1453
Fatuus
Faunus
1454
inst. div. 1, 22 quam [d. i. Fatuam Faunam ]Gavius Bassus Fatuam nominatam tradit,quod mulieribus fata canere consuevisset, _ utFaunus viris). Die Fatae sind, wie es scheint,in den Ländern keltischer und germanischerBevölkerung in der Dreizahl gedacht (vgl. dieTria Fata s. v. Fatum) und mit einheimischenVorstellungen vermischt schliefslich zu denFeen geworden (vgl. Klausen in Ztschr. f. d.Alterthumswissenschaft 7, 1840 S. 221 Anm. 13.H. Schreiber, Die Feen in Europa, Freiburg
1842 S. 48 ff. Lersch in Jahrbücher des Ver-eins von Alterthumsfreunden im Bheinlande 2,
1843 S. 137f. F. Fiedler, Die GripswälderMatronen- und Mercuriussteine, Bonn 1863.S. 12. Uenzen in Annali delV inst. 36, 1864S. 77f. Hübner zu C. I. L. 2, 89. K. Christin Jahrbücher des Vereins etc. 75, 1883 S. 45f.;Grimm, Deutsche Mythologie 4 1 S. 340ff. 3S. 117. Simrock, Handb. d. deutschen MythlS. 341. 346; s. auch Matronae, Parca). Jor-dan (in Prellers B. M. s 2 S. 194f. Anm. 4)denkt auch hei den Inschriften C. 1. L. 2,3727: Fatis Q. Fabius Ny sus ex voto, dabeidrei weibliche Büsten; 3, 4151: Fatis Te-nati[. - etc., dabei drei verhüllte Frauen; 7,370: Genio loci Fortun(ae ) reduci Bomae ae-ternae) et Fato bono etc.; 5, 705: Fatis Oc-tavia etc.; 5, 8217: Fatis v. s. I. m. Tertia ;5 4208 : Fatis Dervonibus etc.; 5, 775: Fatisdivinlis) et barbaricf. .) v. s. I. m. etc. und 5,4296 an geschlechtliche Fati, Fatae, ohne zuberücksichtigen, dafs auch die drei Fata alsFrauen aufgefafst und dargestellt und dieFata häufig in Grabschriften genannt werden(s. Fatum), also eine sichere Entscheidungunmöglich ist. [E. Peter.]
Fatuus. Fatuus, Name des Faunus (s. d.), dener als Gott der Weissagung führt (Fatuus vonfari, Corssen, Ausspr. I 2 S. 421, vgl. VarrosAbleitung des Wortes Faunus a fando, l. I. 7,36; fatuari = inspirari lustin. 43, 1, 8); alseine Nebenform des Namens ist bei (Serv.Verg. Aen. 6, 775 und 7, 47 Fatuclus über-liefert (die früher angenommene Form Fatue-lus ist, seitdem in der Ausgabe von Thilo undHagen ein zuverlässiger kritischer Apparatvoiiiegt, nicht mehr haltbar; 0. Müller zuVarro l. I. 6, 55 wollte Fatuolus lesen). DieGattin des Fatuus ist Fatua (Serv. a. aa. 00.).Neben dem einen Fatuus glaubte man an vieleFatui (Serv. Verg. Aen. 8, 314. Martian. Cap.2, 167); in Picenum galten diese als Plage-geister der Frauen (Plin. n. h. 27, 107).
[E. Peter.]
Faula s. Fabula.
Faun s. Phaun (= (frouov). [Deecke.]
Fauna. Fauna ist die Schwester und Gat-tin* des Faunus; als weissagende Göttin wirdsie Fatua genannt, als Segens-, Heil- undFrauengottheit, deren eigentlicher Name nichtausgesprochen werden durfte, tritt sie imMythus und Kultus unter der allgemeinen Be-zeichnung Bona Dea auf (Varro l. I. 7, 36 =Interpol. Serv. Verg. georg. 1, 11. Gavius Bas-sus bei Lactant. I. D. 1, 22. Cornelius Labeo bei Macrob. Sat, 1, 12, 21 f. Arnob. 1, 36.5, 18. Serv. Aen. 7, 47; vgl. Fatua, Bona Dea ).
