Band 
[Zweiunddreissigster Theil. - Achtunddreissigster Theil.]
Seite
126
JPEG-Download
 

126

in Herrn Fibel's Galerie; denn unser großer Kolorist fertigt ^Alles mit 3 Farben ab, mit Gelb, Grün und Roth. In dieser idreifarbigen Kokarde ist besonders Roth seine Lcibfarbe, es sei ^nun seine Schminke oder seine sonst nicht unnöthige Schamröthe,wiewol auch Zorn und Trunk roth machen. Genug, unserRotbgießer und Rothgerber treibt uns einen rothen Bären, rothenWolf und eine rothe Katze vor; auch anderem Vieh, dem Kamcel,Esel, Lamm u. s. w. legt er hinten und vorn immer etwas Rothauf. Ob nun aber durch diese türkische Garnfärberei die Jugend 'wahre Begriffe von dem Kolvrite auch nur des gemeinsten Viehseinsänge, entscheide der Leser. s

Was die Zeichnung anlangt, so schiebt dieser kleine Guck-kasten zwanzig Thierstücke und nur fünf Menschenstücke vor. Doch ^das sei; der Kunstkenner hält sich nicht an Stoff, sondern an jForm, und ein guter Ochs ist Rezensenten lieber als ein schlechter ^Evangelist Lukas , daneben er steht. Aber leider müssen wir, wenn 'wir nicht ganz unsere niederländische Schule und niederländischeReise vergessen wollen, in diesem gemalten Viehstalle die Frage iauswerfen: wo ist hier ein David Teniers (Vater und Sohn, !Jener 1649 gestorben, Dieser 1674) — ein Potter — ein Stubb i— ein Jakob Ruysdal saus Harlem , gestorben 1681) —? Freilich iein Lamm ist da ; aber man vergleich' es mit dem Nicolaus Berg- ,hem (aus Amsterdam , gestorben 1683); freilich ein Gaul ist da, aber !man vergleich' ihn mit einem Philipp Wouwermann (aus Hartem, -gestorben 1668)! Und so könnten wir die ganze herrliche Malerreihedurchgehen, aber immer vergeblich fragen: ist Der und Der da? —Wollte der junge Mann in der Blumenmalerei ctwan einenHuysum erreichen oder gar übertreffen (wie es bei den blumi-stischen Zeilen scheint: „Das Cränzlein ziert den HochzeitgastIVom Rettig man den Koth schabt ab; Nach Mdenkirschen michgelüst") — so soll uns Jeder für einen Verleumder und Ver-keuner ächter Malerei erklären, wenn wir je sagen, daß dieseslierbarium vivo -mortuum nur von Weitem an eines unsterb-lichen Huysum's bsrbnriuin porsnnv reiche.

Noch sind, wie gesagt, 5 Menschcnstücke darin, 1) ein Mönch,gegen welchen ein Metzer gerichtet ist; soll das bedeuten, daßMönche Könige erstachen, oder daß Mönche zu erstechen sind?

2) eine Nonne; wer aber die Nonne ckolla, sockia von RaphaelUrbino gesehen (gestorben 152«>), der entscheide zwischen beidenBildern. — Das dritte Menschenstück ist ein Jude, ja Judas mitBeutel, worunter die vsroio intsrliusaris steht: .Der Jüde (Jude)schindet arme Leut." An sich mag der Jude mit dem Hute undmit der Rechten am Magen, mit der Linken im Beutel, ganz