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Auge zu fassen. In Mitteleuropa rangen zu Beginn des 18. Jahrhundertszwei Mächte um ein gewaltiges Erbe: um das spanische Reich mit allseinen Nebenländern. Gerade im Spätherbst des Jahres 1700 warmit König Karl II. das spanisch-habsburgische Haus erloschen. Es entsprachder Sache, daß die ältere Linie des Hauses Habsburg — Habsburg-Österreich — in der Person des damaligen Kaisers Leopold I. Anspruch aufdas ungeschmälerte spanische Erbe für seinen zweiten Sohn Karl — den nach-maligen Kaiser Karl VI. — erhob. Allein König Ludwig XIV. fühlte sich ingleicher Weise wie der deutsche Kaiser erbberechtigt; hatte er doch gleich jenemeine spanische Prinzessin zur Mutter gehabt; und war eine Schwester desverstorbenen spanischen Königs Karl II. seine Gemahlin, ganz wie es beiLeopold I. zutraf. Freilich hatte der französische König einst bei seinerVerehelichung, 1659, allen Ansprüchen auf die spanische Monarchie entsagt;dafür aber war sein Urenkel Philipp V. durch Testament Karl II. zuinalleinigen Erben der spanischen Lande eingesetzt worden. Dieses Testamenthatte Ludwig XIV. angenommen, und da Kaiser Leopold I. keineswegs vonseinen Ansprüchen zurücktrat, so ergab sich als Folge der lang dauerndespanische Erbfolge krieg, 1701—1714. Während desselben starb Leo pold I. im Jahre 1705. Es folgte ihm sein Sohn Joseph I. nur für diekurze Zeit von 1705—1711. Bei dessen frühzeitigem Tode wurde derbisher kaiserliche Prätendent des spanischen Reiches, Karl VI. , selbst Kaiser,was nach großen Siegen eine günstige Wendung für Frankreich bedeutete, daniemand in ganz Europa einen Herrscher wünschte, in dessen Reich — wiees zur Zeit Kaiser Karl V. gewesen war — die Sonne nicht unterging.Der ganze Kampf war ein gewaltiger. Den französsischen Feldherren, wieMllars und Catinat, standen ein Malbourough und noch mehr ein PrinzEugen von Savoyen gegenüber, dessen Name als Türkenbezwinger noch heutin dem schönen Volkslied „Prinz Eugen, der edle Ritter" fortlebt. Fastalle Mächte Mittel- und Südeuropas (auch England) waren am Kriegemehr oder minder beteiligt. Selbst Papst Clemens XI. (1700—1721) wurdein diesen Streit verwickelt. Als ihn Prinz Eugen durch Besetzung desKirchenstaates zur Anerkennung der österreichischen Ansprüche nötigte, zürnteFrankreich , und als Philipp V. Sieger blieb, brach er fast gänzlich mit ihm.Auch den Eidgenossen konnte es nicht gleichgültig sein, wie sich die Dingeabwickelten. Für einmal standen sie mit dem Franzosenkönige Ludwig XIV. ,der alle Wechselfälle des Krieges, wie dessen dreifache Friedensschlüsse: zuUtrecht und Rastatt 1713 und zu Baden (im Aargau ) 1714 noch umein Jahr überlebte, seit 1663 im Bündnis. Das hinderte sie allerdings nicht,auch andern kriegführenden Mächten (vgl. oben) ihre Söldner in be-trächtlicher Zahl zulaufen zu lassen. Anderseits konnte es der Schweiz nicht