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Zürich und seine Umgebungen : ein Almanach für Einheimische und Fremde / G. Escher
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kung des französischen Gesandten Verninac der Senat aufgelöst,ein neuer gebildet und eine sogenannte Notabeln-Versammlungnach Bern einberufen wurde. Diese nahm im Mai den ihr mit-getheilten Verfassungscntwurf an, der nunmehr dem Volke zurAnnahme oder Verwerfung vorgelegt wurde. Gleichzeitig zog dererste französische Consul Bonaparte, auf das Begehren des helve-tischen Senats, seine Truppen aus der Schweiz zurück. Als nundie Urcantone im September sich weigerten, die neue Constitutionanzunehmen und Zürich als Waffenplatz ausersehen wurde, vonwo aus die helvetischen Truppen dieselben zur Annahme zwingensollten, verschloß Zürich diesen ihre Thore. Nun erschien derhelvetische General Andermatt mit seinen Truppen vor Zürich undbegann in der Nacht vom 910. September die Stadt von denHügeln in der Enge zu beschießen. Die Bürgerschaft, aufgebrachtüber dieses Benehmen, beschloß nun, sich förmlich den helvetischenTruppen zu widersetzen, bewaffnete sich und zog aus den ihr erge-benen Gemeinden vom Lande Milizen an sich. Andermatt setzte am11. Septbr. über den See, verstärkte sich mit Milizen aus dender helvetischen Regierung zugethanen Gegenden, warf auf demZürichberg beim Schlößli Batterien auf und begann um Mitter-nacht vom 12. auf den 13. Septbr. die Stadt von Neuem mitHaubitzgranaten und glühenden Kugeln zu beschießen, ohne jedochgroßen Schaden anzurichten. Nur ein einziges Opfer siel, derwürdige Diaeon Schultheß. Mittlerweile verbreitete sich die Jnsur-rection gegen die helvetische Regierung so rasch über den größtenTheil der Schweiz , daß Andermatt , um nicht abgeschnitten zuwerden, eiligst von Zürich abziehen mußte. Die helvetische Regie-rung mußte sich von Bern flüchten und wäre unwiderruflich ver-loren gewesen, wenn nicht Bonaparte durch einen Machtspruchdem Bürgerkrieg ein Ende gemacht und die Schweiz neuerdingsmit seinen Truppen besetzt hätte. Zum dritten Male wurde nunZürich von französischen Truppen heimgesucht, deren erste Maß-regel eine gänzliche Entwaffnung der Bürger war, worauf unzähligeVerationen durch die Agenten der, auf kurze Zeit provisorisch wieder-eingesetzten, helvetischen Regierung folgten. Mit dem März desJahres 1303 begann die Periode der Mediation, deren wohlthätigeWirkungen auf die zerrissene und tief geschwächte Schweiz erstspäter allgemein anerkannt wurden. Durch Einführung der Me-diationsacte erhielt die aristokratische Parthei in Folge der Wahlen