Band 
Erster Band, zweite Abteilung. Euxistratos - Hysiris.
Seite
1709-1710
JPEG-Download
 

1709 Gorgonen (archaischer Typus)

Pigur, die ebenfalls dem Besatypus entlehntsind, wiederkehren. Endlich erscheinen dieTierohren zuweilen auf etruskischen Bucchero-reliefs, so Micali storia 17, 1. 22; mon. ined.31, 2.

Dagegen ist eine andere seltene Eigentüm-lichkeit an sehr alten Gorgoneien eine reingriechische: das sind kleine Hörner über derStirne; sie erscheinen an dem spartanischenAkroterion Arch. Ztg. 1881, 17, 1 und ferner an<lem Gorgoneion eines sehr archaischen Henkel-paares in Petersburg (Ermitage, Bronzen Nr.342. 344); die kurzen Hörner sind hier völligdeutlich; neben den Ohren hängt das Haarsteif herab; das ganze Gesicht sehr breit;Hauer im horizontalen, breiten Munde; keineSchlangen. Über die angeblichen Gor-goneien späten Stiles mit Hörnern vgl. Sixp. 65.

I. Archaischer Typus.

Die regelmäfsigen Bildungen des ar-chaischen Stiles für Gorgoneion und Gor-gonen sind nun folgende:

1) Ganze Gestalt der Gorgonen. Sieerscheinen fast immer laufend und zwar indem bekannten Schema der alten Zeit, wobeiein Knie tief herab gebeugt wird, zuweilen soHef, dafs die Figur knieend erscheint. Yonden Armen ist dann in der Kegel einer er-hoben, der andere gesenkt; selten sind beidegesenkt oder beide erhoben (letzteres z. B.auf den Buccherogefäfsen Micali storia tav.22; 102, 6; Berlin 1614 Furtw.). Immer sinddie Gorgonen geflügelt. Denn in einigenWenigen Fällen, wo sie ohne Flügel erscheinen,inögen zufällige Ursachen gewirkt haben, wieau der Selinuntischen Metope, wo kein Kaum' v ar, oder es sind eben keine Gorgonen, son-dern andere Dämonen, wie in den oben an-geführten Fällen (wozu auch das Bucchero-ielief Micali, storia 102, 7 kommt). Dafs inder hesiodischenAam's keine Flügel der Gor-gonen genannt werden, kann natürlich nichts eine ältere flügellose Bildung beweisen,du jene dichterische Beschreibung ja nur einige^üge und kein vollständiges Bild giebt. Diealtionische Kunst, die auch sonst reiche Be-«ügelung liebt, pflegte die Gorgo mit vierHügeln auszustatten, wovon zwei in der Regelaufgebogen sind; dazu kommen meist nocht ufsflügel. Als Beispiel diene die chalkidische*ase Arch. Ztg. 1866, Taf. 206; ferner dieunten für den langen Chiton citierten Werke.Her vierflüglige Typus kommt indessen auchuuf altattischen Vasen vor, indes mit kurzemDhiton, s. Gerhard, auserl. Vas. 88; Vase desArnasis Brit. Mus. 641; Journal of hellen.s tud. 1884 pl. 43 (diese Schale ist attisch,nicht chalkidisch, wie behauptet wurde; sie^ jetzt im British Museum ). Vierflügelig mitkurzem Chiton auch in dem Terracottaakro-terion von Gela , Kekulc Terrae, v. Sicilien,S · 44, Fig. 95.

... Schlangen als Attribut fehlen zwar an denultesten Gorgonendarstellungen, fanden jedochsehr rasch Eingang, viel rascher und all-gemeiner, als sie mit dem Fratzengesichte, demergoneion, verbunden wurden. Die Gorgonen

Gorgonen (archaischer Typus) 1710

der hesiodischenAanig haben bereits Schlangenum den Gürtel. Auf Denkmälern des 6. Jahr-hunderts ist dies häufig; vgl. die FranijoisvaseWiener Vorlegebl. 2, 5; die oben genannteSchale Journ. of hell. stud. 1884, 43, wo zweigrofse Schlangen geknotet erscheinen, die sichüber die Schultern erheben und von jederHand fest gehalten werden, ferner das obengenannte Akroterion von Gela. Häufig haltensie auch nur kleinere oder gröfsere Schlangen inden Händen, vgl. z. B. die altattische VaseAnnali delV Inst. 1866, tav. R.; von sehr alter-tümlichem Charakter ist das Buecherorelief inBerlin Vasens. 1614. Besonders beliebt sinddie Schlangen als Gürtel und in den Händenwieder in dem altionischen Typenkreise mitden vier Flügeln und dem langen Gewand.

Was die Gewandung betrifft, so scheidensich zwei Reihen. Die kleinasiatisch-ionische,sowie die chalkidische Kunst und was vondieser abhängt giebt den Gorgonen in derRegel das einem weiblichen Wesen, der Wirk-lichkeit entsprechend, zukommende lange Ge-wand; die dämonisch rasche Bewegung, diedurch das Gewand behindert scheinen könnte,wird durch die oben erwähnte besonders reicheBeflügelung angedeutet. Wir finden den langenPeplos schon auf dem oben genannten rhodi-schen Teller. Ein besonders altes und bedeu-tendes Denkmal ist dann ein circa 0,80 hoherBronzegerätfufs im Louvre aus Halicamafs,eine knieende Gorgone in langem Gewand,über deren Kopf sich ein Löwenfufs erhebt(vgl. die drei knieenden Kolosse als Stützendes Kraters der Samier, Ilerod. 4, 152); derKopf ist sehr grofs und breit; auf die Schul-tern fallen einzelne Locken; Schlangen fehlennoch ganz; die beiden Arme sind gesenkt;die Beflügelung fehlt hier wohl nur zufällig;vielleicht war sie besonders angesetzt. Fernertragen den langen Chiton: die Gorgone derclialkidischen Vase Arch. Ztg., 1866, Tf. 206,noch ohue Schlangen; etruskische schwarz-figurigeVase bei Gerhard, Auserl. Vasenl·. 89, 3,in jeder Hand eine Schlange; Terracottafigurin Berlin , wahrscheinlich ein kleines Akrote-rion aus Südetrurien oder Campanien, sehraltertümlich, bei Levesow a. a. 0. 25 abge-bildet; altetruskische Silbermünzen, Fäsuläzugeteilt, P. Gardner types pl. 1, 6; SkarabäusMicali monum ined. 54, 3 = Cades impr. gem-marie 16, F. 33 (der Typus mit vier Flügelnu. s. w. alt, der Kopf jedoch von späteremTypus); Spiegel aus Kroton, Gerhard, etr.Spiegel, Taf. 243 A, ein echt ionisches Werk,Schlangengürtel und Schlangenhaar; Gemmeaus Kertsch , Compte-rendu 1860, Taf. 4, 6und hier umstehend, ein vorzügliches Werkeines ionischen Steinschneiders; cyprischerSarkophag bei Cesnola antiqu. of Gyprus 1 , 74,die enthauptete Medusa im alten knieendenSchema, aus deren Halse Pegasos undChrysaorzugleich emporkommen, ein unter ionischemEinflufs stehendes Werk; endlich eine klein-asiatische Münze Imhoof-Blumer monn. grecquespl. J 23 (nach Six p. 31 wahrscheinlich kilikisch). Dagegen ist in der peloponnesischen und atti-schen, auch in der sicilischen Kunst das kurze

io

20

30

40

50

60