^929 Hercules (Opfer an d. Ara niaxima)
Opfern zu verhüllen, erfunden habe, eine aller-dings getrübte Erinnerung daran zu erkennen,'fafs in uralter Zeit in Rom ein Ritus, un-verhüllten Hauptes zu opfern, bestand. Beidem Herculeskultus können zu Gunsten einersolchen Annahme mehrere andere die Aram axima betreffende Satzungen des Sakral-r echts, von denen besonders einige einen ent-schieden römischen Charakter an sich tragen,angeführt werden. An der Ara maxima durfte*6in Lectisternium bereitet werden ( CorneliusBaibus ’E^riyrjrinmv lihro XVIII bei Macrob.,baf. 3 ) e, 16 [fr. 1 S. 105 Huschke 4 ]. Serv.,Aen. 8, 17G); das Opfermahl wurde sitzendeingenommen, entsprechend der altrömischenbitte heim Mahle zu sitzen, nicht zu liegen(Macrob. a. a. 0., vgl. Serv. a. a. 0.; daherneifst es bei Verg., Aen. 8, 176 und 178 vonEuander , der Aeneas und dessen Gefährtenl' Ul ' Teilnahme an dem Opfermahle aufgefordevtnat, gramineoque viros locat ipse sedili undAeweon solioque invitat acerno; vgl. das obenbp. 2290 abgebildete Medaillon des Antoninusius); Frauen waren von dem Opfer ausge-schlossen ( Propert. 5, 9, 69. Flut., q. r. 60.V e & 11, 6, 2. Macrob., Sat. 1, 12, 28; s. obenbp· 2258, 34 ff. und 2264 über den Ursprungdieses Brauches und die daran anknüpfendebage von Hercules und Bona Dea; die spä-leren Motivierungen des Brauches s. Sp. 2284dnter h und i); ebenso durften Sklaven odervcigelassene beim Opfer nicht zugegen sein,daher war das Vergehen des Appius doppeltschwer (Serv., Aen. 8, 179 = Mythogr. Vatic.p L 13. 7 ); hei dem Opfer durfte kein andererirott genannt werden (Flut., q. r. 90). Was°n dem Opfertiere profaniert (s. unten) wurde,ard als Opferschmaus verzehrt ( Varro , l. I.j,: .64); nach Servius (Aen. 8, 183) wurdemisch von dem geopferten Stiere zu einem'emlich hohen Preise religionis causa verkauftnd aus dem Erlös ein neues Opfertier (füry 8 nächste Opfer, wie aus der die Worteerglls v. 183 perpetui tergo bovis erklärendenngabe des Servius: qui ex illius pretio compa-quasi perpetuus esse videbatur hervor-Seht) angeschafft. Dagegen ist es möglicher-^ e ise in der That griechischer Einflufs, wenn, er Prätor bei dem jährlichen Opfer an der, ra maxima das Haupt mit Lorbeer bekränzt;e nn der Lorbeer scheint dem altrömischen(.dttesdienste überhaupt fremd zu sein, erdi ^ .^ n ®om seine ausgebreitetste Anwen-pßg im Kulte des griechischen Apollo (s.tl eller > R. M. s 1 S. 299 ff; Helm, Kultur-&J^ n l en . und Haustiere 3 S. 197 ff ist sogarjjA Ansicht, dafs der Lorbeer erst mit demp j 6 Apollos nach Italien gekommen sei),le' hi ( a ‘ a ' 0- 2 S. 292) vermutet, dafs viel-de° a Neuordnug des Herculesdienstes anVp ^ ra maxima durch Appius Claudius eine„ . ra nl a ssung zu den Reformen im Sinne desseil, ' SC h en Einflusses, um derentwillen der-„ r . be später gewöhnlich für einen schlechthinLar i a °hen angesehen wurde, geboten habe,»iah a,5er thatsächlich schon vor der Über-in l 036 ^ es Herculesopfers durch den Prätore n Kult dieses Gottes griechische Elemente
