Band 
Erster Band, zweite Abteilung. Euxistratos - Hysiris.
Seite
2471-2472
JPEG-Download
 

2471 Heros (monschl. Gestalt; Gröfse)

zu Wagen dargestellt. Im grofsen und ganzenscheint diese Auffassung mit dem Aufhörendes Epos erloschen zu sein. Als Krieger hin-gegen wurden sie zu allen Zeiten gedacht.Aber auch als Jäger und als Wettkämpfer tre-ten die Heroen auf, indem jede Beschäftigung, dersich die edlen Jünglinge des Landes widmeten,auf sie übertragen wurde. Heroen wie Mele-agros und Hippolytos dachte man sich unterdem Bilde eines Jägers, und die Asldepiadenerscheinen auf Votivreliefs mit Strigilis in derHand und Jagdhunden neben sich ( FriederichsWolters, Gipsabg. ant. Bildw. 11481151). Mitder Ausdehnung der Heroen über die ritterlichenKreise hinaus ändert sich zum Teil der äufsereHabitus derselben, und die charakteristischenMerkmale des Standes, den der Heros vertritt,werden auf ihn übertragen. Der ländliche HerosEchetlos, der in der Marathonschlacht denAthenern zu Hülfe gekommen sein sollte, er-schien in bäurischer Tracht und benutzte einePflugschar als Waffe (Paus. 1 , 32, 4); ohneZweifel war er auch so in der Stoa Poikiledargestellt (Paus. 1, 15, 4; s. oben u. d. W.Echetlos).

Aufser den menschlichen Eigenschaftenkommt aber auch das übernatürliche Wesender Heroen in ihrer Körpergröfse zum Aus-druck. Die fast bei allen Völkern wiederkeh-rende Ansicht, dafs die früheren Geschlechtergröfser und stärker gewesen sind, als die loben-den Menschen, war auch den Griechen nichtfremd. In diesem Sinne erhalten bei Homer Helden wie Aias , Ilektor, Achilleus u. a. dasEpitheton πελώριος, und später sollen Gebeinevon Heroen aufgefunden worden sein, derenMafs weit über das menschliche hinausging.Ein riesiges Schulterblatt des Pelops, hiefs es,habe ein Fischer aus Eretria mit seinem Netzeaus dem Meer gezogen (Paus. 5, 13, 3), undals die Spartaner, um Tegea zu erobern, dieGebeine des Orestes an sich zu bringen suchten,glaubte man diese in einem sieben Ellen langenSarge, der in Tegea entdeckt sein sollte, zufinden (Herod. 1, 67 f.). Nach dem Schot, z.Demosth. 19, 249 soll der Athener Aristomachosseiner Körpergröfse wegen ηρως genannt wor-den sein. Über die Riesengestalt der Heroenvgl. noch Herod. 8, 38; Plut. Thes. 36; Paus.

3, 3, 6; 6, 5, 1; Nitzsch, Kiel , philol. Studd.399 f. Beitr. z. Gesch. d. ep. Poesie 132, 2;Welcher, griech. Götterl. 3, 244; Mayer," dieGiganten und Titanen 5. Wie aber die Über-treibung ins Mafslose dem griechischen Ge-schmack überhaupt fremd ist, so bleiben auchdiese Vorstellungen immer eine Ausnahme. Ja,es war vielleicht noch öfter das Gegenteil derFall, dafs man sich Heroen in Kindesgestaltdachte. So ist Sosipolis den Eieiern erschienen(Paus. 6, 20, 3), als Kinder müssen Opheltesin Nemea (Paus. 2, 15, 3), Charila in Delphi(Ps. Plut. gu. Gr. 12) verehrt worden sein, inKorinth wurden die Kinder der Medeia (T)iod.

