1687 Glaukos (Sohn d. Minos)
beim Ballspiel Hygin. fab. 136) in ein Honig-fafs und kam darin um. Nach langem ver-geblichen Suchen nach dem Verschwundenenwurde dem Vater durch Apollon ( Hygin .) oderdurch die Kureten (Apollodor 3, 1, 2) odersonsther (Tzetzes zu Lykophron 811) verkündet,der, welcher für eine in des Königs Besitz be-findliche dreifarbige (xoi%gmyazog Apd.) oderdreimal am Tage die Farbe wechselnde ( Hyg .)Kuh einen treffenden Vergleich zu finden ver- iomöge, werde ihm den Sohn, und zwar lebend(*«! gcövxa Apd.) wiedergeben. Der Witz dereinheimischen Seher und Weisen versagt. Alsjedoch Polyidos, der Sohn des Koiranos, dergepriesene Seher aus Argos , als Analogon derKuh die Brombeere und Maulbeere nennt, hältMinos diese Vergleichung für treffend und be-fiehlt dem Polyidos, den Knaben zu finden.Ein auf dem Festlande Beute suchender See-adler ( Dindorf , frgm. Polyid. Eurip. No. 1) 20und eine auf der Honigkammer sitzende Eule( yluvlg , Eurip. bei Aelian hist. an. 5, 2 undHygin. a. a. 0.) weisen dem Suchenden denWeg; als er aber dem gefundenen Leichnam dasLeben nicht wiederzugeben vermag, läfst ihnder erzürnte König, der, auf den Wortlaut desOrakelspruchs bauend, das Unvermögen desSehers für Böswilligkeit hält, mit dem feierlichbestatteten Sohne in dessen prächtig errichtetesGrabmal (Eutoeius bei Archimedes , de sphaera 30et cylindro 2, 20; andere Stellen in HeynesApollodor 2, p. 222) einschliefsen. Polyidosaber sieht, wie eine Schlange, die den Totenbeschlichen hatte und von ihm (Polyidos) er-schlagen war, durch eine andere mit einemherbeigeschleppten wunderkräftigen Kraute be-deckt und dadurch wieder zum Leben zurück-bracht wird. Er erkennt die Zaubermacht desKrautes und wendet sie mit demselben Erfolgbeim Glaukos an (Hauptstellen: Apollodor. , Ly- 40hophr., Hygin. a. a. 0., ferner Glaudian de helloGet. 44, 4, Agatharch bei Phot. Bibi. 250, Era-tosthenes nach Eutoeius bei Archim. a. a. 0.,Zenobius in v. Leutsch und Schneidewin, Par-oemiogr. gr. 1, Cent. 47). — Nach anderen{Hyg. fab. 49, Apollodor a. a. 0. u. Heyne z. d. St.,Schol. zu Find. Pyth. 3, 96, Hygin, Poet, astron.
2, 14, Schol. zu Eurip. Ale. 1) war es jedochAsklepios, dem die Wiederbelebung gelang. —Auf ihr Rufen und Pochen werden Glaukos und 50Polyidos aus dem Grabmal befreit. Währendnun nach Hygin der Seher, vom König reichbeschenkt, in seine Heimat zurückkehrt, zwingtihn (nach Apollodor und Tzetzes ) der unersätt-liche Minos, den Knaben auch die Weissage-kunst zu lehren, die er ihm aber wieder nimmt,indem er vor seiner Abreise den Glaukos be-wegt, ihm in den Mund zu spucken. — Ganzvereinzelt ist die Notiz bei Servius (z. Verg.Aen. 7, 796. 10, 564), dafs Glaukos später mit 60den Dioskuren nach Italien gekommen sei unddort den Aboriginerkönig Thybris getötet habe(ibid. 8, 72. 330).
