2087 Hera (östl. Kulte; Mondgöttin)
zusammenströmten (Aristot. Mirab. 96. Strab.261). Der Kult erinnert insofern an den vonArgos, als hier wie dort heilige Herden (na-mentlich von Kühen) gehalten wurden (Li».24, 3. Votivkühe Gaelius b. Cic. de divin. 1,2448. Stieropfer erwähnt Theocr. 4, 20ff). DerSage nach hängt die Gründung des Tempelsebenso wie die der Stadt Kroton mit Kerkyra(der korinth . Kolonie) zusammen ( Schol. Theocr.4, 32 und 33; vergl. Tzetz. z. Lykophr. 856.Uiod. 4, 24. Serv. V. Aen. 3, 552; s. ..auchKlausen , Aeneas 450). Nach anderer Über-lieferung sollte Herakles zur Sühne für dieTötung des Lakinios (s. d.) den Tempel ge-stiftet haben (Serv. a. a. 0.). Der zum Tempelgehörige Hain dagegen galt für eine Schöpfungund Schenkung der Nereide Thetis (Lykophr.857 und Tzetz. z. d. St. Serv. a. a. 0.). In-betreff der Münzen von Kroton, welche eineneigentümlichen, hinsichtlich der Haare an He-lios erinnernden Typus (en face) zeigen, s.Overbeck a. a. 0. Münztafel 2 u. S. 102 u. 152.Percy Gardner , Types of gr. c. pl. 5, 42. 43.Imhoof - Blumer , Monnaies grecques 7f. DerTypus der lakinischen Hera findet sich auchauf den Münzen mehrerer anderer ital. Städtewieder (vgl. Gat. of gr. coins etc. Italy S. 410),z. B. Hyria, Neapolis, Pandosia. Nach derDichterin Nossis (Anth. Gr. 6, 265) weihtendieser Hera die Frauen 'ßiiaGiva si'yata’ (vgl.Justin. 20, 4, 11. Iambl. v. Pyth. 56). Uberdie Schicksale des Tempels in röm. Zeit s.Preller, r. Myth. s 1, 288.
5) Sybaris. Einen Tempel und musischenAgon der Hera erwähnt Ael. v. h. 3, 43; vgl.Steph. Byz. s. v. Bvßaqig. Herakleides Pont.und Phylarchos b. Athen . 521 e u. f. Plut. desera num. vind. 12. Bei Plut. heifst diese HeraAsvnaäia, wofür vielleicht mit Rücksicht aufdie Lage der Stadt in Leukania AsvKavia (oderAaKivial vgl. d. H. ’Aqysia in Sparta , H. Ki-ftaitjcßvia in Thespiai etc.) zu schreiben ist.
6) Metapont: Plin. 14, 9: Metaponti tem-plum lunonis vitigineis [von vitex = Ivyog?]columnis stetit.
7) Hyria: Schöner Münztypus im Cat. ofgr. coins in the Brit. M. Italy S. 92. Imhoof -Blumer, Z. Münzk. etc. Wien 1887 S. 6 (210).
8) Neapolis: Schöne Münzen im Cat. a.a. 0. 91 ff. Imhoof a, a. 0. S. 23 (227).
9) Pandosia: Cat. a. a. 0. 370.
10) Tarent: Schöner Kopf der Hera (?) aufMünzen Gat. a. a. 0. 160 f. Gardner, Types 5,45.
