1461
Faustitas
Faustulus
1462
unzweifelhaft in Φανστίνος zu emendieren.Mommsen ( Die echte und die falsche Acca La-rentia, in Festgaben für Homeyer, Berlin 1871S. 103 = Mommsm, Rom . Forsch. 2 S. 16)nennt Faustinus mit Hecht eine jüngere Figurin der Sage von Romulus und Remus , da erder nachweislich ältesten Fassung derselbenfremd ist (vgl. über die hei Dionys vorliegendeBearbeitung der Legende unter Faustulus).
[E. Peter.]
Faustitas. Horae nennt (c. 4, 5, 18) als eineGöttin, die mit Ceres die Fluren segne, wennAugustus im Vaterlande weile, die Faustitas:nutrit farra Ceres almaque Faustitas. Mit die-sem Namen bezeichnet aber nach Pseudo-Acround dem Schot. Cruq. zu d. St. Horaz keineandere als die Göttin Felicitas, welche nachden Fasti Amiternini und Arvales {C. I. L.
1 S. 325 = 9 η. 4192 S. 403; Fphem. epigr.
1 S. 40 = C. I. L. 6, 1 S. 626) am 9. Okto- 2ber ais Fausta Felicitas mit dem Genius Publi-cus und der Venus Victrix auf' dem Capitolverehrt wurde. [R. Peter.]
Faustulus. Faustulus ist in allen Wande-lungen, welche die römische Gründungssageseit Fabius Pictor erfuhr, der Hirt, der dieZwillingsbrüder Romulus und Remus aufzieht.In der Fassung der Sage, welche nach Momm-sen (Die echte und die falsche Acca Larentia,in Festgaben für Homeyer, Berlin 1871 S. 99 s= Mommsen, Rom. Forsch. 2 S. 9f.) auf Fa-bius Pictor zurückgeht (bei Dionys. Halic. an-tiq. rom . 1, 79—83 = Fabii Pictoris Graecar,histor. fr gm. 5 h S. 9 ff. Peter·, auch PlutarchRom. 3 ff geht nach Mommsen a. a. 0. imwesentlichen auf Fabius zurück, spricht aberüber den hier in Betracht kommenden Teilder Sage nicht so ausführlich, vergl. die aufFabius zurückgeführten Stücke bei Peter a. a. 0.fr gm. 5 b S. 16 ff) und der nach Dionys die imeisten Annalisten folgten (a. a. 0. 79: περίdt τών εκ τής Ιλίας γενομένων Κόϊντος μενΦάβιος ο Πικτωρ λεγόμενος, ω Λενκιός τεΚίγκιος και Κάτων Πόρκιος και Πείοων Καλ-ττονρνιος και τών άλλων συγγραφέων οι ηλεΐουςήκολον&ηοαν, τήδε γράφει sq.), wird erzählt,dafs Faustulus, ein gutmütiger Mann, der Ober-hirt des Amulius, zu der Zeit der Nieder-kunft der Ilia in Alba war und dann, als dieKinder zu dem Flusse getragen wurden, durch tgöttliche Fügung auf demselben Wege mitden Trägern der Knaben nach dem Pallan-tium ging. Ohne den anderen zu entdecken,dafs er etwas von der Sache wisse, liefs sichFaustulus die Knaben von den Hirten, welchedie Zwillinge aufgefunden hatten, übergebenund brachte sie seinem Weibe, die kurz vor-her mit einem toten Kinde niedergekommenwar und sich härmte. Die Frau des Faustulusheifst gewöhnlich Acca Larentia ( Verrius Flac- <cus in den Fasti Praenestini zum 23. Dezem-ber, C. I. Ij. 1 S. 319. Paul. S. 119 Laren-talia. Ovid , Fast. 3, 55 ff. Liv. 1, 4. Dionys1, 87. Plut. Rom . 4. Cass. Dio fr. 4, 13 Dind.= Tzete. zu Lycophr. 1232. Lactant, inst. div.1, 20. Auctor de vir. ill. 1. Auctor de orig,gent. rom . 20, 3. Zonaras 7, 1; die Stelle desFestus S. 269 Romam ist wertlos, da sie die
durchaus willkürlichen Ergänzungen des Ur-sinus neben nichtssagenden Resten des Textesenthält); nach Mommsens Vermutung (a. a. 0.S. 102 = 14; vgl. auch F. Hoffmann, Die Ar-valbrüder S. 13 f.) hat sie wahrscheinlich Lici-nius Macer zuerst so genannt ( Macrob. Sat.1, 10, 17: Macer historiarum libro primo Fau-stuli coniugem Accam Larentiam Romuli etRemi nutricem fuisse confirmat)·, der Ehe mitihr entstammten nach Masurius Sabinus (beiGellius 7, 7, 8. Plin. n. h. 18, 6, dazu Momm-sen a. a. 0. S. 105 Anm. 40; vgl. FulgentiusS. 560 Arvales fratres ) zwölf Söhne (s. AccaLarentia, Two die neueste, viel originelle aberzu kühne Kombinationen bietende Abhandlungüber 'Acca Laurentia’ von Rührens (Fleck-eisens Jahrb. 1885 S. 777ff; s. bes. S. 779) nach-zutragen ist. R.]).
