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[2. Band.]
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(Wurde in der nämlichen Sitzung und ohne Discussionangenommen.) *)

Unter den Schlägen Condorcet's und aller jungen Schrift-gelehrten aus dem Colleg ist der Adel gefallen, ist die Mo-narchie, ist das Haupt eines Königs von Frankreich gefallen,ist die Religion proscribirt, die Republik eingesetzt. Aber nichtlange nachher verkörpert sich die für unabhängig erklärte Ver-nunft bald in einer Partei, bald in einer andern, und dererste Gebrauch, welchen sie von ihrer Souveränes macht, ist,ihre ergebensten Anbeter ohne Mitleid zu vernichten. Con-dorcet sollte der Herrschaft der schrecklichen Gottheit nicht ent-rinnen.

Mit den Girondisten proscribirt, irrt er einige Zeit um-her und findet endlich eine Zufluchtsstätte bei der WittweVerriet, Rue Servandoni, Nr. 21. Einige Monate später hälter sich dort nicht mehr für sicher und verläßt Paris. Am5. April 1794 wendet er sich in grobleinenem Kamisol undMütze nach Clamart und kommt gegen zehn Uhr Abends indie Wohnung von Herrn und Madame Suard, welche ihm,statt gastlicher Aufnahme, die Episteln von Horaz gaben, umsich zu trösten. Da er nicht weiß, wohin er seine Schrittelenken soll, flieht Condorcet in die Steinbrüche, wo er dieNacht und den folgenden Tag zubringt. Am 7. geht er, vornHunger getrieben, in eine Schenke nach Clamart, wird an-gehalten und nach Bourg-la-Reine geführt, dessen Gefängnißihm zum Grab werden sollte.

Bis zum Tode ist er beherrscht von seinen Erinnerungenaus dem Colleg. In den letzten Zeilen, welche er schreibt,spricht er den Willen aus, daß seine Tochter in der Liebe zurFreiheit und Gleichheit, in den republikanischen Sitten undTugenden erzogen werde; und um seinen Worten die Autoritätdes Beispiels zu liefern, sagt er: „Was mich betrifft, ichwerde sterben wie Sokrates."

1) Moniteur. — 2) LioAl-apIäe äs Oonäoreet, S. 608, 625.