Band 
Erster Band, zweite Abteilung. Euxistratos - Hysiris.
Seite
1455-1456
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1455 Faunus

Vgl. Serv. ad Aen. 1 , 372: 'nam et moriuntur[ nymphae ] secundum Aristotelem, ut FauniPanesque). Aus denjenigen Zeugnissen aber,die von dieser Vermengung griechischer undrömischer Religionselemente frei sind, ergiebtsich deutlich, dafs Faunus eine Erdgottheitist, ebenso wie Mars und Silvanus . Wie ersich seinem Wesen nach von diesen beidenihm zunächst verwandten Gottheiten scheidet,hat Reifferscheid ( Annali delV Inst.' 1866, 218f.Index lect. Mb. Vratisl. 1882/83 p. 7f.) dar-gelegt: Mars, Faunus und Silvanus verhaltensich zu einander wie Lares praestites, compi-tales und familiares : während Mars einen starkhervortretenden politischen Zug bekommen hatund Silvanus der Gott des Waldes und Feldesim allgemeinen sowie der einzelnen mensch-lichen Niederlassung ist, ist Faunus der Reprä-sentant des Gaues (Hör. carm. 3, 18, 12),der vorstädtischen und vorstaatlichen Kultur;er vertritt also eine höhere Entwicklungsstufeals Silvanus und gilt darum auch als Landes-könig und als Stifter religiöser Satzungen(Lucil. fr. 15, 5 L. Muell . Lact. inst. 1,22,9).Vor allem aber ist er Repräsentant des Land-lebens ( agrestis Ovid. fast. 2, 193; silvicolaVerg. Aen. 10, 551; darum wird er auch imFreien in heiligen Bäumen verehrt, Verg. Aen.12, 766) und Schützer seiner verschiedenen Be-schäftigungen, des Ackerbaues (daher machteneinige den Stercutius, den Erfinder der Dün-gung, zu seinem Sohne, Plin. n. h. 17, 50),der Jagd (auch der Vogelstellerei, Prop. 5,2, 33) und besonders der Viehzucht: die Herdesteht unter seiner besonderen Obhut ( Ilor .carm. 1 , 17) und ein junges Tier der Herde,Ziege oder Böcklein, ist ihm das gebräuch-lichste Opfer (z. B. Hör. carm. 1 , 4, 12. Ovid .fast. 2, 361). Namentlich wacht er über dieVermehrung der Herden und führt als Gottder tierischen Begattung den speziellen NamenInuus, 'ab ineundo passim cum omnibus ani-malibus (Serv. ad Aen. 6, 775; vgl. Prob, adGeorg. 1, 10. Liv. 1, 5. Rutil. Namat. 227ff,welcher 235f. zur Erklärung des Namens sagt:'dumve novat largo mortalia semina fetu, fin-gitur in venerem pronior esse deus. WennUnger, Rhein . Mus. 36, 65 ff. den Inuus vonFaunus ganz trennen und zu einer etruskischenGottheit machen möchte, so widerspricht dasdurchaus der Überlieferung und stützt sichauch nicht auf den Schatten eines Beweises),Dagegen ist es zweifelhaft, ob der BeinameLupercus, welchen der Gott führt (lustin. 43,1, 7), ihn als den Schützer der Herde be-zeichnet, da die Ableitung von lupus und ar-cere ernsten Bedenken unterliegt (Jordan, lerit.Beiträge 164f., der lup-erc-us unter Verglei-chung von nov-erc-a als ' Wölfling erklärt).Der Name Faunus selbst aber, abgeleitet vonfavere und gleichbedeutend mit dem griechi-schen Evavägog, der ja auch im Mythus einereine Doublette des Faunus ist, charakterisiertihn als den gütigen Beschützer der Feldmark('quod frugibus faveat Serv. ad Georg. 1, 10;vgl. ad Aen. 8, 314. Macr. Sat. 1, 12, 22.Von demselben Stamme ist Favonius herzu-leiten; darauf aber mit Mannhardt u. Roscher,

