2465 Heros (Verhältnis z. d. Göttern)
Heros (chthoniscli; mit Schlange) 2466
Inst. 8 (1883), 368 und Sammlg. Sab. 1, Sc.
P. 35.
Ihre dauernde und eingreifende Bedeutung^ahen aber die Heroen in der göttlichenheite ihrer Natur. Mythologisch motiviert wirddiese durch ihre Herkunft: sie sind Söhne oderentferntere Nachkommen des Zeus und andererDotter, welche sich mit sterblichen FrauenVerbunden haben, oder umgekehrt Nachkom-men von Göttinnen und sterblichen Männern io{Tlato, Cratyl. p. 398; legg. 10, p. 909 E: παΐ-d f s 9εών). Wo also ein Geschlecht seinenStammbaum bis auf einen Gott oder eine Göttinmirückfiihrt, bildet der Heros den ÜbergangZur menschlichen Ahnenreihe. Vgl. Welcher,
T'· Götterl. 3, 242; Preller-Pletv 2, 4 f. Schoe-*nann, gr. Altert. 2, 153 ff. Hermann-Stark, gott .■Altert. § 16, 9 und gr. Staatsaltert. § 59, 16.
Da nun der Heros sowohl seiner eigenthchen Entstehung nach als nach seiner my- 20biologischen Stellung nur ein halbgöttlichesWesen ist, so steht er im Range den Göt-(ern nach. Daher ist die übliche Folge inAufzählungen: ihos, ηρως, οίν&ρωπος, oder,
"Ό die Dämonen als besondere Klasse ge-rechnet werden, &εός, δαίμων, ηρως, ανϋρωπυς.Diese Rangfolge, welche im Grunde schon inden hesiodischen έργα gegeben ist, soll zuerstv °n Thaies (b. Athenag. leg. pro Ghr. 23; s. Ukert?· a - 0. 148, 67) aufgestellt worden sein. Pindar 30 beginnt den zweiten olympischen Gesang: τίνα. -’oi, τίι ' ηρώα, τίνα δ ’ άνδρα ν.ελ«δ t]uoil ί-ν ;Dieselbe Reihenfolge wird endlich bei Antiphon27 und mehrfach bei Plato innegehalten; legg.
*> 717 R; 5 , 738 D; 7, 818 C u. 801 E; resp. 3,
4, 428; s. Welcher,gr. Götterl. 1, 676, 1.men wörtlichen Ausdruck findet die halb-Söttliche Natur des Heros in der Bezeichnung^(itö-sos; jedoch ist dieses Wort im Vergleichz u dem Synonymon ηρως (vgl. Luc. necyom. 25: 40
i, °us ημιΦίονς rs και tag ηρωΐνας·, Hesych. s. v.’ifrafg) wenig durchgedrungen; es findet sichVorwiegend bei Dichtern (Hesiod opp. 160; II.
4* 23; Alkman , Pr. 16, 7, Bergk, P. L. G. 3,.“Ü, 830; Kallinos 19; Simonides , Pr. 36, P.f- G. 3 t 1129; Pindar , Pgth. 4, 12; 211; Me-j* Widos, El. 1, P. L. G. 2, 258; Pur. Iph. A.
0 3 ; A r raw joeo und in metrischen Grab-ohriften, vgl. Kaibel, epigr. Graec. 232, 4;
j, 5 > 4; 669, 2; 1046, 15 u. 57), seltener in der 50^'osa (Isocr. 4, 84; 5, 137; Plato Grat. 398 C;
&°l· 28 C; 41 A; Xen. symp. 8,31; Luc. ne-yom. 4u. 15; deor. conc. 7). Ήμι&έα ist Eigen-Uuie von Heroinen geworden, namentlich wurdere znKastabos auf dem Chersones verehrte Mol->a dia im Kultus Ίίμιΐτέα genannt; Diod . 5, 62.jj Aber nicht immer wird die dem Wesen dese ros entsprechende Bezeichnung genau fest-|®halten, es liegt in der Mittelstellung desoros begründet, dafs derselbe auch hin und co•euer 9εός oder δαίμων genannt wird. Bis-e eilen mag dies in dem jeweiligen Kultustieferen Grund haben, aber oft genugü ein solcher auch nicht vorhanden; so wirdy/'A'leiuos &εός genannt bei Eupolis ( Meineke,O'Jjf" 2) 437), Kolonos 9 εος επώνυμος Soph.8c /*·. D. 65 (vgl. Schneidewin z. d. St.). Ααίμων
eint besonders für böswillige Heroen ge-
koscnER, Lexikon der gr. u. röm. Mythol.
