1713 Gorgonen (archaischer Typus)
die dies Element wieder besonders ausbildeten,oder andere, die mehr am Barte festhielten.Die wesentlichen Züge des Grundtypus sindder breitverzogene Mund, der die Zähne sehenläfst, die mächtigen Kinnbacken, die heraus-gestreckte Zunge, die glotzenden, meist sehrgrofsen Augen und die mehr oder weniger kreis-runde Gesamtform der Maske, aus welchermeist nur das Kinn unten etwas heraustritt.
Gorgonen (archaischer Typus) 1714
tung); hier sind Schlangen in untergeordneterWeise unter dem Kinn verwendet. Dann diefrüher Athen, jetzt zumeist Euböa zugeschrie-benen Münzen, ein besonders charakteristischesBeispiel s. bei Head , Guide pl. 5, 24; vgl. übersie auch Six p. 17 ff.; die besten und meistenAbbildungen im Katalog vom Brit. Mus.Central Greece pl. 22; das Ganze hat hiermeist etwas Weiches und Mattes; das Kinn
In der Regel sind die Eckzähne grofs wie die io tritt wenig aus dem Rund heraus. Sehr ver-der Raubtiere. Die Haare sind (bis auf ver-einzelte Ausnahmen) glatt um die Stirne ge-ordnet, sei es in Löckchen oder in gewelltenPartieen. Wo das Gorgoneion in einem Runderscheint (also namentlich auf Münzen und imInnern von Schalen), da ist die Angabe derHaare auf die die Stirn umgebenden beschränkt.
Sonst aber pflegen an den Seiten breite Haar-flechten herabzufallen. Auf der Stirne erscheinen
wandt ist das Gorgoneion an einer Beinschieneaus Kertsch , jedenfalls ionischer Fabrik ( Ant.du Bosph. pl. 28, 7), an einer Armschiene ausOlympia (in Berlin , Inv. Nr. 6402) und anBronzewaffen aus Italien , in denen Six p. 21mit Recht chalkidisches Fabrikat vermutet,Bronzen d. Altertümersamml. in Karlsruhe Taf.27, mit Bart. Nah verwandt ist ferner dieFratze der Medusa der berühmten Selinunti -
Selinus Kelcule Terrae, v. Sicilien S. 42, Fig.83; vgl. auch den von Gela ebenda Fig. 87.Ferner die grofsen Kupfermünzen von Kama-rina und Himera (s. Six p. 45), die diesenalten Typus geben. Ferner gehören hierhernoch manche chalkidischen Denkmäler, vor
bei den ausgeführteren Denkmälern meist eine 20 sehen Metope (ohne Bart); ein Stirnziegel aus
oder auch mehrere vertikale Falten, die Zu- " _ ..
sammenziehung derselben andeutend, die beidem dargestellten Wutbliek ja unvermeidlichist (vgl. z. B. die drei sehr konventionell ge-bildeten Stirnfalten an den Gorgoneien der sog.kyrenäischen Gefäfse Arch. Ztg. 1881, Taf. 11.12,
2, beistehend). Die Ohrensind häufig mit kreisrundenOhrringen geschmückt.
Betrachten wir nun die'richtigsten einzelnen Er-scheinungen näher.
a) Mehreren Reihen vonDenkmälern, die nament-lich in Kleinasien , bei denOhalkidiern, in Attika undKorinth, und durch die Chalkidier auch im allem die zahlreichen bei Capua gefundenen
festen in Sicilien und Italien verbreitet sind, Stirnziegel (reiche Auswahl abgebildet bei
'st es charakteristisch, dafs sie das Gorgo- Minervini, Terrecotte del museo Campano; meh-
"eion besonders breit, voll und fleischig 40 rere gute Exemplare in Berlin ); sie sind immergeben und dabei gar keinen oder nur ge- bärtig, aber ohne Schlangen; die Barthaare
Gorgoueion auf e. archaischen kyrenäischen Gefäfse {Arch. Ztg. 1881, Taf. 12, 2).
ri ngen Gebrauch von den Schlangen'Bachen. Bezeichnende Beispiele sind folgende:z unächst aus Kleinasion die sehr alten Münzenunbestimmter Herkunft (Six p. 5 weist sie nachSelge; andere hatten anderes vermutet), vonneuen bei Mionnet pl. 36, 7 ein Exemplar ab-Sebildet ist; das Gesicht ist überaus fleischig,uer Mund wie ein tierischer Rachen weit auf-
sind stilisiert und abwechselnd rot und schwarzbemalt; sie umgeben den unteren Rand desGesichts von Ohr zu Ohr. Dann die chalkidi-schen BronzegefäfBe, auf die oben S. 1712 Z. 27kurz hingewiesen wurde; ein durch den wil-den, sehr lebendigen Ausdruck ausgezeichnetesStück ist die Thonnachbildung eines solchenHenkelansatzes in Berlin {Inv. 5991): kurze
gesperrt, die Ohren grofs; rohe Haarandeutung 50 Bartlocken um den unteren Gesichtsrand;
(keine Federn, wie Six p. 6 meint; ich urteilenach dem Berliner Exemplar). Später sind dieStücke, die das Kreuz im Quadratum incusumnaben (es ist immer ein kleines Kreuz, nichtngurae litteris similes, wie Six p. 6 meint;zum Kreuz dieser Form als Ornament vgl.whliemunn, Mykenae Nr. 294); der Typus isthier bedeutend gemildert. Beispiele für den"egelmäfsigen breiten, vollen ionischen Typus
breite an den Enden aufgerollte Haarflechtenstehen fast wie Flügel vom Gesichte ab. Fernerdie in capuanischen Gräbern in grofser Zahlgefundenen aus Thon geprefsten kleinen Gor-goneien (ohne Bart; Panofka Terracotten d. Berl.Mus. Taf. 47, 4. 62, 2. Levesow a. a. 0. Nr. 9.10). Auch in Etrurien finden sich Beispieledieser Typenreihe, vgl. den Buccherolrenkel in
TD — 11 TT1 111 ID > n n,·.^
-Berlin , Vasens. Furtw. 1613; Stirnziegel aus
ohne Schlangen sind: der oben S. 1710 genannte eo Orvieto in Berlin (sehr fleischig, ohne Bart). —llronzefufs aus Halicarnafs; kleine Thonge- Wenden wir uns wieder nach dem Osten undalse in Form von Gorgoneien , wahrscheinlichh>nisch - kleinasiatischer Fabrik, die sich inKlemasien und Rhodos fanden (Exemplar ausahcarnals bei Six tab. 1,3, 1 b abgeb.; imMuseum ein gleiches aus Rhodos ; dieeläfse gehören zu der in meinem Berliner asenkatalog S. 150, 1391 ff', aufgestellten Gat-
betrachten hier zunächst eine etwas jüngereReihe ionischer Denkmäler. Voran die Münzenvon Neapolis in Makedonien , in welchen derTypus zum Ausdrucke einer aufserordentlichenKraft und Wildheit gesteigert ist; nur bei denseltenen älteren Stücken (wie Head, Guide pl.4, 6) sind die Augen grofs und rund; bei, den