11) Im Lande der Heneter ein aloog "Hgag’Agyeiag, angeblich eine Stiftung des Diomedesnach Strab. 215. »
II. Hera als Mondgöttin und der Junonahe verwandt.
Diese ihre Grundbedeutung ergiebt sich:a) aus der Übereinstimmung aller für ihrenKultus und Mythus wesentlichen Anschauungenmit dem Mythus und Kultus der italischenJuno (s. d.), welche unzweifelhaft für eineMondgöttin zu halten ist; b) aus der Thatsache,dafs sie wie alle andern Mondgöttinnen vor-zugsweise eine Göttin der Frauen war undder Entbindung und Ehe Vorstand, was ohne
Hera (Übereinstimmung mit Juno ) 2088
Zweifel auf den mächtigen Einflufs, den derMond nach der Vorstellung des antiken Men-schen auf die Menstruation der Frauen unddie damit zusammenhängende Zeugung undEntwickelung des Kindes im Mutterleibe hat,zurückzuführen ist; c) aus der vielfachen Ana-logie ihres Kultus mit demjenigen anderer evi-denter Mondgöttinnen der Griechen, wie Arte-mis , Hekate, Selene, namentlich dem (wennio auch seltenen) Attribut der Fackel, des Bogens,der Strahlenkrone, ferner der Feier am Neu-monde, hauptsächlich aber aus ihrer Be-ziehung zur Menstruation. (Die sehr ver-breitete Deutung der Hera als Erdgöttin istschon deshalb ganz unwahrscheinlich, weilGaia (vgl. ob. S. 1570) so gut wie gar keineAnalogie im Mythus und Kultus mit Hera be-sitzt und nicht wie diese zu den Olympierngehört, sondern vielmehr im Gegensätze zu20 ihnen steht).
Was zunächst die Übereinstimmung der Hera mit der Juno der Italiker, welche ganz bestimmtfür eine Mondgöttin zu halten ist, anlangt, sohebe ich Folgendes hervor.
Beide Göttinnen wurden ausschliefslich anNeumonden verehrt und führen die gleich-bedeutenden Namen Juno und Αιώνη (vonWurzel div leuchten), von denen letzterer, wieaus der Übereinstimmung der so bezeichneten30 Göttin in allen wesentlichen Zügen mit Hera sowie aus dem ausdrücklichen Zeugnisse desApollodoros (b. Schol. z. Od. y 91; vgl. Boschera. a. 0. 24 u. 105 f.) erhellt, der alte epirotiscbeName der Hera gewesen ist. (Das wichtigeFragment aus Apollodoros’ Schrift π. &eiovlautet vollständig: iv Νάξ,ω .... νπο των tyX 03 'ρίων Ποβειδωνία ώνομάβ&η ή &sog \^Α(ΐψιτρΒΊΊϊΐmg καί ή "Ηρα Α κάνη [Αιόνη Μ, Αιαίνη Η Η\·Vgl. auch den Artikel Dione). Daneben führte40 die italische Juno auch den Beinamen Lucinthwelcher ebenfalls die Leuchtende bezeichnet·Da der Mond nach der Anschauung nicht bim 3der Griechen und Römer, sondern auch vieleanderen Völker die für den weiblichen Körp elso wichtigen Katamenien und, was damit engzusammenhängt, die Entbindung zu bewirkenschien (vgl. die Stellen b. Boscher a. a. 0. 1u. 40 ff.), so sind Juno und Hera zunächsGöttinnen der Menstruation und weiterhin?50 wie Artemis , Selene, Diana der Entbindunggeworden (Juno Lucina, "Ηρα ΕίΙεί&νια ). ® .
dieser Vorstellung einer die Katamenien nndie Entbindungen bewirkenden Mondgöttisteht es ferner im engsten Zusammenhang, da·Hera und Juno, wie auch die Mondgöttirumanderer Völker, als Ehe- und Hochzeit 8 ^göttinnen verehrt wurden (Juno Juga,Zvyia). Beide wurden dem höchsten Himmelsgott (Juppiter, Zevg), welcher sichern60 schon der gräkoitalischen Urzeit angehört, vemählt und ihre Hochzeit und Ehe alsideale Prototyp sämtlicher me “ sC i,tliehen Hochzeiten und Ehen geaac ^Höchst wahrscheinlich wurde in Italien wieGriechenland diese Hochzeit alljährlichallen Ceremonien, welche bei menschimHochzeiten üblich waren, gefeiert. Die ein .nen Akte jener Ceremonien, welche im wes