Familie. Ein lebendiges Familienbild giebtdie strengschöne attische Vase Gerhard, auserl.Vas. 116; der Yater Herakles, der hier denfriedlichen Mantel umgethan hat, läfst sichvon seiner Frau Deianeira den kleinen Hyllosreichen. Athena mit einer Blume hinter ihremSchützling und der Schwiegervater Oineus ver-vollständigen das Bild. Der Held geniefsteinen Augenblik Familienglück, bevor er wiederzu neuen Thaten mit seiner Göttin ausziehen iomufs. ( Kekule, Areh. Ztg. 1866, S. 260 fafstdie Scene bestimmt als Rückkehr; schwerlichrichtig.)
Raserei. Eine Vase des grofsgriechischenMalers Assteas ( Mon. dell’ Inst. 8, 10; WienerVorlegebl. B, 1), wohl aus dem 4. Jahrh., zeigt,den als Feldherrn gekleideten Herakles, derin der Raserei seinen Hausrat verbrennt undseinen eigenen Knaben, den Sohn der fliehendenMegara , in das Feuer zu werfen im Begriffe ist. 20
Linos. Wie der jugendliche Heraklesseinen Meister in der Musik, Linos, mit einemStuhlbeine totschlägt, stellt eine Vase streng-schönen Stiles dar, Ber. d. sächs. Ges. 1853,Taf. 10, 1. Eine vorhergehende Scene, denruhigen Unterricht im Hause des Amphitryon,stellt der Becher des Pistoxenos Annali 1871,tav. F dar; Iphikles lernt eben beim Lehrer;der trotzige Bursche Herakles hat unterdesseneinen Wurfspeer ergriffen, während eine als 30Aufseher fungierende, greisenhafte h'äfslicheGestalt mit noch nicht sicher erklärter Bei-schrif't ihm die Leier nachträgt.
Hera . Auf einer Schale strengen Stiles vonder Wende des 6. und 5. Jahrh., von Brygos {Mon. dell’ Inst. 9, 46), ist Herakles in einemerkwürdige Verbindung mit Hera gesetzt.Dieselbe wird nämlich von den geilen Silenendes Dionysos angefallen. Da eilt Herakles mitBogen und Keule herbei, um die Göttin vor 40ihren frechen Angreifern zu beschützen. Inwelchem Zusammenhänge sich die Alten dieseScene dachten, ist unbekannt. , Es ist offenbar,eine Parallelsage zu der gewöhnlichen wonachein Kentaur eine Frau überfällt und Heraklesihn tötet: an die Stelle des Kentauren tretendie verwandten Silene.
Opfer an Chryse. Das Opfer, das Hera-kles bei seinem Zuge gegen Troia der Chrysebei Lemnos brachte {Schal. Soph. Phil. 193), soist auf einer attischen Vase des freien schönenStiles {Millingen, div. coli. 51; Müller- WieselerI). a. K. 1, 10; vgl. Stephani, compte rendu1868, 138 f.) dargestellt.
Letztes Opfer. Vergiftetes Gewand.Das letzte Opfer des Herakles, das Stieropferan Zeus auf dem Vorgebirge Kenaion aufEuböa , stellt eine attische Scherbe des schön-sten Stiles dar {Stephani, compte rendu 1869,pl. 4, 1, vollständiger 1876, pl. 5, 1): Hera - cokies, unbärtig und festlich bekränzt, hält dieBinde, um den von Lichas herbeigeführtenStier zu bekränzen. Nur der beigeschriebeneName des Lichas läfst die Absicht des Künst-lers erkennen, jenes verhängnisvolle Opfer zuschildern; denn der einfache Mantel, welchenHerakles um den Unterkörper geschlagen hat,hat gar nichts Auffallendes und der Held zeigt
noch keine Spur von Schmerz; indes hindertauch nichts das Gewand als das vergifteteanzusehen. Die Scherbe ist jedenfalls nurwenig jünger, vielleicht sogar etwas älter alsSophokles ’ Trachinierinnen, auf die sie alsonicht zurückzuführen ist. Jenes Opfer undLichas’ Rolle dabei war indes nicht nur schonAischylos bekannt {fr. 29 N.), sondern es warwahrscheinlich auch schon in älterer epischerDichtung dargestellt; in Diodors Erzählung(4, 38), die in Einzelheiten mehrfach vonSophokles abweicht, welchem dagegen dieapollodorische Bibliothek, die Hypothesis _ devTrachin. und Hygin f. 36 genau folgen, scheinennoch Reste jener epischen Fassung erhalten(Bethe, quaest. I)iod. mythogr., Gott . Diss. 1887,p. 75 u. 95 übersieht oder unterschätzt dieseDifferenzen; sein Gesamtresultat wird übrigensdadurch nicht angegriffen). Namentlich dafsan Stelle des Hyllos, den Sophokles und dieihm folgenden Mythographen haben, bei Diodorsich Iolaos findet, der alte Genosse des Heldenim Epos, weist auf ältere Tradition. Eben-dahin weist bei Diodor das Festhalten derRolle des Heerführers in Herakles , die sichzeigt in dem Betonen der Auflösung des Heeresund darin, dafs er in voller Kriegsrüstung amden Oeta' gebracht werden soll, ein Zug, derdurch attische Vasen aus derselben Zeit wiedie eben erwähnte Scherbe als alt erwiesenwird (s. unten Sp. 2240). — Eine Vase im BritishMuseum (920; Skizze und genaue Beschreibungverdanke ich Cecil Smith) stellt dar, wie eineFrau, offenbar Deianeira selbst, Herakles einGewand, offenbar das vergiftete, darreicht·Herakles ist im Begriffe dasselbe für das Feieinzutauschen; er hat letzteres abgelegt nmhält es auf dem linken Arme vor, um dann'das Gewand in Empfang zu nehmen. Der Stider Vase stimmt ebenso wie ihre Form undDekoration sehr mit Berlin 2359 überein; siegehört also noch ins‘5. Jahrh., in die soph 0 -kleische Zeit. Es ist wohl lediglich künst-lerische Vereinfachung, wenn Deianeira d asGiftgewand selbst übergiebt. — Ein Gemäldedas wahrscheinlich von Aristides war, zeigteHerakles als Leidenden, vom Gifte des Ge-wandes Gepeinigten {Strabo 8, p. 381).
Verkehr mit Athena . An den Anfangder Periode gehören vorzügliche attische Vasen-bilder, welche den sitzend ausruhenden odebequem aufgestützt stehenden Herakles zeig®'dem Athena in seinen Kantharos eingi els 'Innenbild einer Schale in Duris ’ Stil,Vorlegebl. Ser. A, 1 (mit nicht zugehörigHieroninsehrift); ferner Winclcelmann, ’ined. 159 und Inghirami, mon. etr. Ser. 5t(Herakles bärtig), älterer schöner Stil; k es0ders vorzüglich ist eine weifsgrundige Kan ^mit Konturzeichnung im British Museum (Brakles unbärtig); älterer schöner Stil (vgl· 0Sp. 2173, 20); vgl. auch Gerhard, ant. B ‘ 1 '> '
47, wo nur die Attribute Athenas weggela® .,sind). — Auch kommt Herakles in diesem & ^noch ruhig stehend zwischen HermesAthena vor, vgl. Gerhard, auserl. Vas. ’wo Athena ruhend den einen Fufs auf C*Fels aufstellt und wie bewundernd auf 1