Dafs die Hirten des Faustulus die Knabenauffanden, scheint auch Ennius erzählt zuhaben (vgl. annal. v. 73 Vahl. — v. 59 Müll.und dazu Vahlen, Quaest. Enn. S. XXXIV f.;vergl. auch Schwegler, Röm. Gesch. 1 S. 407.L. Müller, Quintus Ennius , Petersburg 1884S. 152). Nach anderer Erzählung aber findetFaustulus selbst die Kinder (Liv. a. a. 0. Serv.Aen. 1 , 273. Auct. de vir. ill., Zonar, a. aa.00.). Die Rolle eines Erziehers der beidenKnaben behält Faustulus auch in den späterenBearbeitungen der Sage, welche durch mög-lichste Entfernung alles Wunderbaren dieselbeschliefslich zu einer romanartigen Erzählungumgestaltet haben (vergl. Schwegler a. a. 0.S. 398), bei Dionys 1, 84 und dem Auct. deor. gent. rom . 19. — Nach Dionys (wo als Ge-währsmänner angeführt werden έτεροι . . ουδ'εντών μν&ωδεστέρων άξ,ιοϋντες ιστορική γραφήττροςήκειν, welche die Saugung der Zwillingedurch die Wölfin ώς δραματικής μεστόν άτο-πίας διαανρονσιν, das sind nach Mommsen a. a. 0. S. 99 Anm. 25 = S. 9f. Anm. 25 diejüngeren Annalisten der sullanischen und nach-sullanischen Epoche, wie Antias und Macer,vgl. S. 103 = 15f. und A. Barth, De Jubaeόμοιοτήτεσιν , Gotting. 1876 S. 52 Anm.) weifsNumitor von der Schwangerschaft seiner Toch-ter; den von ihr geborenen Zwillingssöhnenschiebt er zwei andere Neugeborene unter,die dann Amulius aussetzen läfst; seine ge-retteten Enkel übergiebt er heimlich dem HirtenFaustulus zur Erziehung. Dieser Faustulusaber ist ein Arkader, Gefährte des Euander,und wohnt als Oberhirt des Amulius am Pal-lantium; die Erziehung der Kinder übernimmtauf Zureden seines Bruders Faustinus, desOberhirten der Herden Numitors am Aventin(von einem Bruder des Faustulus, der die Zwil-linge erziehen hilft, spricht auch Plut. Rom .10; vergl. hierüber Faustinus); die Gattin desi Faustulus ist auch hier Acca Larentia. DieKnaben werden frühzeitig nach Gabii gegeben,um griechische Erziehung zu geniefsen, undwerden dort von Gastfreunden des Faustulusunterrichtet. Der Auctor de or. gent. rom. er-zählt, dafs Amulius selbst seine Nichte, dieVestalin Rea, im Hain des Mars überraschte,sie nach der Geburt der Zwillinge töten liefsund die Knaben zu sich nehmen wollte; Nu-