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Zürich und seine Umgebungen : ein Almanach für Einheimische und Fremde / G. Escher
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99
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Kabinetten versehen sind, und 15 zum Theil hölzerne, zum Theilaus glasirtcn Kacheln verfertigte, äußerst reinlich gehaltene Bade-wannen. Auf Verlangen werden Salz- und Kräuterbäder u. s. f.bereitet, auch wird in Kurzem ein Sturzbad eingerichtet werden.Neben gefälliger Bedienung findet man, wenn es begehrt wird,ärztlichen Rath und sorgfältige Pflege. Dürftiger eingerichtet ist dieBadeanstalt an der Sihl , unfern der Thierarzneischule. Mit Kaffee-oder Weinwirthschaft verbunden sind die Badeanstalten im Draht-schmidli an der Limmat , die Bofihard'sche zum wilden Sihlstromim Wiedikon, und diejenige zum Paradies in Oberstraß . Beauf-sichtigte öffentliche Badeplatze befinden sich bei den Holzfchöpfen aufder Kohlenschanze, auf dem neuen Platze hinter dem Stadthause,und im Sihlwiesli. Angenehme und gefahrlose Badeftellen findetman längs der Sihl oberhalb des Sihlhölzli; als gefährlich be-zeichnen wir für solche, die des Schwimmens nicht kundig sind,wegen der steil abstürzenden Ufer: die Gegend am Zürichhorn, undwegen schlammigen Grundes: die Ufer in der Gegend des Bleichcrwegs.

^INI. Gesellschaftlicher Ton, Vergnügungen, öffentlicheFeste und eigenthümliche Gebräuche.

Zm Ganzen herrscht viel geselliges Leben in Zürich , jedochsondert man sich meist in geschlossene Gesellschaften ab, die häufigdurch Alter, Rang und Familien-Verhältnisse bedingt sind; selbstdie Geschlechter sind gewöhnlich i» diesen Zirkeln getrennt, unddieses System findet seine Anwendung schon bei der zartern Zugend.So werden den Knaben für ihre Gesellschaft sogenannteKame-raden," den MädchenGespielen" gesucht, die der Kehrordnungnach Sonntag Abends in den Wohnungen der Aeltern zusammen-kommen und da mit Obst und Backwerk bewirthet werden. MitRecht setzt der Züricher einen hohen Werth auf diese Sitte, dieeinen kaum zu berechnenden, aber nichtsdestoweniger reichen, mo-ralischen Einfluß auf die Erziehung der Zugend hat, und wirwürden es höchlich beklagen, wenn dieselbe allmälig aufgegebenwerden sollte, wozu zwar glücklicher Weise der Anschein noch nichtvorhanden ist. Allerdings hat diese Sitte auch ihre Schattenseite,indem sich später Cotericn und engherzige Absonderung darausbilden, die Männer öfters in Kannengießerei, Kartenspiel und bei