Nach Cassius Dio (fr. 4, 3 Dind. = Tzetzes z. Lycophr. 1232) erzeugt Hercules, als er mitden Eindern des Geryon nach Italien kommt,mit der Frau des Königs Faunus (deren Namennicht angegeben wird) den Latinus; nach Dio-nys (Ant. rom. 1 , 43) ist es eine hyperboreischeJungfrau, mit welcher Hercules den Latinuserzeugt und die er bei seinem Abzüge dem Fau-nus als Gattin überläfst. In beiden Fällennimmt Preller (Böm.Myth. s 2 S. 283) an, dafsunter der Frau des Faunus und Mutter desLatinus Fauna zu verstehen sei; vergl. hier-über Hercules. [E. Peter.]
Faunus. Die Liste der Laurenterkönige, die / äjmit Saturnus (oder auch unter seinem Spezial- .. ,. .namen Stercutius,.. Serv. ad Aen. 10, 76) be-.,gann, liefs durch Übertragung der Herrschaftvom Vater auf den Sohn auf diesen den Picus,sodann Faunus, endlich Latinus folgen (Verg.
Aen. 7, 45ff. Arnob. 2, 71. Lact. inst. 1,
22, 9. August, c. d. 18, 15. 16), wobei dieÜberlieferung nur darin differierte, dafs dieeinen den Latinus für den Sohn des Faunusund der in Minturnä lokalisierten Strand-göttin Marica erklärten (Verg. Aen. 7, 47 undServ.), die andern denselben von Hercules mitder Tochter (lustin. 43, 1, 9) oder Gattin.desFaunus erzeugt sein liefsen (Cass. Dio fr. 4, 3Bekk. Dionys. 1, 43). Faunus heifst Abori-ginum rex (Suet. Vitell. 1; vgl. Geil. 5, 21, 7.
16, 10, 7) und indigena (Censor. 4, 11), d. h.er repräsentiert noch die alteinheimischeKultur von Latium , und erst unter seiner Ee-gierung erfolgt der Sage nach die Einwande-rung des Euandros (lustin. 43, 1, 6. Schwegler,
Böm. Gesell. 1, 351 f.). Die euhemeristisclieMythendeutung entnahm aus diesem Vorkom-men des Faunus in der Königsliste den Be-weis, dafs der noch späterhin verehrte GottFaunus nichts weiter sei, als ein heroisierterMensch, etwa wie Amphiaraos in Theben oderTyndareos in Lakonien (Varro bei Serv. adAen. 8, 275; vgl. 10, 551. 558. August, c. d.
8, 5. 18, 15), dessen göttliche Verehrung erstdurch Euandros oder Eomulus (August, c. d.
4, 23) eingeführt worden sei. In Wahrheitist der Hergang gerade der umgekehrte ge-wesen: der seit uralter Zeit verehrte GottFaunus fand in der relativ spät redigiertenKönigsliste seinen Platz ebenso, wie derStammgott Mars unter der Gestalt des Picus(daher heifst Faunus bei Dionys. 1, 31 "Agios<%S cpuaiv anoyovog). Die Erkenntnis derWesenheit dieses Gottes wird dadurch er-schwert, dafs die römischen Dichter seit demletzten Jahrhundert der Eepublik, veranlafstdurch manche gemeinsame Züge der beider-seitigen Mythen, sehr viel Griechisches in dieAuffassung des Faunus hineingetragen habenund ihn nicht nur fast durchweg nach Wesenund äufserer Gestalt mit Pan identifizieren(Ovid . z. B. bezeichnet den römischen Faunusals deus Maenälius fast. 4, 650, als bicornis fast.
5, 99; vgl. 3, 312, semicaper 5, 93, cornipes2, 359 u. a.), sondern auch von einer Mehr-heit von Fauni, entsprechend den griechischenSatyrn, reden (Fauni et Satyri verbundenz. B. bei Ovid. met. 1, 193. 6, 392; Ibis 81.