Band 
Zweiter Band.
Seite
441
JPEG-Download
 

des damaligen Schultheißen . Die ausgezeichnete Besorgung der Unterbiblio-thekarstclle ließ ihn hoffen, an die erledigte Stelle des Bibliothekars aufzusteigen.Allein e n achtzehnjähriger Patrizier Sinuer ward ihm vorgezogen. Die Folgender willkürlichen Maßregelung von 1744 und der jetzigen Hintansetzung ließennicht lange auf sich warten. Am 2. Juli 1749 zeigte der TheologiekandidatFriedrich Ulrich dem Ratsherrn Anton Tillier an, daß unter der Bürgerschafteine gefährliche Verschwörung zum Sturze der Oligarchie und zur Einsetzungeiner neuen Regierung sich vorbereite. Schon sei der 13. Juli 1744 alsTag der Erhebung festgesetzt. Die Häupter derselben seien: Samuel Henzi ,Kaufmann Weruier und Stadtlieutenant Fueter. Eiligst wurden dieHeimlichen zusammenberufen und die Häupter der Verschwörung, zum Teilnicht ohne Schwierigkeit, zur Haft gebracht. In der ersten Aufregung glaubtemau Bürger unv Landschaft im Einverständnis mit den Verschwornen. BeiWernicr fand sich jedoch ein Verzeichnis vor, das keine 70 Namen enthielt.Die Verhafteten leugneten in der Untersuchung auch nichts. Natürlich warTod durch Hinrichtung ihr Los. Am 17. Juli 1744 wurde dieselbe rechtungeschickt vollzogen. Wenn auch Henzi das Wort (zum Scharfrichter gewendet):Du richtest, wie deine Herren urteilen," nicht gesprochen, so bezeichnet esdoch treffend die damalige Situation. Und wenn die Beruer Patrizier sichder Gratulationsschreiben hoher Mächte Europas über dievereitelte Revolution"erfreuten, so hat kein geringerer als Lessing in einem seiner JugenddramenSamuel Henzi ein Denkmal gesetzt.

Nicht von einzelnen, sondern von den Häuptern einer ganzen Landschaftausgehend, erwies sich 1755 ein Aufstand im Livinental gegen Uri. DieBewohner dieses Tales hatten im Toggenburger Kriege 1712 ihren Herrenin Uri, die sich wider Willen in den Kamps der V Orte gegen Zürich undBern verwickelt sahen, Heerfolge geleistet. Trotz der finanziell schwierigenLage hatte Uri auf Vermittlung von Schwyz den Livinern den rückständigenSold ausbezahlt und ihnen einige Freiheiten zugestanden. Der Erfolg machtesie kühn. Als Uri mir Fug am 2. Juni 1754 eine Verordnung zum Schutzedes Vermögens der Witwen und Waisen gegen gewissenlose Vormünder erließ,erklärten einige einflußreiche Liviner diesen Erlaß als Eingriff in die Rechtedes Tales. Ihrem Ansehen gelang es, durch Landrat und Landsgemeinde dieAufhebung der genannten Verordnung durchzusetzen?) Zwei ihrer Abgeordnetenhatten den Beschluß nach Uri zu melden. Zugleich nahmen sie den LandvogtGamma und den Zoller Tanner am 8. Mai 1755 gefangen. Mit 2000 Mannsollte der Gotthard besetzt werden. Daß hinter Uri nötigenfalls die schweizerische

*) Th. von Liebenau wird in seinem Beitrag zur Festschrift des histor. Museumsin Uri diese Erhebung und die vermeintlichen Vorrechte Livincns näher darlegen.