4, 55; Paus. 2, 3, 6), andere Kinder zuKaphyaiin Arkadien (Paus. 8, 23, 5) verehrt, inKindesgestalt wurde Telesplioros dargestellt,endlich bezeugen zahlreiche Denkmäler, welcheZwillingskinder, mit Kissen und Windeln um-

ITeros (tiergestaltig)

2472

wickelt, darstellen, dafs der Kultus einesim zartesten Alter gedachten Heroenpaars inGriechenland weit verbreitet war; vgl. hierüberMarx, Mitt. d. ath. Inst. 10 (1885), 81 ff- l n "dessen blieb die gewöhnliche Vorstellung derHeroen die von Jünglingen oder kräftig® 11Männern, wie die Epiphanielegenden und (h®Kunstdarstellungen zur Genüge beweisen. B' s 'weilen nahmen die Heroen, wie man glaubte,io die Gestalt von bestimmten lebenden Personenan, besonders in den Legenden, die von derVerbindung eines Heros mit einer sterblichenFrau berichteten. So soll Herakles nachts zu 1 'Mutter des Thasiers Theagenes in der Gestaltihres Gemahls gekommen sein (Paus. 6, 11, 2)tund der spartanische Heros Astrabakos in derGestalt des Ariston zu dessen Gemahlin, answelcher Verbindung Demaratos entsprossensein sollte (Herod. 6, 68 f.).

20 Auch in Tiergestalt zeigen sich d) eHeroen den Menschen, und zwar nahm, wiewir bereits gesehen haben, in dieser Beziehungdie Schlange einen besonderen Platz ein. Nebendieser kommt der Wolf in Betracht, obwohler keineswegs ein heiliges Heroentier in den 1 'selben Sinne wie die Schlange ist. Der Wölbwelcher bei Nacht auf Raub ausgeht, hat, ähn-lich wie die Schlange, durch sein unhörbaresErscheinen und Verschwinden und durch den30 unheimlichen Glanz seiner Augen zu alle 11Zeiten etwas Gespenstisches an sich gehabt·wir erinnern an die bei vielen Völkern ver-breiteten Werwolfsagen. Der Wolf vertru·nur die gefürchtete, gespenstische Seite desHeros und des schuldbeladenen Menschen-Lykaon wird in einen Wolf verwandelt, .w® 1er dem Zeus Lykaios Menschenopfer darbringt,ebenso sollen andere, die durch Teilnahme a«diesem Opfer Blutschuld auf sich luden,

40 der Arkader Damarchos (Paus. 6, 8, 2) 111Wölfe verwandelt worden sein und erst nac^zehn Jahren ihre Menschengestalt wiedererlanohaben (vgl. Welcher, hl. Sehr. 3, 160 ff.mann-Starh, gott . Altert. § 16, 4; SchoetnaW«/gr. Altert. 2, 252; Prüler-Bdbert, gr. Myth -128). Als der spartanische König Kleombrotogegen Theben zu Felde zog, sollen Wölfe fl ßZiegen angefallen haben, welche den dem Heeifolgenden Schafherden voraufgingen. Man s50 darin eine üble Vorbedeutung und eine Foi Ddes Zornes der Töchter des Skedasos g e K e .die Spartaner. Ohne Zweifel glaubte manSkedasostöchter in den Wölfen selbst veborgen. Die Athener verehrten als Schützdes Gerichtswesens den Heros Lykos, den 111sich in Wolfsgestalt dachte (EratostheW® 'Harp. s. v. /lend'Qoiv u. ö. Bernhardy, ^ ra vsthenica 214 ff. Boechh, Staatshausldtg. her·, 'Fränhel 1, 299), und dessen schrecken60 Wesen in dem Sprichwort Ainiov sidssi zAusdruck kommt, welches man anwandte, wjemand im Gespräch plötzlich schwieg ( s - ,s. v.). Andere Erzählungen von Verwa·lungen der Heroen in Tiere, deren die »noch eine ganze Reihe verzeichnet, wie j grVerwandlung der Hekabe in einen HundSchwestern des Meleagros sowie der Gern 11 qdes Diomedes in Vögel (Nitzsch , Beitr. z-