Hercules (Opfer an d. Ara maxima) 2930
eingedrungen waren, geht aus Livius (5, 13,4 ff) und Dionys (12, 9; vgl. Augustin., c. d.3, 17) hervor. Danach ordneten in dem vonPest schwer heimgesuchten Sommer des Jahres355/399 die duumviri sacris faciundis auf Ge-heifs der sibyllinischen Bücher an, dafs (zumerstenmale in Rom ) ein Lectisternium gefeiertwürde: per dies octo (Dionys: εφ’ ημέρας επτά)Aoollinem Latonamque et Dianam Herculemio Mercurium atque Neptunum tribus quam am-plissime tum apparari poterat stratis lectisplacavere (εκάαμηοάν τε ατρωμνάς τρεις, ωςεκέλενον οι χρηβμοί, μίαν μεν ’ΑπόΙλωνι καιΑητοί, ετέραν δε ΙΙρακΙεί και ’Αρτέμιδι, τρίτηνSi 'Ερμή και Ποσειδώνι); auch Privatleutefeierten dieses Lectisternium. Der hierbei er-wähnte Hercules kann, wie Marquardt (a. a. 0.S. 48) bemerkt, nicht der römische, an derAra maxima verehrte Gott , also eigentlich der20 Genius, sein, dem kein Lectisternium gebrachtwerden durfte (s. vorher·); es ist der grie-" chische Herakles, dessen Verehrung die sibyl-linischen Bücher fordern (vgl. MarquardtS. 378. Wackermann, Über das Lectisternium.Progr. Hanau 1888 S. 9 f.). Bei den vier fol-genden Lectisternien behielt man dieselbendrei Götterpaare bei (das zweite Lectisterniumerwähnt Livius nicht; drittes Lectisternium:390/364, IjW. 7, 2, 1 f.; viertes Lectisternium:so 406/348, Liv. 7, 27, 1; fünftes Lectistex-nium:428/326, Liv. 8, 25, 1 eodem anno lectisterniumRomae, quinto post conditam urbem, iisdemquibus ante placandis habitum est diis). Dafsdie Lectisternien nicht italischen Ursprungs,sondern ein griechisches Element im römischenKultus sind, ist. schon daraus zu entnehmen,dafs sämtliche Lectisternien in Rom auf Wei-sung der sibyllinischen Bücher gefeiert wordensind; die griechischen Theoxenien sind das40 Vorbild der römischen Lectisternien (vgl.Marquardt S. 45 ff 187 f.; Wackermann S. 6 ff14 ff, der aber mit Unrecht S. 15 f. sichäufsert 'nichts anderes als ein wirklichesTheoxenium bietet die Tradition von Hercules,den Euander auf dem Palatin bewirtete; unddie Potitii und Pinarii, die Priestersehaftendes Hercules, lernten damals griechischenOpferdienst’, denn dies sind Sagen, die sichauf unbestreitbar römischen Kultus beziehen;50 Prellers Ansicht B. M. s 1 S. 150 Anm. 1 , dafsdie Lectisternien altitalisch seien, ist vonMarquardt S. 48 Anm. 1 und danach vonWackermann S. 17 als nicht haltbar zurück-gewiesen worden). Weiterhin tritt i. J. 536/218griechischer Einflufs im Herculeskultus undzwar diesmal in ausdrücklicher Beziehung aufdas Heiligtum in foro boario zu Tage. NachLivius (21, 62, 9; oben in der Zusammenstel-lung der auf die Heiligtümer des HerculesGO Victor bezüglichen Nachrichten der Schrift-steller in Abschn. I unter b) wurde in diesemJahre zur Sühnung von Prodigien durch diesibyllinischen Büelier der Iuventas ein Lec-tisternium und eine supplicatio ad aedemHerculis, d. i. bei dem Heiligtum auf demForum boarium, wie Klügmann nachgewiesenhat (s. Abschn. I), angeordnet (vgl. über densicher unrömischen Charakter der Supplika-