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Hermes der Windgott p. 119 A. 463 einenZusammenhang des Faunus mit den Wind-gottheiten zu begründen, scheint bedenk-lich). Der Aufenthaltsort eines solchen Gottessind naturgemäfs Berge und Wälder ('di sumusagrestes et qui dominemur in altis montibusOvid . fast. 3, 315f.) und daran knüpfen andereSeiten seines Wesens an. Vor allem teilt ermit Mars und Silvanus die Gabe der Weis-sagung: man schrieb ihm die mannigfachen,oft. unheimlichen Stimmen und Naturlaute zu,die sich im Waldgebirge hören lassen (wes-halb man auch den Namen Faunus ableiteteάπο τής φωνής, Serv. ad Aen. 7, 81) und esbildete sich daraus die Sage, dafs in Schlach-ten die Stimme des Faunus ertönt sei, umden Sieg der Römer zu verkünden, so nament-lich in der Schlacht am Walde Arsia ( Dionys.5, 16; den Silvan nennt Liv. 2, 7), aber auchbei andern Gelegenheiten ('saepe etiam in proe-liis Fauni auditi Oie. de divin. 1, 101; vgl.de deor. nat. 2, 6; 3, 15). So wird er allge-mein zu einem der Zukunft kundigen Gotte(fatidicus Verg. Aen. 7, 82) und führt als solcherden Beinamen Fatuus (s. d.) oder Fatuclus('a fando Serv. ad Aen. 8, 314; 6, 775; 7,47,eine Etymologie, die Varro de l. I. 7, 36.Serv. ad Ecl. 6, 27 u. a. fälschlich auch aufden Namen Faunus übertragen). Der KönigNuma macht sich nach einer hübschen ein-heimischen Sage die Weisheit und Wahrsage-kunst des Faunus und seines Vaters Picus zuNutze, um von ihnen durch listigen ÜberfallAuskunft über die Veranstaltung der Blitz-sühne zu erpressen ( Valer . Antias bei Arnob.5, 1. 2 und Plut. Numa 15. Ovid. fast. 3,291 ff.). Nach Vergil Aen. 7, 82 ff. und Ovid fast. 4, 649 ff. gab es in der Nähe von Tibureinen heiligen Hain des Faunus, in welchemder Ratsuchende durch den Ritus der Inku-bation Traum Orakel erhielt; wenn auch dieAusmalung des Herganges bei den genanntenDichtern eine freie ist, so hat man dochkeineswegs das Recht, die ganze Erzählungvon dem Traumorakel des Faunus als nur ausder gräcisierenden Auffassung dieser Dichterhervorgegangen über Bord zu werfen, wozuJordan (bei Preller, Rom . Mythl 1, 382 A. 2)geneigt scheint. Jedenfalls schrieb schon einerecht alte Überlieferung dem Faunus inVersen,und zwar in Saturniern (Fest. p. 325), redendeOrakel zu (Ennius bei Varro de l. I. 7, 36:'versibus quos olim Fauni vatesque canebant),und daher galt Faunus in gewissem Sinne alserster Dichter und Patron der Poeten ('31er-curialium custos viroruni Hör. carm. 2, 17,

28) . Mit Silvanus teilt Faunus auch die Eigen-schaft, dafs er als schadenfroher Waldgeist Tiere und Menschen erschreckt und ängstigtund namentlich des Nachts sie als Alp drückt('Faunorum in quiete ludibria Plin. n. h. 25,

29) , weshalb er den Namen Incubus (griech.εφιάλτης) führt (Serv. ad Aen. 6, 775; überSilvan in gleicher Eigenschaft s. August, c. d.15, 23). Über das weibliche Gegenstück desFaunus, seine Tochter, Schwester oder GattinFauna s. d. Art.

Das hohe Alter des Kultes des Faunus in

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