Band 
Erster Band, zweite Abteilung. Euxistratos - Hysiris.
Seite
2467-2468
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2467 Heros (chthoniscli; mit Schlange)

d. arch. Inst. 1 (1886), 9G F; Ilelbig, das homer.Epos 282, Anm.; Diimmler, Mitt. 11 (1886) 171,1u. 174, Anm. 1; über die Schlangen auf alt-spartanischen Yotivreliefs s. Dressei-Müchhöfer,Mitt. 2 (1877), 461 f. ;über Schlangen als Schmuckarchaischer Grabdenkmäler Attikas vgl. Brück-ner, Ornament u. Form der att. Grabstelen 90,1).Während die Schlangen dem äufseren Zweck,Wächter der Heiligtümer und der Grabstättenzu sein, ebenso dienten wie die an manchenStellen gehaltenen Tempelhunde, wurden siezugleich kraft ihrer chthonischen Natur zuVertretern der Gottheit und des Toten, undschliefslich dachte man sich sogar diese selbstin der Schlange verkörpert. So wird ZeusMeilichios auf Votivreliefs als Schlange an-gebetet (Verz. d. ant. Sculpt. z. Berlin nr. 722 f.Milchhöfer, z. d. Karten v. Att. 1, 60), und aufFelsen- und freistehenden Reliefs in Nord-griechenland, ßoiotien, Lakonien u. a. wirddie Grabesschlange dargestellt, wie sie im Be-griff ist, die dargebotenen Opfergaben zu sichzu nehmen. Aber nur in den seltensten Fällenwird den heiligen Schlangen wirkliches Futter(wie z. B. Eier) gereicht, in der Regel viel-mehr Dinge, die keine Schlange frifst, welcheaber der Natur des betreffenden Gottes ent-sprechen: Honigkuchen und Breiopfer werdenden Schlangen des Asklepios und andererchthonischer Mächte gereicht, Kornähren denSchlangen der Demeter ( Overbeck , Kunstmyth.d. Dem. Atl. 16, 2), endlich werden den meistenheiligen Schlangen Weinspenden dargeboten.Hieraus geht hervor, dafs man diese Schlangenthatsächlich als die leibliche Erscheinung derbetreffenden Götter ansah. Dafs die Grabes-schlange ähnlich zu beurteilen ist, legt diehäufig bezeugte pragmatische Erklärung nahe,dafs dieselbe aus dem Mark, im besonderenaus dem Rückenmark des Verstorbenen ent-stehe {Blut. Oleomen. 39; Ov. Met. 15, 389;Plin. 10, 56, 86; Ael. h. a. 1, 51; Serv. z. Verg.Aen. 5, 95; Orig. c. Gels. 5, p. 203).

Die Schlangenverehrung fällt also mit dem-selben chthonischen Kultkreis zusammen, ausdem, wie wir gesehen haben, der Heroenkultentsprungen ist. Auch die örtliche Begrenzungder Schlangenverehrung trifft mit der Lokali-sierung jener Kulte zusammen. Es sind vor-zugsweise^ die nichtionischen Stämme, beson-ders die Äoler in Boiotien und die Dorer imPeloponnes , bei denen Schlangenkult geübtwurde, und manches weist darauf hin, dafsebenso im Norden Griechenlands , zumal inThessalien und Makedonien , der Schlangenkultfrüh zu Hause war. Die Ionier bewahren auchhier ihre Sonderstellung. In den homerischenGedichten tritt nirgends die Schlange in sa-kraler Beziehung hervor. Die Schlange in demboiotischen Aulis war gewifs in der alten Sagedie heilige Schlange des Temenos, aber in derIlias (B 308 ff.) hat sie keinerlei Beziehung aufdas Opfer, sie bewirkt nur das vorbedeutendeWunderzeichen. In ähnlichem Sinne werden inder Iliupersis die Laokoonschlangen behandeltgewesen sein, wenigstens findet sich im Auszugdes Proklos keine Andeutung, dafs es Tempel-schlangen waren.

