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Erster Band, zweite Abteilung. Euxistratos - Hysiris.
Seite
1705-1706
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1705 Gorgoneion (Entstehg. d. Typus)

tt>an die anderen bösen Geister zu vertreiben.So weit verbreitet diese Sitte bei den sog.Naturvölkern ist, so ist doch bei einigen Völ-kern, ja zuweilen nur einzelnen Teilen einerVölkerschaft, die Fratzenmaske mit heraus-gestreckter Zunge zu einer besonders typischenAusbildung und zu besonderer Bedeutung ge-langt, so dafs sie in die Ausschmückung derGeräte und Gewänder aufgenommen wird, jadie ganze Ornamontation derselben ausschliefs-jich beherrscht, wie dies bei den Haida-,Gella-Coola- und Bella-Bella-Indianern der Falll8 t, die alle ihre Erzeugnisse mit dieser demGorgoneion sehr verwandten Maske bedecken,die man bei den übrigen Indianern gar nichtdndet. Dagegen hat in Asien ein in Südindienen tstandener Typus eine ungeheure Verbrei-tung, soweit nur indischer Einflufs reicht, be-kommen, der der (,livaitischen Dämonen. EsJ^t dieser im wesentlichen nichts als eine demGorgoneion sehr verwandte Maske, und ausder Maske hat sich erst die ganze Gestaltentwickelt (vgl. Grünwedel in Original-Mitteil.««s der Ethnolog. Abteil., Berlin 1885, S. 43).Gs sind im wesentlichen Dämonen der Zer-s törung und des Todes, auch des Gewitters,üd die der Typus übertragen wird.

Bei den Griechen war, wie wir sahen, derül ythische Begriff der Gorgonen längst aus-gebildet, bevor die Fratzenmaske auf dieselbenübertragen wurde. Wir dürfen vermuten,dtfl's die letztere in ihren Hauptzügen fertigä. e n Griechen überliefert wurde von einemV°lke oder Stamme, bei dem die schreckendeMaske für irgend einen Dämon ihre feste Aus-oildung erhalten hatte. . Es deutet, wie wirj.ohen werden, manches daraufhin, dafs dieseÜberlieferung in Kleinasien stattfand, undsich der Typus von da weiter verbreitete. Iner That glaube ich eine Spur der HerkunftjV?rselben nachweisen zu können. Ein in dendtitischen Inschriften öfter vorkommendesReichen stellt eine an einem krummen Staboefestigte Maske mit herausgestreckter ZungeOär ( s , Tramact. of Soc. of Bibi. Arch. 7, Taf. 3,^tein von Djerabis, derselbe auch bei Wright ,iitt. empire). Da sich ein weitgehender Ein-lu G nordsyrischer Kunst und Kultur nichtül11 ' auf Cypern, sondern auch in Kleinasien Ull d auf die hier beginnende griechische KulturNachweisen läfst (vgl. Artikel Gryps), so ist,} e Vermutung eines Zusammenhangs der, wie,, le Schrift zeigt, in Nordsyrien heimischennatzenmaske und des Gorgoneions berechtigt.,. le Ansicht, die ich selbst früher hatte, undl/r a, ? c ^ andere geäufsert haben, dafs dasgriechische Gorgoneion durch Vermittlung derooiniker aus dem ägyptischen (ursprünglichlabischen) Besä-Typus entstanden sei, ist951 aufzugeben (vgl. auch Six, de Gorg. p., ö )· Die phoinikischen Bildungen, die dieserlorvorrief, trennen sich scharf von dem grie-j lls pl le n Gorgoneion, und nur auf Cypern und1 Etrurien, wo phoinikischer Einflufs sich dem griechischen noch im 7. und 6.a u eil 1 i e lk> ist eine Berührung der beidenj, konstatieren. Sonst sind gerade die ältestenormen des griechischen Gorgoneions völlig

Gorgonen (in d. ältest. Kunst) 1706

verschieden von dem Besatypus. Die Wurzelist freilich bei beiden der Art nach jedenfallsdieselbe, die oben angedeutete; und vielleichtwar sie auch historisch dieselbe. Doch diesbleibt vorerst alles ungewifs. Es sei hiernur noch bemerkt, dafs bei den Griechen un-gefähr gleichzeitig mit dem Fratzengesichteauch eine Abkürzung desselben in Gebrauchkam, die nur aus zwei grofsen Augen undio einer Nase dazwischen bestand, die auch weg-bleiben konnte. Diese Abkürzung (die auchschon auf altrhodischen Vasen begegnet) be-kam niemals eine mythologische Bedeutungund blieb rein apotropäisches Symbol.

Wir betrachten nun die wichtigsten Denk-mäler des Gorgonentypus in historischerFolge. Von Litteratur sind hervorzuhebendie Schriften von Levezow, die Entwickelungdes Gorgonen- Ideals, Abhandl. d. Berliner 20 Akademie 1832, ferner Gaedechem , Gorgo inder Allg. Encyclop. von Ersch und Gruber1, 74, S. 387 ff. (viel Material, doch ohnekritische Sichtung) und Six , de Gorgone,Amstelodami 1885. Die letztere Abhandlungenthält fleifsige, nur wenig übersichtlich undoft nach unwesentlichen Gesichtspunkten ge-ordnete Zusammenstellungen, eine Fülle sorg-fältiger Detailbeobachtung, doch ohne rechteZusammenfassung; der Hauptwert der Arbeitso beruht in der umfassenden und sachkundigenBehandlung desjenigen Materiales, das dieMünzen liefern.

Als ältestes uns erhaltenes Gorgoneionwird gewöhnlich (so auch von Six p. 5) dieZeichnung auf dem Schilde der melischen VaseConze, Mel. Thongef. Taf. III bezeichnet. MitUnrecht; denn hier ist zweifellos ein Tier,wohl ein Löwenkopf von vorne gemeint. Mitdem Gorgoneion hat der Kopf gar nichts40 gemein. Der tierische Unterkiefer, der breiteTierhals, die Zacken ringsum, welche die Mähneandeuten, lassen keinen Zweifel; betr. der Augenvgl. die des Hirsches ebenda Taf. IV. AVirdürfen wohl umgekehrt aus diesem Tierkopfschliefseu, dafs der Typus des Gorgoneionszur Zeit und am Orte der Entstehung dieserVase noch nicht existierte. Der Löwenkopfauf dem Schilde ward vielleicht einem löwen-köpfigen Dämon eigen gedacht. Das älteste,50 mir auf Vasen bekannte Beispiel ist dieschreitende Gorgone auf einem Teller ausKameiros von der altrhodischen Technik imBritish Museum (jetzt veröffentlicht im Journ.of hell. Stud. 6); derselbe ist schwerlich jüngerals das 7. Jahrhundert. Das Gorgoneion istschon völlig ausgebildet. Es ist ein rein mensch-licher Kopf, die Augen sehr grofs und rund,die Zunge heraushängend und der Mund breitverzogen mit emporstehenden Hauern. Bei60 den ältesten Gorgoneien ist der Mund immernur horizontal in die Breite verzogen. Es istdas bekannte Zeichen der Wut bei den mitden Zähnen kämpfenden Thieren wie bei denMenschen, den Mund seitwärts so zu verziehen,dafs die Eckzähne entblöfst werden. Da manin der archaischen Kunst aber das Gorgoneionmöglichst kreisrund' zu komponieren suchte,zog man bald die Mundwinkel mehr oder