Band 
[2. Band.]
Seite
238
JPEG-Download
 

238

sind, und im Grunde sind wir wahre Heiden, sowohl imGeiste, als im Herzen und in unserem Benehmen."*)

Von einem andern Gesichtspunkte aus constatirt Voltairedie nämliche Thatsache, wie der Jesuit: „Ich sehe mit Ver-gnügen," schrieb er, „daß sich in Europa eine unermeßlicheRepublik gebildeter Geister bildet. Das Licht verbreitetsich nach allen Seiten hin. Es ist seit etwa fünfzehn Jahrenin den Geistern eine Revolution entstanden, welche eine großeEpoche machen wird. Das Geschrei der Pedanten ver-kündet diese große Aenderung, wie das Krächzen der Rabenschönes Wetter anzeigt..." Und anderswo: „In zwanzigJahren wird Gott leichte Arbeit haben."

Alles das war nur zu wahr. Bei dem Herannahen desSturmes, dessen dumpfes Gebrüll sich in der Ferne hören ließ,Angesichts dieser Gesellschaft, welche, von dem Rationalismusund Sensualismus, das heißt von dem Heidenthum in seiner *doppelten, geistigen und moralischen Kundgebung zerfressen,in Trümmer zusammenbrach, was that man nun in den Kol-legien? Anstatt die Jugend in dem christlichen Geiste zustärken durch das tiefe Studium des socialen, historischen, lite-rarischen und nationalen christlichen Gedankens, nährte man siebeinahe ausschließlich mit heidnischen Autoren; man ließ siemit den Babyloniern, Egyptiern, Griechen und Römern leben;man ließ sie heidnische Komödien und Tragödien spielen; manflößte ihnen auf alle mögliche Weise Begeisterung für dasschöne Alterthum, seine großen Männer und seine großenDinge ein.

1) lVlorale tiree äs saint ^ugustin, Thl. I. Kap. VIll.

2) Brief an den russischen Gesandten zu Paris. 1767.

3) Hier folgt das officielle Verzeichniß der Autoren, welche die Jesuitenin ihren Kollegien lesen ließen:

I.ibri sinbulis in sekolis xrsslexenäi.

In rbetoriea IsAsniur seleetas Oieeronis orationss; ?liniiksnexxrious sut kaoaii; 1itu8 Invius, Oornelius lacitus, Vel-