1711 Gorgonen (archaischer Typus)
Gewand bei den Gorgonen typisch. Als eiligstlaufenden Dämonen mochte für sie der kurzeChiton passender erscheinen. An verschiedenenOrten entstanden, werden beide Typen imwesentlichen gleich alt sein. Bei dem hierviel reicher erhaltenen Materiale genügt einkurzer Hinweis. Auf den altattischen Vasenerscheint meines Wissens nur der kurze Chiton(nur auf einer streng rotfigurigen Vase, Micalimon. in. 44, 3, München 54, die unter dem Ein-flufs des ionischen Ty-pus steht, sieht manden langen, im Laufefreilich etwas herauf-gezogenen Chiton).Was peloponnesischeKunst betrifft, so vgl.das argivische Bronze-relief ( Ausgrab.v. Olym-pia Bd. IV, Taf. 25 B,4; Curtius, d. archaischeBronzerelief S. 13, 6;Furtwängler, Bronze-funde aus Olympia S.!)3; ferner die StatuetteAusgrab. v. Ol. Bd. 4,23) ohne Schlangen,mit aufgebogenen Flü-geln , auch an denFiifsen. Aus Sicilienvgl. die Metope vonÄ“ Seliüunt und das Akro-
tenon von Gela beiKelcule, Terrae, v. Steil. S. 44, Fig. 95. In Etru-rien , wo, wie oben bemerkt, der ionische Typusherrscht, kommt doch auch der mit dem kurzenRocke vor, so an einer grofsen altetruskischengoldenen Nadel im Louvre, wo die laufendeGorgone mit vier Flügeln, in jeder Hand eineScfilange haltend erscheint, wie im ionischenTypus, jedoch den kurzen Chiton trägt. —Häufig, namentlich auf den altattischen Vasenist mit dem kurzen Chiton ein Fell verbunden(z. B. Gerhard, ges. aliud. Abhandl. Taf. 10, 2).
Die Verwendung welche die archaischeKunst von der ganzen Gestalt der Gorgonenmacht, ist eine doppelte. Weitaus am häufig-sten erscheint sie einzeln, ohne alle Handlung,als Bild für sich, zu dekorativem Zwecke. Aufder chalkidischen Vase erscheint die Gorgone mitten zwischen dekorativen wilden Tieren.Besonders beliebt war sie zur Füllung von un-gefähr quadratischen einzelnen Feldern; vgl. dasargivische Bronzerelief oben Z. 19, die Henkel-scheibe des korinthischen Kraters Annali dell’ I.1874 tav. N 0 und die Framjoisvase WienerVorlegeblätter 2,5. Schon früh ward die Gorgone auch tektonisch an Geräten verwendet, vgl.den Bronzefufs im Louvre, die olympischeBronze Ausgr. 4, 23, die goldene Nadel desLouvre, einen Bronzehenkel (Exemplar imBritish Museum und in Neapel ), wo zwei Gor-gonen, der Biegung des Henkels folgend, vorn-übergebeugt die Arme verschlingen; vgl. fernerauch die Akroterien von Gebäuden. — Wiedie Maske des Gorgoneions älter ist als dieganze Gorgonenfigur, so wird auch der fast
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wie ein Ornament behandelte Typus der ein-zelnen laufenden Gorgone älter sein als dieDarstellung des Mythus (vg'l. Liischcke in derArch. Ztg. 1881, S. 48 f). Doch gehört immer-hin auch dieses, die Enthauptung der Medusaund die Flucht des Perseus , zu den frühestenvon der griechischen Kunst behandelten my-thischen Stoffen. Er erscheint auf der hesio-dischen ’Acnig, an einer sehr archaischen atti-10 sehen Vase, wohl vom Anfang des 6. Jahrh.Arch. Ztg. 1882, Taf. 9; S. 197 ff., am Kypse-loskasten und amykläischen Thron und derbekannten selinuntischen Metope. Näheress. im Artikel „Perseus “. — Es braucht schlieis-lich wohl kaum hervorgehoben zu werden,dafs bei jeder Stellung und Situation der Gor-gone , also auch bei der Enthauptung, dieFratze immer dieselbe ist und immer von vornerscheint.
so Zuweilen kommt die Gorgone auch alsHalbfigur vor, natürlich nur in dekorativerVerwendung. Über einem Gerätfufs erscheintder Oberteil einer Gorgone mit aufgebogenenFlügeln in der olympischen Bronze, Ausgrab.Bd. 5, Taf. 29 A. Besonders beliebt aber wardie Halbfigur oder vielmehr das Brustbild imKreise der chalkidischen Bronzegefäfse. Eserscheint da nicht selten am unteren Ilenkel-ansatze mit nach aufsen gestreckten eckigenso Ellenbogen, die breite Fratze gleichsam rechtderb und wild vorstreckend. An einer pracht-vollen Bronzeamphora im South KensingtonMuseum sind unten als Abschlufs des Brust-bildes zwei Schlangen gebildet. An einerHydria aus Locri (Mus. Borb. 3, 62; Denlim. a-K. 2, 900; Abgufs in Berlin Nr. 876; fälschlichsieht noch Six p. 71, 11 C Flügel in den seit-lichen Haarwischen) springen zwei Pferde (beidenen man schwerlich an Pegasos und Chysaorio denken darf) zu den Seiten des Kopfes heraus.An den Terracottanachbildungen solcher Henkel,die in Capua sich fanden (in besonders schönerAuswahl im British Museum , Guide, vase-rooni2, 2, p. 74 und 136 ff.), finden sich auch dieanderen üblichen dekorativen Elemente dieserGefäfse, wie die sitzenden Lämmer (a. 0. 137.138), Löwen (141. 142) und Sphinge (139. 140)zur Seite des mit Brust und Armen ausge-statteten Gorgoneions. Hierher gehört auch der50 in mehreren Exemplaren (im Louvre, in Berlin Friederichs, Bronzen 1516; Micali, storia 50, 5)bekannte Gerätfufs, wo der Oberteil der Gor-gone in ein Löwenbein ausgeht; die Armederselben sind horizontal weit ausgestreckt,die Haare, wie in dieser Denkmälergattungöfter, weit nach den Seiten ausgebreitet.
2. Das Gorgoneion. Es existiert in derarchaischen Kunst eigentlich nur ein Typusdes Gorgoneions, der freilich zahllose Varianteneo hat. Vergebens sucht man in letzteren Zügewesentlich verschiedener Typen, die sich durch-führen liefsen. So begründet das Hinzutreteuder Schlangen oder das des Bartes keine we-sentliche Typenverschiedenheit; sie erscheinenoder bleiben weg bei den verschiedenen Va-rianten. Doch lassen sich freilich lokale Reihennachweisen, die sich sehr spröde gegen dasEindringen der Schlangen verhalten, und andere