Band 
Erster Band, zweite Abteilung. Euxistratos - Hysiris.
Seite
3003-3004
JPEG-Download
 

3003 Hercules (b. d. ital. Völkern)

queur ä Tivoli, in Revue archeol., n. s. 7, 1863S. 81 ff. Dessau im C. I. L. 14 S. 367 f.,danach zum Teil die folgende Darstellung).Der Gott wurde dort, wie in Rom , als Her-cules Victor oder Invictus verehrt (Here. Victor:C.I.L. 14, 3544. 3546. 3549. 3550. 3551. 3555.3599. 3601. 3609. 3650. 3674; 3554: HerculiTibur. Viet. u. s. w.; Here. Invictus: 3545. 3548.4234); ohne Beinamen erscheint Hercules inder sehr alten Inschrift C. I. L. 1, 1113 = 14,3541, in welcher von einer zweifachen Dar-bringung der decima die Rede ist; HerculesTiburtinus genannt C. I. L. 6, 342 = 14, 3552;einmal führt er den unerklärten Beinamen Cer-tencinus (3553: Herculi Victori Certencino u. s. w.;Dessau z. d. Inschr.: 'cognomen videtur deri-vatum a loco nobis ignoto). Es ist schon obenSp. 2278, 13 ff. erörtert worden, dafs es inTibur einen Altar des Iuppiter Praestes gab,welcher als eine Stiftung des Hercules Victor 20galt, und dafs es dort Sagen, ähnlich demHercules-Cacus-Mythus , gegeben haben mufs.Dabei ist es vielleicht nicht ohne Bedeutung,dafs in tiburtinischen Sagen auch Euander vorkommt (s. Preller, R. M. 3 2 S. 341). Fernerist es bemerkenswert, dafs derselbe Mann,welcher jenen auf Hercules selbst zurückge-führten Altar erneuert, auch der Iuno, die jaüberhaupt als Schutzgöttin von Tibur verehrtwurde (s. Preller, R. MI 1 S. 279), eine Wid- 30niung darbringt ( C. I. L. 14, 3556 Iunoni Ar-geiae C. Blandus procos., wozu Dessau bemerkt'Argeia vocabulum in tali inscriptione, quaefortasse se expressam simulavit ad exemplumvetustissimum, non offendit; vgl. Symmach., ep.

7, 19 ut .. . urbem Tiburtem . . . communemJunoni et Herculi facias). Plinius (bei Sueton. ,Calig. 8) nannte Tibur urbs Herculi sacra, dasBeiwort Herculeus erhält die Stadt öfter beiden Dichtern ( Propert. 3, 30, 5. Martial. 401, 12, 1 f. 4, 57, 9. 62, 1. 7, 13, 3. Sil. Ital. 4,224 f.); auch der Tempel des Hercules in Tibur wird wiederholt von den Schriftstellern er-wähnt ( Strabo 5, 11 S. 238 C. Iuvenal. 14, 90und Schol. dazu; Stat., silv. 3, 1, 182 f.); Octa-vianus entlieh aus dem Tempelschatze, der auchin den Inschriften C. I. L. 14, 3679 und 3679 agenannt wird, Geld {Appian., b. c. 5, 24), spätersprach er in den Hallen desselben oft Recht(Sueton., Aug. 72); eine reichhaltige Bibliothek 50in dem Tempel erwähnt Gellius (19, 5, 4, vgl.

9, 14, 3). Dafs in dem Tempel Lose, ähnlichden pränestinischen (s. Sp. 1544, 32 tf.), erteiltworden seien, scheint sich aus Statius , silv. 1,

3, 79 f. quod ni templa darent alias Tirynthiasortes, | et Praenestinae poterant migrare sororeszu ergeben (Bormann a. a. 0. S. 226 Anm. 466fafst aber Tirynthia = Herculea d. i. Tiburtinaüberhaupt auf und bezieht die Stelle auf dieSibylla). Die Priester des tiburtinischen Her- eocules waren von alters her Salier (Serv., Aen.

