Band 
Erster Band, zweite Abteilung. Euxistratos - Hysiris.
Seite
2443-2444
JPEG-Download
 

2443 Heros (Bedeutg. im jüng. Epos)

wickelnden Geltung:Helden der Vorzeit.Wahrscheinlich ist sogar diese Bedeutung mitder Entstehung der Odyssee oder doch ihrerletzten Bestandteile gleichzeitig. Denn nurso läfst es sich erklären, dafs die sagenhaftenVölker der Lapithen (φ 299) und der Phaiaken(η 44) in ihrer Gesamtheit ηρωες heifsen, undin den jüngsten Partieen der Nekyia (s. ®. Wi-lamowitz, Homer. Untersuchungen 199 ff.) trittgar jene Bedeutung deutlich zu Tage (1 629 f.άνδρων ηρώων, oi δη το πρόσ&εν ολοντο.προτέρονς ίδον άνέρας. Ebenso V. 329).

Ist die gegebene Auseinandersetzung rich-tig, so wird man erwarten, die odysseischeBedeutung auch in den jüngeren Bestandteilender Ilias vorzufinden. Dies mag in der Thatauch möglich sein, ist indes, soviel ich sehe,nur für eine Stelle mit einiger Sicherheit nach-zuweisen. Wenn nämlich H 453 Laomedonηρως genannt wird, so scheint hierin mehreine ehrende Bezeichnung des sagenhaftenKönigs im Sinne der Odyssee zu liegen alsein Hinweis auf kriegerische Tüchtigkeit, undH 443 ff. verraten denn auch denselben spätenDichter, der im Eingang von M die homeri-schen Heroen als ημί&εοι bezeichnet.

Die Geltung eines ehrenden Epithetons derauftretenden Helden behielt das Wort, nachden wenigen erhaltenen Beispielen zu schliefsen,ebenfalls in der übrigen Epik, und es werdenauch die Helden nichttroischer Sagenkreise wiePolyneikes (kykl. Theb. fr. 2 Kink.) und Lyn-keus ( Kypr. fr. 9 K.) ηρωες genannt. Auch Or-chomenos heifst bei Hesiod in den gr. Eöen(fr. 149 K.) ηρως, während in den opp. V. 156 ff.der Name auf die vor Troia und Theben ge-fallenen Helden beschränkt wird.

Diese viel besprochene Stelle ist aber zu-gleich ein Zeugnis für die neu entstandeneWortbedeutung. Denn deutlich macht sichhier eine historisch-mythologische Betrach-tungsweise geltend, für welche die Heroenhöhere Wesen grauer Vergangenheit sind. Jawir dürfen noch weiter gehen. In der genauenBestimmung ,,ο'ι ν.αλέονται ημί&εοι wie in derV. 170 ff. gegebenen Bemerkung, dafs sie alsόλβιοι ηρωες auf den Inseln der Seligen woh-nen, dürfen gewifs poetische Reflexe des schongeübten Heroenkultus erkannt werden. DieBezeichnung der Heroen als ημί&εοι in der IliasM 23, einer Stelle von ähnlich zurückblicken-dem Charakter und gewifs nicht höherem Alterals Hesiod , ist ein weiterer Beleg für die ver-änderte Wortbedeutung.

Das älteste sichere Zeugnis einer Ver-wendung des Wortes ηρως für Kultwesen istaber das altelische Dionysoslied: ελ&εΐν, ηρωΑιόννσε κτλ. ( Bergk , Ρ. L. G. 3 S. 1299). DiesesZeugnis, zusammengehalten mit der ohne Zwei-fel in Boiotien, dem eigentlichen Lande desHeroenkultes, geschehenen Einschaltung derHeroen in die Folge der Zeitalter, dürfte dar-auf hinweisen, dafs die sakrale Bedeutungdes Wortes auf äolischem Boden erwachsen ist.

