2453 Heros (kein Totenkult b. d. alt. Ioniern)
Schein Eidschwur anruft, und dieselben auchonst gänzlich zurücktreten, da endlich keiner' olympischen Götter irgendwelchen chtho-*Uschen Bezug verrät, so ist es undenkbar,Y 8 chthonischer Götterkult sich in ionischenolkskreisen ausgebildet hat. Die ernsten■ ottergestalten der Unterwelt lügen sich nichtdie heitere, fast leichtsinnige Auffassung® r Götterwelt, welche das ionische WesenCharakterisiert (s. Curtius, gr. Oesclt. I 5 , 138;• Wilamowitz , Isyllos von Epidauros 97).
Ebensowenig lag es im Sinne der Ionier,toe Toten als höhere Wesen zu verehren.01 besonderen müssen wir, entgegen der Mei-^Ung Furtwänglers ( Stimmig. Sab. 1 Sk. E. 16 f.),Ur die Ionier älterer Zeit das Vorhandensein°ü Toten- und Ahnenkult entschieden in Ab-stellen (s. LobecJc, Aglaophamus 1, 284;ofsner, de lieroum apud Graecos cultu 19 f.,·. wilamowitz, hom. Unt. 204). Wohl preisenhomerischen Helden die Thaten und diefottliche Abkunft ihrer Ahnen (z. B. E 125 f.^46 ff. T 105 ff. 203 ff. 215 ff. 184 ff), aber°n einem Kultus derselben findet sich nirgendsj.i.h e Spur. Sorgfältige Bestattung und Auf-hrong eines Grabhügels mit einem Denk-i.Olchen darauf ist zwar lieilio-o Pflicht der
-..wuitu YVC1.LICJU 1U UJJLCU (Grab 1
n al des Ilos K 415, A 166 u. 371 ff. u. ö.,fab des Tydeus in Theben S 114, des Aipy-y s f» Arkadien B 604), aber weder von einer^ßrehrung der Toten durch Spenden und Opfer^ lasen die alten Teile der Gedichte etwas nochii einer Einwirkung der Toten auf die Ober-ka * ( Nägelsbach, hom. Theol. 409). Die Ioniertonten vielmehr nur die einmaligen Bestat-s ?§ 8 g a ben. Das wird schon durch den epi-'vtpI 6 ? Ausdruck kt igsa kt sqei&iv nahegelegt,^Icher, wie Ameis (z. a 291) richtig erklärt,^ 8 prünglich „das dem Toten gehörige Besitz-lieb ,y er k ren nen“ und dann überhaupt „feier-o bestatten“ bedeutet, während bei Sopho-(-&T 931; vgl. 426) und Euripides ( Tro.! Hel.liOT) das Wort utsgiapara fürToten-e f gebraucht wird. Ein reiches und voll-ho'f. ® es Hüd des kt sqbcc %tsgsi&iv bietet dieIlia a ^ UB ® ^es d? a t r °klos im 23. Buche derha f y.TSQScc , welche auf den Scheiter-ffiri i ^ e l e gt werden, bestehen in Schafen undV ip üe m, Krügen mit Honig und Öl, einemk Q r § es pann und zwei Haushunden, und dazu***** noch zwölf trojanische Krieger, dieöer ^ Un< ^ ßbenfalls mitverbrannt werden.eb e Urs P r üngliche Sinn solcher Totengaben undItn i° ^ er Weinspenden, mit denen die Erdeden Scheiterhaufen genetzt wird (218 ff.),w * e b e i den Germanen (s. Grimm, deutsche ii! 1 2> 196) so auch bei den Griechen un-Jen g ?|baft der, dafs dieselben dem Toten imbest h zu ® u h e kommen sollen. Aber bei dera hsfn/ u :des Patroklös ist, trotz der sehrda V Q : fliehen Beschreibung, mit keinem Worteg 6s 11 die Rede, dafs dem Verstorbenen der«tu· Ä’idete Wein und die mitverbrannten Gabenl eiJ j a ~ tnn g und zur Körperpflege dienen sol-VUnj , a “* e i im Jenseits die Pferde gebrauchenSl °b an seinen Haushunden erfreuen soll,
Heros (Totenkult im jung. Epos) 2454
endlich dafs ihm die getöteten Troer Sklaven-dienste verrichten sollen. Dieser eigentlicheSinn ist vergessen (vgl. bes. W 182), und inden Vordergrund tritt äufseres Gepränge: dielaute Wehklage aller (W 12 ff), der Leichen-schmaus (29 ff), der mächtige Scheiterhaufen(110 ff.), die goldene Aschenurne (243), dieAufhäufung eines hohen, weithin sichtbarenGrabhügels (247) und vor allem grofsartigeio Leichenspiele (259 ff.) mit Aussetzung kost-barer Kampfpreise.
