Band 
Erster Band, zweite Abteilung. Euxistratos - Hysiris.
Seite
2715-2716
JPEG-Download
 

2715 Horai (ihre Naturseite: Weberinnen)

Horai (ihre Naturseite: Genealogie)

2716

Entwickelung der Horen aus Witterungsgöt-tinnen, wofür sie schon K. Ü. Müller, Orchom.182 genommen hat, zu Gottheiten der Zeit,des Schicksals und der staatlichen Ordnungbeizulegen, die sich für die Horen ebenso ausdem Folgenden ergeben wird, wie sie für dieNornen und Valkyrien feststeht, worauf beiden betreffenden Abschnitten im Folgendenkurz hingewiesen werden soll. Hier nur nochein Punkt, der mit dem Bisherigen zusammen-hängt. Dafs im 6. homerischen Hymnus dievon den Wellen des Meeres nach Kypros ge-tragene Aphrodite von den Horen empfangen,mit Gewändern bekleidet und mit Geschmeideherrlich geschmückt wird, dafs nach einemFragment der Kyprien bei Athen . 15 p. 682 edie Horen ihr Kleider anlegen, die in alleFrühlingsblumen getaucht sind, findet manfür die 'Frühlingsgöttin und Blumenkönigin(Preller l 4 , 367) begreiflich. Wenn es aber auchin der Natur der Horen liegt Frühlingsblumenund mit ihnen mannigfachen Schmu ck zu bringen,so gehört es doch einer hiervon sehr verschie-denen Thätigkeit an, dafs sie nach den Kypriena. a. 0. jene Gewänder selbst gewoben habenund der Komiker Hermippos bei Meinelce, Com. Gr.fr. II p. 381 n. III von einem wirklich am Webe-stuhl gewobenen, blumendurchwirkten Kleid derHoren {xaiQOBTCcid'rjTov &v&itav vqxxßya v.cuvbv'SIqcöv) spricht. DasWeben und Spinnen istgerade das charakteristische Kennzeichen derWasserfrauen und Wolkengöttinnen, indemWolke und Nebel als eine Art von Gespinstaufgefafst werden (vgl. Lauer, System d. grieeh.Myth . 371 f.; Mannhardt a. a. O. 558 f. 651 f.;Laistner , Nebelsagen 96 f.; Eoscher, Nektar u.Ambros. 100), und insbesondere den Schicksals-gottheiten, die aus Wettergottheiten entstandensind, wird ein solches Gespinst zugeschrieben,wie den Nornen, Valkyrien , Moiren, Grimm,M. 344. 353; Mannhardt a. a. 0. 580. Darauserklärt es sich weiterhin, dafs die Horen selbstauch lange, wallende Gewänder tragen, wo-durch sie sich besonders von den so oftmit ihnen zusammengestellten Chariten unter-scheiden. Soweit die Schriftsteller davonsprechen, wird ihre Bekleidung als nsrrlog be-zeichnet; Orph.hymn. 42,6; Nonn. 11,498; Ovid Fast. 5, 217 pictis incinctae vestibus. Ganzauffallend aber ist hierin für die jungfräulichen,oft im leichten Tanzschritt einhergehendenGestalten die Übereinstimmung der Denkmäler,auf welchen sie nicht nur in lange, bis aufdie Fiifse reichende, sondern auch in weite,wallende und im Winde flatternde Gewändergekleidet sind, die häufig mehr als sonst üblichden ganzen Körper, zuweilen samt den Armenbedecken oder auch schleierartig über denKopf zurückfliegen, wodurch wie bei den Auraevelificantes die im Windeswehen wirksameThätigkeit der Wettergöttinnen bezeichnet wird.Um aus der grofsen Anzahl nur einzelne Bei-spiele zu nennen, vgl. Maffei, Mus. Veron. 71,2;Zoega, bass. 9496; Benndorf u. Schöne, Later.Mus. n. 202 (Taf. IV, 3) 511.

