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nur zu viele Leute mit dem Christenthum selbst verwechseln,zuweilen sehr frei aus; so über die Verfolgungs-sucht, von welcher so viele Christen beseelt sind; über dieweltlichen Usurpationen der geistlichen Gewalt; überdie übermäßige Vermehrung der Klöster, die dem StaatUnterthanen entzieht, ohne Gott Anbeter zu geben; über mancheLehrmeinungen, die man zu Dogmen zu erheben versucht hat;über unsere stets heftigen und öfters verderblichen religiösenStreitigkeiten." *)
Diesen absichtlich unbestimmten Redensarten liegt zuGrunde, daß Montesquieu, wie alle Söhne der Renaissance,die Denkfreiheit in religiösen Dingen anbetet, den cäsarischenDespotismus bewundert und den Frieden mit dem Irrthumefordert.
Der erste Abgott des Heidenthums war der Stolz, derzweite das Fleisch. Vom Altare des einen geht Montesquieuan den des andern. Der Gnidostempel ist eine schlüpf-rige Dithyrambe zu Ehren der Wollust.
In der Geschichte der Größe und desVerfallesder Römer lenkt Montesquieu die Blicke nach dem schönenAlterthum. Das römische Reich wird hier den christlichen undmonarchischen Völkern als das Meisterwerk des Menschen unddas Muster der Vollkommenheit hingestellt. „Herr von Montes-quieu," fährt d'Alembert fort, „findet die Ursachen der Größeder Römer in der Liebe zur Freiheit, zur Arbeit undzum Vaterlande, die man ihnen von frühester Jugend aneinflößte; in diesen inneren Zwistigkeilen, welche dieGeister in Bewegung brachten und welche plötzlich im Ange-sichts des Feindes aufhörten; ... in der Ehre des Triumphes,dem Gegenstände des Wetteifers für die Feldherren; in derProtection, die sie den empörten Völkern gegenihre Könige gewährten, in der vortrefflichen
1) Lobrede Montesquieu's als Einleitung zu seinen Werken.Gaume, Revolution. V. 8