In der späteren Litteratur wird ηρως baldfür die Heroen der Sage und bald für die desKultus gebraucht, jedoch so, dafs im Laufeder Zeit die sakrale Bedeutung fast die allei-

Heros (in sakraler Bedeutg.) 2444

nige Geltung gewinnt. Bei Pindar findet sichgemäfs dem epischen Inhalt seiner Lieder mew"die epische Bedeutung, doch ist sakraler Be-zug häufig erkennbar, z. B. Pyth. 3, 7 (13)Asklepios; 5, 95 (128) Battos ηρ. λαοσεβήίΐNem. 3, 22 (38) Herakles ηρως &εός. AuchPlato bedient sich des Wortes in beiderleiWeise, während es ausschliefslich in sakralemSinne angewendet wird bei den Historikern,io Rednern (von den Troiakämpfern jedoch Isoci·9, 65) und selbst bei den Tragikern (Aesch -Ag. 516 u. Epig. fr. 54. Eurip. Hipp. fr. 449)und Aristophanes .

Wir haben also folgende Wandlungen mder Wortbedeutung festgestellt:KriegsbeldLHeld der Sage,halbgöttliches Kultwesen ·Nun ist die hier beobachtete Verwendung eine 8der Sphäre des menschlichen Lebens angC"hörigen Wortes für einen kultlichen Begrm20 keineswegs ohne Analogie, und besonders wer-den Wörter von spezifisch epischem Gepräg 6davon betroffen. So wird αναξ, bei Homer einEhrentitel für Fürsten und Götter, zu einemKultnamen der Dioskuren in Argos und Athen (vgl. Welcher, gr. G. 2, 433 ff.; argivische I®'Schriften b. Boehl, I. A. 37; Frankel, Arch. ΖΨ40(1882), 383 f., s. auch ebd. 170).ltoaiistaufse 1 'dem Eigenname eines milesischen Heros, Sohne 8der Ge (s. oben u. d. W.). Άνάκτορον bedeute30 s. v. a. Tempel, besonders wird der eleusinischso genannt (ταΑναξίλεα auf Kos b. Hauvettt'Besnault u. Hubois, Bull, de corr. hell. 5 (1881)'216 f., nr. 7). Die sakrale Bedeutung von äf*tritt endlich auch in der Erklärung durchξίκαχος Schol. Ar. Plut. 43 und durch eaitOiSchol. Eu. Hipp. 88 zu Tage; vgl .Lobeck, M.2, 1231. Κοίρανος kehrt in Κοίρων, dem Ah®herrn der Κοιρωνίδαι wieder. Selbstund βασίλεια gehen vielfach in die Kultsprach40 über; im besonderen ist letzteres in der Formβασίλη (s. Hindorf, poet. scen. Gr. Soph. fr 29")nicht blofses Epitheton, sondern wirklicheKultname der Unterweltsgöttin im Neleion zAthen (Έφημ. άρχ. 1884, 161; Furtwän9®Sammlung Saburoff 1, Skulpturen. Einl. 22 '31)*). Unter dem Namen Λέσποινα verehrtedie Arkader die Tochter der Demeter8, 27, 4; 35, 2; 37, 17 u. ö.), und in

Eh s

hiefsen Mutter und Tochter αΐ Αέσποιναι50 5, 15, 3 u. 6). Der Heros Lykos wird bei f rlstophanes (Vesp. 389. 820 f.) αναξ, δεσπο^ηρως genannt. Ferner treten die Wörter *0?®und κόρη in sakraler Bedeutung auf: ersterin dem Namen der Kureten und Dioskure 'letzteres in dem der Κόρη, der für die Bmetertochter (auch Κόρη βασίλεια Preller, ' .meter und Persephone 194, Anm. 24 u. 175) wfür andere jungfräuliche Gottheiten (Athene^παρ ήμιν κόρη και δέσποινα Fiat. leffS· Α60 796Β; s. Preller a. a. 0. 85, Anm. 22) gebraucwird. Noch nicht genügend erklärt istBedeutung des Wortes in den Verbindung^Αδμήτου κόρη, "Αρεως κόρη, Ήρακλέονς κορψ

ν. Η 0 '

*) Vg], auch βαοιλεία, Inschrift in einem ^roon auf Thera, Ross, annali 1841, 21, und fi uöl ßg.auf einem attischen Taurobolienaltar, Conze,

21 (1863), 73 ff.; Keil, Philologus, 2. Supplcmentbd. 1863, 0Kaibel, Kp. Gr. 822.