8, 275. Macrob. 3, 12, 5 ff. Mythogr. Vatie. III13, 8; Marquardt, Rom . Staatsverw. 3 2 S. 427);nach dem Interpolator Servii (Aen. 8, 285)sollten sie nach einem Siege der Tiburtiner überdie Volsker eingesetzt worden sein. OctaviusHcrsennius (so die Hss.; s. oben Abschnitt I)hatte in seiner Schrift de sacris Saliaribus

Hercules (b. d. ital. Völkern) 3004

Tiburtium angegeben Salios Herculi institutosoperari diebus certis et auspicato (Macrob. a. a. 0.§ 7). In den tiburtinischen Inschriften werdendie Salier häufig genannt (C. I. L. 14, 3601.3612. 3673. 3674. 3682? 4253. 4258); mehrereInschriften erwähnen Salii Collini (3604. 3609.3689. 4237. 4240. 4242. 4245), welche an dierömischen Salii Collini (Preller, R. MI 1365 f. Marquardt, Rom . Staatsverw. 3 2 S. 428)* erinnern. In der Kaiserzeit mufs der Kult destiburtinischen Hercules mit dem des Kaiser-hauses verbunden worden sein; dies schliefstDessau (S. 368; s. dens. in Ann. d. inst. 54,1882 S. 119. 126) nicht nur aus dem in den In-schriften sehr häufig genannten, seinem Namennach ursprünglich für den Herculeskult be-stimmten Priesterkollegium der HerculaneiAugustales oder Herculanei et Augustales (L.I. L. 14, 3540. 3561? 3633. 3651. 3652. 3656.3658. 3661. 3665. 3679. 3680. 3681. 3684. 3687.3688. 3690. 3691. 4254. 4255), das unter ma-gistri stand (3540. 3652. 3665. 3681. 3687. 3688.4254) und curatores (3675. 3679) sowie quae-stores (3601. 3675. 4255?) besafs, sondern be-sonders auch daraus, dafs in der Inschrift 3679der Tempelschatz einmal thensaurus Herculis(v. 10) und einmal thensaurus Herculis et Augu-sti oder Augustorum (v. 5) genannt wird. DieSorge für den Tempel hatten curatores faniHerculis Victoris (3544. 3599. 3600. 3601. 3609.3610? 3650. 3673. 3674. 3689. 4242. 4244. 4255?4258); aeditui des Tempels werden in einemInschriftenfragmente erwähnt (4257). Eine zurZeit des Caracallus geschriebene Inschrift (3638)nennt eine Genossenschaft von iuvenes Antofm-niani] Herculanfii] (dazu Dessau S. 367). Vgl·C. I. L 6, 9485 das collegium iumentariorutnqui est in cisiaridjs Tiburtinis Herculis. DieLage des Herculestempels ist durch Ausgra-bungen, welche Thierry i. J. 1862 unternahm,festgestellt und durch spätere Ausgrabungennoch bestätigt worden; danach hat man dieReste des Tempels in den unter dem Namender Villa des Mäcenas bekannten Ruinen zuerkennen, was auch schon Nibby behauptethatte (s. Archäol. Ans. 1862 S. 291*. Rosaim Bull. d. inst. 1862 S. 6 f. Foucart a. a. 0-Dessau in Ann. d. inst. a. a. O. S. 127. L. Bor-sari, Scoperte nett area del tempio di FrcoleVincitore [in Tivoli], in Notizie degli scavi dtantichitä 1887 S. 25 ff; früher suchte man denTempel in der Gegend der Kathedrale vonTivoli, s. Bormann S. 227). Der Tempelschatzbefand sich nach der Inschrift 3679 a bei dertiburtinischen porta Esquilina (vgl. zu dieserÖrtlichkeit Dessau in Ann. a. a. 0. S. 126und G. Gatti in Notizie degli scavi a. a. 0.S. 153). Eine tiburtinische Widmungsinschriftan Hercules Domesticus G. I. L. 14, 3542; überdie in Tibur gefundene Widmungsinschrift anHercules Saxanus s. Abschnitt XI 4 a. Vgl·noch den bei Lunghezza zwischen Tibur undRom gefundenen, aber späten Altar mit Wid-mung an Hercules C. I. L. 14, 3905. FürTusculum läfst sich vielleicht ein besonderswichtiger Herculeskultus entnehmen aus denbeiden in Capua zusammen gefundenen, sehralten Inschriften Iunone Loucina Tuscolana