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[2. Band.]
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Alles ist Nichts, für Montesquieu ist das Mittelalter nichtvorhanden.

Da er im ganzen schönen Alterthum keine Klöster undkeine Spitäler erblickt hat, so kann er auch ihre Stellung inseinem socialen Organisationsplane nicht begreifen. „Hein-rich VIII.," sagt er, „welcher die Kirche Englands reformirenwollte, vernichtete die Mönche, ein träges Volk, welchesdie Trägheit der anderen Menschen begünstigte. Er hob auchdie Spitäler auf, worin das gemeine Volk seinen Lebensunter-halt fand, wie die adeligen Herren den ihrigen in den klöster-lichen Stiftern fanden. Seit dieser Umwandlung fandder Sinn für Verkehr und Betriebsamkeit in England Ein-gang. *) In Rom bewirken die Spitäler, daß Jedermann einbequemes Leben führt, ausgenommen die, welche arbeiten,die, welche Gewerbsfleiß besitzen, die, welche die Künste be-treiben, und die, welche sich mit dem Handel befassen/") DiesesUrtheil Montesquieu's rechtfertigt von vornherein alle seitsechzig Jahren in Europa verübten Beraubungen der Kirche.Allein man merke es sich wohl: ist es verstattet, die müßigenPriester zu berauben, so wird wohl auch das Volk nicht immerbegreifen können, wie es verboten sein darf, die trägen Bürgerzu berauben.

Die Schwächung des christlichen Sinnes bekundet sich aberbei Montesquieu aus eine noch bedenklichere Weise. Einigeseiner Lehrsätze kommen auf den heidnischen Fatalismus hin-aus. Wir meinen unter andern seine bekannte Theorie derKlimate, deren Einfluß dem Menschen die Freiheit so sehr zuentreißen scheint, daß selbst seine größten Verbrechen entschuld-bar werden. Der Süden Europa's ist katholisch geblieben,der Norden ist protestantisch geworden: wißt ihr auch wohlwarum?

1) Aber auch das allgemeinste und das schrecklichste Elend, das manunter der Sonne Europa's kennt.

2) Geist der Gesetze, B. XXIII. K. 29.

Gaume, Revolution. V.

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