Die Naturbedeutung der Horen trittauch in ihrer Genealogie zu Tage.Hesiod , der die Horen schon ganz als sittliche

Mächte auffafst, nennt sie theog. 901 zuerstTöchter des Zeus und der Themis , wofürsie auch seitdem durch das ganze Altertumgalten. Pindar aber erinnert, indem er sie Ol.

4 , 1 Töchter des obersten Lenkers des Donner-wagens Zeus nennt, offenbar an ihre Natur-Seite, nach welcher sie den Olymp mit Donner-getöse öffnen, und selbst bei Themis läfstderselbe eine entsprechende Naturbedeutung

io durchleuchten, indem er ( hymn. fr. 30 Bergk)singt, wie die Moiren die himmlische Them 18auf goldenem Wagen von den Quellen desOkeanos den heiligen Pfad des Olymp hinan-führten, um des Zeus Gemahlin zu werden unddie Mutter der Horen. Die Quellen des Okeanos sind im äufsersten Westen, von wo die Wolkenaufsteigen; Eoscher, Gorgonen 23. 33. So tretendie Moiren schon vor ihrer Geburt in B®·ziehung zu ihnen; die oben berührte innere20 Verwandtschaft zwischen beiden als Schicksals-göttinnen wird aber noch deutlicher dadurchausgedrückt, dafs die Moiren nach Hes. the°904 als Schwestern der Horen aus ehe»jener Ehe des Zeus mit Themis erst hervor-gehen; ebenso Apollod. 1, 3, 1. In naher Be-ziehung zu einander erscheinen beide auch 111dem frgm. adesp. 140 Bergk, P.L. 3 4 , 733; Orp' 1 ·hy. 42, 7; Nonn. 7, 106, wie sie auch aUTempelbildwerken vereinigt waren, am AnW30 kläischen Thron, Paus. 3, 19, 4, am ZeusbdzuMegara, ebend. 1,40,4; auf demBorghesisckenAltar, Clarac pl. 173. 174. Auch in der übe 1 'einstimmenden Vorstellung von der Anzah^beider zeigt sich ihre Verwandtschaft:kennt bei beiden noch keine bestimmte Zäh*»Hesiod theog. 901 f. stellt für beide zuerst di .Dreizahl fest (ebenso ist die Zahl der Norneozuerst unbestimmt, dann drei, Mannharda. a. 0. 555), während in lokalen Kulten b®

40 Moiren ( Philologus N. F. 1 [1888] S. 708 Wund Horen auch die Zweizahl erscheint; b®den Horen in Megalopolis Paus. 8 , 31, 37, U? 'auch 3, 18, 10, nicht aber auch (nach Paus. >35, 2 ) in Athen , wie Eobert de Gratiisgezeigt hat. So bezeichnet sie also auch diGenealogie, in Übereinstimmung mit ihr®Naturbedeutung, als himmlische Mächte,als Aiog *£Iqo>l aus der Höhe (vitagdsr).. J ® 1Thätigkeit entfalten (<b 344) und im Atb®

50 wohnen {Quint. Sm. 2, 603; Nonn. 2,

Zeus, ihr Vater (auch hymn. Hom. 4, 13; Eau

5, 11, 7; Diod . 5, 72), ist hier speziell als 'd®Himmelsgott im physischen Sinn zu verstehe ,nach dessen Weisungen und als dessen werzeuge sie den Wechsel der Witterung u14somit auch der Jahreszeiten herbeiführen, 1 a

I 1

1, 40, 4; Horat. carm. 1, 12, 15. , .

Doch ist das schon die Anschauung dReflexion, während ihre ursprüngliche WirK^60 samkeit aus ihrer Naturbedeutung h ervorgeht. Da sie nach dem alten glaubeaus himmlischer Höhe die feuchten Wihden Tau, den befruchtenden Regen se ,so wird alles, was die Erde im Wechsel dZeiten unter ihrem Einflufs Schönes und B®rrliches hervorbringt, ihnen selbst zugeschriebe ·Blumen und Früchte bringen sie aus ihreimmer blühenden himmlischen Garten