braucht worden zu sein; so wird der gefürch-tete Heros in Temesa genannt (Paus. 6, 6, 3;Suid. v. Ev9v(ios), und ’Avayvgaeioq äaigcovnannte man den attischen Heros Anagyros (vgl.Boscher, oben u. d. W.); bei Plutarch heilstder heroisierte Romulus svfisvris Saifitov, vit.Born. 28; vgl. auch Oltlert, Beiträge zur Heroo-logie der Gr. 1, 2.
Ihrem vermeintlichen Aufenthaltsortenach gehören die Heroen der Klasse der chth 0 -niseben oder genauer der liypochthonischenKultwesen an. Dies erklärt sich, wie wir ge-sehen haben, auf der einen Seite daraus, dafsihrem Kultus vielfach ältere chthonische Götter-kulte zu Grunde lagen, andererseits daraus, dafssie als Menschen einer vergangenen Zeit an-gesehen wurden und deshalb an ihren Gräbernverehrt werden mufsten. Daher sah man ent-weder den Ort ihrer Verehrung als ihre Grab-stätte an oder man fand in den aus frühererZeit vorhandenen Grabhügeln ihre Gräber wie-der, oder man holte endlich, wenn die Sageden Tod in der Fremde berichtete, die Ge-beine ein und bestattete sie. Das Grab wurdeals die Wohnung des Toten und des Herosangesehen (Furtwängler, Sammlg. Sab. 1, Sc.E. 16). Daher richteten manche Völker, wiedie Babylonier, Ägypter, Phönizier, Etruskerihre Grabanlagen als wirkliche Wohnungenein, und dasselbe trifft auch bis zu einem ge-wissen Grade für manche griechische Gräberzu. Nicht das Reich des Hades und der Per-sephone ist nach der volksmäfsigen Anschauungder Aufenthaltsort des Heros; in der Tiefedes heimischen Erdbodens wohnt er, und derSchacht seines Grabes ermöglicht ihm den Ver-kehr mit der Oberwelt. Daher ist das Grabder Ort, an welchem man ihm mit Gebetennaht und ihm Opfer und Spenden zuführt.
Aus der chthonischen Natur des Heros ent-springt seineVerbindnng mit der Schlange,dem Tier, welches nach seiner Gewohnheit, inErdlöchern und Felsspalten seinen Schlupf winketzu suchen, am engsten mit dem geheimnis-vollen Erdinnern zusammenzuhängen schien, undwelches zugleich durch die Art der Fortbe-wegung, durch sein plötzliches Ei'scheinen undVerschwinden, endlich durch den eigentüm-lichen starren Glanz seiner lidlosen Augen(ägaxeov v. äegxa, ocpi g z. St. 6x, on, vgl. Cur-tius, gr. Etytn. 134; 464) den Glauben erweckte,dafs es eine dämonische Macht in sich berge.*)Da man zudem glaubte, dafs die Schlangen derErde entstammten (Ilesiod. fr. 213 K.; Schol.Find. Pyth. 8, 64; vgl. auch Ilerod. 1, 78;Mähly, die Schlange im Mythus u. Kultus derklass. Völker 17), so gesellte man sie zunächstden chthonischen Gottheiten und den Verstor-benen zu, und zwar ist die sakrale und sepul-krale Beziehung der Schlange durch Monumentebereits für eine sehr frühe Epoche bezeugt(Milchhöfer, Mitt. 5 (1880), 178; Kroker, Jahrb.
*) Ob mau indes im Altertum so weit ging, in derdurch Häutung wiederkehrenden Verjüngung eine Rin-deutung auf Unsterblichkeit zu sehen, wie man ange-nommen hat ( Buttmann , Mythol. 1, 147 ; Mähly, die Schlange10), dürfte mehr als zweifelhaft sein; s. Welcher, gr. Götterl,2, 735.
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