsvolle Seele definiren.

Nach dem Beispiele Cicero's, Lykurg's, Plutarch's undder anderen großen Männer des Alterthums, seiner Lehrerund Vorbilder, führte Rousseau das Leben eines ächten Frei-denkers. Daher denn seine Raisonnements für und wider dasDuell, die Rechtfertigung und Verwerfung des Selbstmordes,die Beschönigung des Ehebruchs und die Beweggründe für dieVerabscheuung desselben, die Verneinung und Bejahung derExistenz Gottes. Mit derselben Leichtigkeit von dem Prote-stantismus zur katholischen Glaubenslehre und von der katho-lischen Glaubenslehre zum Protestantismus überspringend, greift