Heros (in Schlangengcstalt) 2468

Nach alledem dürfen wir uns nicht wun-dern, auch in der Heroenverehrung, die ja inehthonischem Kult und Totenpflege ihre Aus-gangspunkte hat, die Schlange an hervorragen-der Stelle zu finden. Wie die Schlange imGöttertempel ihren Schlupfwinkel hat, so wirdsie auch im Heiligtum des Heros gehegt, undwie sie an den Grabstätten überhaupt sichzeigt, so auch am Heroengrabe. Sie ist darumdem unter der Erde weilenden Heros zugesellt,ist Wächter seiner Kultstätte, nimmt nach demGlauben der Frommen die dargebrachten Speise-opfer in Empfang, und in ihr sieht man sogardie dämonische Erscheinung des Heros selbst.Bei Plutarch Oleomen. 39 heifst es daher: »j-παλαιοί μάλιστα των ζώων τον δράκοντα τοιξη ρω σι συνωχείωσαν, und ähnlich Schol. Arist-Blut. 733: κοινώς μεν και τοΐς άλλοις ηρω 61δράκοντες παρετί&εντ ο, εξαιρέτως δε τω Ασχλψπιω. Plutarch erzählt a. a. O., dafs die Be-wohner Alexandrias , als man um den Kopf derans Kreuz geschlagenen Leiche Kleomenes IBeine Schlange sich ringeln sah, dem KleomenesVerehrung zollten, indem sie ihn alsκαί &εών παΐδα anriefen. In diesem Falle,wie auch sonst vielfach, ist die Schlange alsonicht Vertreterin eines mythischen Heros, son-dern eines heroisierten Verstorbenen (s. Drcs-sel-Milehhöfer, Mitt. d. ath. Inst. 2 (1877), 461)·i Sie wird überhaupt zu einem ebenso allgeffl 01 'nen Attribut des Heros, wie es die Waffe 11sind, und gehört, namentlich in den Kunst-darstellnngen, zu seiner typischen Ausstattung(s. u. a. Furticiingler, Sammlg. Sab. 1, Sc. E. 34)·Daher hat der -ηρως επίστα&μος bei Kallimach ° sEp. 24 als charakteristisches Zeichen aufs® 1dem Schwert, welches er trägt, neben si 0 ' 1die Schlange, und so versteht man es, wen 11Alexander von Abonoteichos, der als Persern 0) verkleidet in seine Vaterstadt eingezogen is^>mit einer zahmen Schlange, die er aus Make-donien mitgebracht hat, sich dem Volke zeig 1 'um von diesem als höheres Wesen angestaun 1zu werden (Luc. Alex. 7 ff.). Dafs man in dm'Heroenschlange auch den Heros selbst ver-körpert sah, läfst sich gegen Milchhofer {Mitt- <[·ath. Inst. 2 (1877), 461, 1) durch ganz unzwei-deutige Thatsachen beweisen. In Schlangeng e "stalt treten z. B. häufig jene Heroen auf, welch®) eine Kultverbindung mit anderen Gottheite 11eingegangen sind; so erscheint als Schlang 0Erichthonios neben Athene , Kychreu 8neben Demeter, Sosipolis neben Eileithyi®"Dieselbe Auffassung verraten ferner die zahyreichen Legenden, nach welchen ein Heros b 01bestimmter Gelegenheit sich in Schlang 011 "gestalt wirksam gezeigt haben soll. In d°rSchlacht bei Salamis soll Kyclireus den Ath®nern als Schlange zu Hülfe gekommen se n) (Patts. 1, 36, 1; Schoemann, gr. Alt. 2, 1TJkert a. a. O. 182), ebenso gewährte Sosip 011in Schlangengestalt denEleiern in einem Kamp 1gegen die Arkader Beistand (Paus. 6, 20,Auch in Gründungssagen tritt der führen 1 ^Heros mehrfach in Schlangengestalt auf,.sonders im Asklepioskult. Als Schlange & ie (Asklepios in Sikyon ein (Paus. 2, 10, 3), llC ^_selbe giebt in Schlangengestalt den epi 11