1707 Gorgonen (in d. ältest. Kunst)
weniger in die Höhe, um den Mund der Kreis-linie paralleler zu gestalten. Das Haar fälltan jenem Kopfe nicht nur an der Seite indichten Strähnen, sondern auch vom Unter-kiefer herab und gleicht hier einem Barte.Wir finden den Bart bei einer grofsen Zahlvon Typen des Gorgoneions in der archaischenKunst, und zwar nicht nur bei den einzelnenMasken, sondern auch bei den zweifellosen weib-lichen Gorgonen in ganzer Figur. Die gewöhn-liche Erklärung, der Bart solle das Schreck-hafte vermehren, ist ungenügend. Ich kannmir denselben nur als Rest des überkommenenTypus erklären, der also männlich gewesensein mufs. Das beschriebene Gorgoneion jenesrhodischen Tellers sitzt nun auf einer Figur mitvier Flügeln auf, die ein langes Gewand vonder ältesten griechischen Art trägt, indem esauf der einen Seite offen ist und das Bein her-austritt. Sie hält in jeder Hand einen Wasser-vogel (Gans oder Schwan ) am Halse gefafst.Hier ist also jener in Griechenland früh ver-breitete, wie es scheint durch orientalischeAnregung entstandene Typus der Göttin mitden Wasservögeln (vgl. den alten Ziegel-stempel aus Mykenai, Arch. Ztg. 1866, Taf. A;den Inselstein Müchhöfer, Anfänge S. 86; zweiVögel neben der Gorgone , ein Rest diesesTypus auch noch auf dem Spiegel aus KrotonGerhard etr. Sp. 243 A) mit der neu über-kommenen Fratzenmaske zu einem neuen dä-monischen Wesen vereinigt. Ob wir es schonGorgone nennen dürfen ist kaum sicher zusagen. Dafs das Fratzengesicht anfangs zurBildung mehrerer schreckhafter Dämonen ver-wendet wurde, bevor es sich ausschliefslichfür die Gorgonen festsetzte, ist nicht zu be-zweifeln. Die Ker am Kypseloskasten, diedurch Inschrift bezeichnet war (Paus. 5, 19,6), hatte offenbar das Gorgoneiongesicht;vielleicht auch die Eris ebenda. Noch beiAischylos traten die Erinyen im Typus derGorgonen auf, nur ohne Flügel (Eum. 46, Cho.1045). Erhalten sind uns verschiedenartige,nicht genau bestimmbare, dämonische Wesenmit Gorgonenfratze, namentlich auf einigenetruskischen Werken, die aber von altgrie-chischen abzuhängen scheinen. Auf einemBronzerelief aus Orvieto (Arch. Ztg. 1877,Taf. 11, 1; S. 110 ff., Körte) ist es ein sichermännlicher Dämon mit einem Löwen auf jederSchulter. Zwei Löwen würgt der indes weib-lich gebildete hockende Dämon des PeruginerBronzereliefs (Micali, storia tav. 28; Müller-Wieseler, Denkrn. a. K. 1 , 298). Hier ist derEinflufs orientalischer Typen offenbar. Da-gegen möchte die seltsame Bildung auf demRinge Micali, storia 46, 17: Gorgone mit ge-flügeltem Rofsleib, Vogelkrallen an denFüfsen,einen Löwen mit den Händen fassend, undebenda 46, 18 dasselbe Wesen, einen Eberhaltend, auf die mythische Verwandtschaft desFlügel(-ßlitz)rosses und der Meduse zurück-zuführen sein (vgl. Müchhöfer , Anfänge derKunst S. 236). Und daraus ist wohl auch derauf Buccherogefäfsen erscheinende Typus einerGorgone mit zwei vor ihr wappenhaft grup-pierten emporstrebenden Flügelpferden zu
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deuten (Annali dell’ Inst. 1884, tav. D; Micali,storia 102, 8). Sehr bemerkenswert ist dieharpyienartige dämonische Figur auf einerschwarzfigurigen etruskischen Vase in Berlin (Furtw. 2157): vogelleibig mit zwei Armenund vier Flügeln, mit einem als Gorgoneion(ohne Schlangen) gebildeten Kopfe schwebtsie in der Luft und hält in jeder Hand einenzappelnden kleinen Menschen, also offenbarein Todesdämon. — Auf mehrfach erhaltenengeprefsten Bronzereliefstreifen altgriechischenStiles (in Berlin Nr. 6365, aus Gerhards Nacli-lafs; im British Museum ein vollständiges,rings mit diesem Streifen geschmücktes Gefäß ibei Micali, storia 102, 14 ist ein kleines Stückabgebildet) erscheint eine lauge Reihe sichimmer wiederholender nngefliigelter nach rechtslaufender weiblicher Figuren in gestreiften,gegürteten, halblangen Röcken, von derenSchultern je eine grofse Schlange ausgeht, diesich mit der der Nachbarin kreuzt; die Köpfezeigen den alten Gorgonentypus (ohne Schlange·)und Bart). Diese Wesen entsprechen Aischylos Schilderung der Erinyen, so dafs man sie amliebsten danach deuten möchte.
Zu den ältesten erhaltenen Gorgoneien g e 'hört dann das auf einer wahrscheinlich klein'asiatischen Elektronmünze, die ins 7. Jahrh-gesetzt wird (das BerlinerExemplar ist bei Helbig, d.homer. Epos S. 287 abgebildet,das des British Museum s. bei- vt
stehend nach Head, guide pl. 1,
4; vgl. P. Gardner, types pl. 4,
5; Six a. O. p. 60). Der Mund fnoinasiat. Blei:-
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ist nur horizontal verzogen, die Sead) guide p i. 1 , i)·Mundwinkel eher abwärts alsnach aufwärts; die Zunge ist herausgestreckhdie Augen grofs und schreckhaft. Im übrigenist der Typus noch ganz unausgebildet un«berührt sich zufällig mit dem gemildertenspäteren, den wir unten betrachten werden·— Ferner ist den ältesten zuzuzählen da)Gorgoneion, das auf den rotthonigen Pitli°(mit geprefsten Reliefs in Etrurien erscheint(über diese Denkmälergattung und ihren hoch"altertümlichen Formenschatz s. Arch. Ztg. 1S8LS. 40 ff.); es ist dem des oben genanntenrhodischen Tellers verwandt, die Zunge heraus-gestreckt, der Mund horizontal verzogen, da)Haar an den Seiten dicht herabfallend, undunten Bart; ohne Schlangen natürlich (eh*Exemplar in Rom ist ungenau abgebildetGregor. 2, 100, 6; andere Exemplare sind in de·'Ermitage zu Petersburg ; ich notierte^Nr. 76bLöschcke, Arch. Ztg. 1881, S. 42 nennt Nr. 527)-
Die zuweilen vorkommenden Tie rohrendes Gorgoneions sind immer als Einflufs desdurch Phoiniker vermittelten Besatypus zu e)'"kennen. So auf dem Gewände der ägyfd 1 'gierenden cyprischen Statue Cesnola, antig ·*·of Cypr . 1, 12; vgl. Six p. 31; tab. 2, 9 a, ) v ,°der ganze Typus dem des Besä verwandt i 3t ·Ferner auf dem sardinischen Thonstempel uu sTharros bei della Marmora, memor. dell' acaa·di Torino 1854, 14, p. 236, wo die Tierohrensehr deutlich sind und auch die zwei von·Kinn ausgehenden Schlangen der cyprische
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