Kapitel II.
Das siebzehnte Jahrhundert.
Die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts ist eine der traurigstenPerioden, welche die Geschichte aufzuweisen hat. Während imMittelalter bis ca. 1618 es vorherrschend die Pest und andere Epi-demieen waren, welche das Verhältnis der Geburten und Sterbefälleim grofsen Durchschnitt so ungünstig ausfallen liefsen und — fürkürzere Perioden betrachtet — eine gleichsam progressionsartige Be-völkerungszunahme bewirkten, gesellt sich zu diesen damals dieMenschen noch unumschränkt terrorisierenden Faktoren als präva-lierendes Moment die Zerstörungs- und Vernichtungswut derMenschen selbst, der Krieg; oder richtiger gesagt, er schwingt sichvon der mehr untergeordneten Stellung, die er bisher eingenommenhatte, zu einer unbestritten dominierenden auf.
Eine genaue Darlegung der verderblichen Wirkungen des30 jährigen Krieges auf die Bevölkerungsverhältnisse würde uns andieser Stelle zu weit führen. Folgende Angaben über die Zeit von1618—48 mögen genügen. Nach Bümelin, 1 ) dem bewährten Forscherauf dem Gebiete der Bevölkerungsstatistik, war von der BevölkerungDeutschlands in seinem damaligen Umfange, wohlgemerkt! — die1618 nicht unter 25 Millionen betragen haben kann, 1648 höchstensnoch die Hälfte übrig geblieben. Bei dieser Annahme hat das Ver-hältnis der Gestorbenen zu den Gehörnen von 1618—48 in ganzDeutschland 100: 96,7 betragen. Für die Städte, deren Geburts- undSterberegister erhalten sind, sind die Folgen des 30 jährigen Kriegesvon ganz ungleichmäfsiger, vielfach ganz entgegengesetzter Wirkungauf die Bevölkerungsverhältnisse gewesen.
*) Rümelin, Bevölkerungslehre im Schönberg, 2. Aufl. II S. 923. Tübingen.
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