Erst in den j ünger en Teilen des Epos findensich Spuren einer Kenntnis des Totenkultus,fl 591 fleht Achilleus den im Hades weilendenPatroklos an, er möge nicht zürnen, dafs erdie Leiche Hektors herausgebe, und er ver-spricht dem Toten, ihm seinen Anteil am Löse-geld zu gewähren, was ohne Zweifel in Gestaltvon erneuten Totengaben geschehen soll. Zu20 den jüngeren Bestandteilen der Odyssee gehörtdas im 10. und 11. Buche geschilderte Toten-opfer. Bei diesem ist aber folgendes nicht aufseracht zu lassen: das Ausheben der Opfergrube,die verschiedenartigen Spenden in bestimmterReihenfolge, das Gelübde, in Ithaka den Toteninsgesamt ein Rind zu opfern und dabei „»»-grjv ipnlrjoipev löffle ov“ (k 523 = % 31; alsoWiederholung der Bestattungsgaben), endlichdas Schlachtopfer mit dem Hinablassen des30 Blutes in die Grube, — alles dies ergiebt einso überraschend vollständiges Bild von Toten-verehrnng, wie wir es im Zusammenhang derhomerischen Gedichte nicht erwarten würden.Es setzt eine vorangegangene Entwickelungvoraus und beweist, dafs irgendwo bei denGriechen schon in früherer Zeit Totenkultgeübt wurde. Da nun aber in den älterenTeilen des Epos sich keinerlei Spuren dieseranzunehmenden Entwickelung nachweisen las-lo sen, so werden wir zu dem Schlüsse gedrängt,dafs bei den Ioniern jene Entwickelung sichentweder nicht vollzogen hatte, oder dafs derTotenkultus gemäfs der eigentümlichen Ge-staltung ihrer Religion aufser Gebrauch ge-kommen war. Die Formen, in welchen der-selbe in den jüngeren Teilen des Epos und inder historischen Zeit überhaupt auftritt, konntenauch nur bei Stämmen entstehen und erhaltenbleiben, welche ihre Toten beerdigten und50 deren Nachdenken dadurch auf eine Fortexistenzder Seelen unter dem Erdboden geführt wurde{Preller, Demeter u. Persephone 220 f.), nichtaber bei einem Stamme, der, wie die Ionier,seine Toten auf dem Scheiterhaufen verbrannte.Denn wenn auch die Aschenume in die Erdegeborgen wird, so ist doch mit der Verbren-nung dem natürlichen Auge dasjenige ent-schwunden, was als sichtbarer Ausdruck derPersönlichkeit bisher erkannt war, und dieBO Hinterbliebenen haben weniger Veranlassung,ihre Toten durch Spenden und Opfer zu er-nähren und an eine Einwirkung derselben aufdie Oberwelt zu glauben. Der Totenkultusmufs vielmehr bei denselben nichtionischenVölkern entstanden sein, die auch den Kultder chthonischen Gottheiten pflegten. Undwenn wir einerseits berechtigt sind, den ersten,mehr äufserlichen Schritt auf der Entwicke-