Band 
[2. Band.]
Seite
214
JPEG-Download
 

214

Dreiundzwanzigstes Kapitel.

Genealogie des Voltairianismus.

Alle Philosophen des achtzehnten Jahrhunderts lassen sich mitzwei Worten definiren: des Christenthums baare und im Heiden-thnm trunkene Seelen — Ausführliche Vergleichung ihrer Lehrenmit der der alten Klassiker — Ueber die Welt — Ueber Gott — Ueberdie Seele — Ueber die Moral — Ueber die Tugend — Ueber dieewigen Strafen — Ueber die Gesellschaft — Ueber die Regierungs-form — Ueber die Mittel, die Völker zu regieren und sie glücklichzu machen: der cäsarische Despotismus, die Ehrenämter, der Hen-ker, die Ehescheidung, die Courtisanen, die Abschaffung des Eigen-thums und der Communismns — Alle diese Lehren sind wörtlichausgezogen aus den im Colleg gebildeten Autoren.

Es erübrigte uns noch, dieselben Studien, wie wir siebisher gemacht, auch über Diderot, Piron, Robinet. Bou-langer, Lalande, Toussaint, Lamettrie, Manpertuis, Büffon,de Maillet, Locke, Cumberland, Bolingbrocke, Condillac,d'Argens, Briffot, Raynal und einige Andere zu machen, derenVereinigung das bildet, was man die Philosophie des acht-zehnte» Jahrhunderts oder den Voltairianismus nennt.')

1) Man liest in einem Theaterkalender von 1774: „Alexis Piron, ge-boren zu Dijon am 9. Juli 1689, machte seine Studien in demJesuitencolleg dieser Stadt. Von frühester Jugend auf fühlte ereine unwiderstehliche Neigung zur Poesie in sich. Wie viele Ver-folgungen mußte er nicht von einer frommen Familie erdulden,welche diesen Zauber zu brechen suchte! Im Colleg dagegen ver-absäumte man Nichts, um ihn zu befestigen: man gab ihm dieklassischen Dichter in die Hände; man lehrte ihn, ihre Schönheitenempfinden, man lobte sie mit Begeisterung." Piron ist der Ver-fasser des ^rtsquin Osuealion, des äaräill äs des

^.ntrs äs ll?ropl>onius, der kbilomele und der Ollimeres.