Der Mythos ist aus vielen verschiedenartigenTeilen zusammengeschweifst und scheint haupt-sächlich folgende Elemente zu enthalten: 1)Untergang des jugendlichen Morgensterns beimVerfolgen der Nacht, 2) Tod des jugendlichen
Glaukos (Sohn d. Sisyphos) 1688
kretensisclien Naturgottes, dem Klagen, Suchenund endliches Finden desselben folgen, 3) Ver-herrlichung des Sehers Polyidos, zusammen-gesetzt aus oft in den Mythen vorkommendenMotiven [über das wunderthätige Kraut s. Glau-kos d. Meergott (7) und Grimm, deutsche Kinder-u. Hausmärchen 3, 26. R.]). Der Mythos warim Alterthum sehr beliebt, rXavvog nubv yiXidvsovq wurde sprichwörtlich für solche, die fürtot ausgegeben waren und wieder ans Lichtkamen ( Apostol. in den Paroem. graeci 2, Cent.5, 48 mit euheineristischer Deutung wie beimPalaephat. c. 27). Äschylos behandelte ihn inseinen Äogoocn {Hoch, Kreta 3 S. 239, Welcher,Gr. Tragödien 1 S. 57, 27, Eckermann, Me-lampus S. 140. Die Fragmente gesammelt beiSchütz, Aesch . 5 p. 71, G. Hermann, No. 120 sq.),Sophokles in s. HoXv'Cöog od. Mavxsig {Hindorf,fragm. Soph. 462—467, Welcher a. a. 0. II S.768. 777, Echermann a. a. 0. S. 140 f.) undEuripides in s. noXviSog (Hindorf, fragm.Pol. 1 — 7, Valchenaer, Hiatribe de deperd.Eurip. fab. p. 200, Welcher a. a. 0. 2, S. 767).Spuren anderer Tragödien dieses Inhalts bei Flut,non suaviter posse vivi c. 26 und Archimedesa. a. 0. — Eubulos und Antiphanes benutztenihn für Komödien ( Meinehe , fragm. com. gr. 1p. 325. 360), vielleicht auch Aristophanes fürs. TloXviSog (Bergk, Zeitschrift f. Altertumswiss.1855 S. 962, mit Zustimmung Welckers). Auchals Gegenstand mimischer Tänze wird er ge-nannt ( Lucian de saltat. c. 49).
Auf Bildwerken scheint die Auffindungdes Glaukos im Honigfafs in Gegenwart derEltern auf einem Karneol aus der Sammlungdes Duc de Luynes nachgewiesen (Gaedechensin Gerhards arch. Ztg. 1860 S. 69 f.), währenddie Deutung eines anderen bekannten ge-schnittenen Steins (Henkmäler d. alt. Kunst 2,Taf. 30 n. 333 mit Wieselers Bemerkungen) aufdiese Scene durch Vinet und Birch mehr alszweifelhaft erscheint.
Litteratur: Hoch, Kreta 3, S. 286 — 300,Echermann, Melampus S. 138—161, Gaedechensin Ersch u. Grubers Allg. Encycl. 1, LXIX,S. 187—191. Boscher, Nektar und Ambrosia 57.B. Gaedechens, Glauhos, Sohn des Minos , Arch.Zeitung 1880 p. 69—71.
10 ) Ein Pan , der mit seinem Vater undelf Brüdern dem Dionysos im Kampfe gegenDeriades und die Inder zu Hilfe eilte. Nonnos,Hionys. 14, 82 f.
11) Sohn des Priamos (Apollod. 3, 12, 5),der durch Agamemnon fiel; Hygin. fab. 115.113.
[Gaedechens].
12) Sohn des Sisyphos und Vater desBellerophontes, König von Ephyre - Korinth(Hom. II. 4,154. Apollod. 2, 3,1. Paus. 2, 4, 3),welches deshalb bei Simonides (fr. 84 Bergk)rt 6hg Pi.avv.oLo heifst. Seine Mutter ist Me-rope (Hellan. fr. 56. Müller, FHG. 1, 52),seine Gattin Eurymede ( Apollod. 1, 9, 3) oderEurynome, Tochter des Nisos (Hygin. f. 157).Durch Chrysaor ist Glaukos Grofsvater desMylasos, welcher die karische Stadt Mylasa gründete (Steph. Byz. MvXaea). Nach korin-thischer Lokalsage bei Eumelos in den Korin-thiaka wurde Glaukos in Lakedaimon, wohin