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Zürich und seine Umgebungen : ein Almanach für Einheimische und Fremde / G. Escher
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auf dem Aldis, wo mau gut und billig bedient wird. Eine starkeViertelstunde mehr südlich erreicht man das Signal auf dem Schna-bel, wo sich eine prachtvolle Aussicht öffnet, welche zwar an Aus-dehnung derjenigen vom Hütliberg nachsteht, aber durch die größereNahe der Alpenkette und die lieblichen Vor- und Mittelgründedieselbe an Anmuth weit übertrifft. Außer dem Zürichsee erblicktman den Greifen- und Pfäffikersee, den Zuger- und Türlerseeund selbst eine kleine Strecke des Vierwaldstattersees bei Kcrsitcn,die historisch merkwürdige Gegend von Kappel, den fruchtbarenDaarerboden, Zug und Chain; auch dringt der Blick in das schöneGasterland fast bis gegen Wesen. Von der im Zahre 1309 in derBlutrache der Königin Agnes zerstörten Schnabelburg. einst demSitze Walthers, Freiherr« v. Eschenbach, der an der ErmordungKönig Albrecht's Theil genommen hatte, findet sich kaum eineSpur mehr. Den Rückweg kann man über den Schnabelfußwegantreten, oder zum AlbiS-Wirthshause zurückkehren, und von dadie schöne (theilweise neu angelegte) Bergstraße nach dem unternAldis einschlagen. Beide Wege führen in zwei Stunden nachZürich . Auch gibt es angenehme Wege übcr Adlischweil und Gattikon nach Thalwcil und dem Nidelbad u. s. f. Die ganze Ejcur-sion läßt sich im Sommer in einem halben Tage zurücklegen;genußreicher jedoch wird sie, besonders auch wegen des Wechsels inder Beleuchtung, wenn man derselben einen ganzen Tag widmet.

Vor Allem aus aber gewährt die Fahrt auf dem Zürichsee reichen Genuß. Zwar findet man auf demselben nicht die hehreAlpennatur, wie sie die Gestade des Vierwaldstädtersecs darbieten,noch die wollustathmende Vegetation des Comersces, mit seinenpallastähnlichcn Villen und herrlichen Gartenanlagen, noch denausgedehnten Wasserspiegel des Genfer - und Bodensees; aber kaumvereinigt ein anderer See eine so angenehme, sanfte Natur, mitso außerordentlichem Reichthum der Cultur und Bevölkerung anseinen Ufern. Lange Wasserfahrten in gewöhnlichen Ruderschiffensind ermüdend, und fördern den eilenden Reisenden langsam; dagegenkann man auf dem Dampfschiff die Fahrt von Zürich nach Rapper-schweil und zurück in wenigen Stunden auf die angenehmste Weisezurücklegen. Den Genuß erhöht eine, von der Direktion desDampfschiffs besorgte, panoramischc Aufnahme der beiden See-ufer; zudem wird der wißbegierige Passagier am Bord die ge-wünschte Belehrung leicht vom Capitain des Schiffs erhalten.