Band 
Zweiter Band, erste Abteilung. Iache - Kyzikos.
Seite
23-24
JPEG-Download
 

23

24

lanus (auf cl. Ianiculum)

Mommsen), zusammen mit seiner Schwesterund Gattin Καμίση (Καμααήνη, Camesene) ausHellas (nach Plut. Q. Ii. 22 aus Perrhaibien*)in Thessalien) einwandern und ihn mit dieserGattin zwei Kinder, einen Sohn Αί'θηξ (Epo-nymos der Αίθικες in Thessalien?) und eineTochter Όλιατήνη, zeugen (Drakon v. Kerkyrab. Athen . 692 DE = Eustath. z. Od. 1533, 3,wo die Worteαπό τούτου καί τονΐανόν[lavoviΐάνιονΐ\ ποταμόν καί το οροςΐανόν\ΐάνονκλον?ΐανοϋ ?] όνομάζεσθαι χατοικήσαντοςαύτον επί. τον όρους kaum auf etwas anderesals auf den auch Sohn des lanus genanntenTiber (s. u.) und das Ianiculum zu beziehensind; vgl. Demoph. b. Lyd. de mens. 4, 2).Nach Serv. V. A. 8, 330 war nämlich Tiberinus,der Eponymos des Tiberflusses, ein Sohn diesesPaares (vgl. d. Art. Camese). Sehr beachtens-wert erscheint, dafs mit dieser Legende vonden beiden zur See über das Meer nach demIaniculum gekommenen Göttern lanus undSaturnus auch die Sage von der Erfindungdes Schiffsbaus verknüpft und behauptet wurde,das Schiffsbild, welches den Revers der alt-römischen, auf der andern Seite den bärtigenIanuskopf tragenden asses schmückt, bedeutedas Schiff entweder des lanus oder des Satur-nus, mit welchem diese nach dem Ianiculumgekommen seien (vgl. Serv. V. A. 8, 357: lanusin laniculo habitavit, qui quod una navi exui.venit, in pecunia eius ex una parte Iani caputex altera navis signata est. Drakon a. a. 0.πρώτον δε .... ενρεΐν και σχεδίας και πλοίακαί νόμισμα χαλκοϋν πρώτον χαράξαι κ. τ. λ.Hygin b. Macrob. a. a. 0. cum primus quoqueaera signaret, servavit et in hoc Saturni re-verentiam, ut, quoniam ille navi fuerat advectus,ex una quidem parte sui capitis effigiem exaltera vero navis exprimeretur, quo Saturni me-moriam in posteros propagaret. Ov. f. 1, 239 f.Plut. Q.li. 41: επί τιμή του Κρόνου πλοίψ διαπεράσαντος εις Ιταλίαν). Auch fabelte man,dafs lanus von seinem Ianiculum aus, entwederselbständig ( Drakon a. a. 0. Plut. Q. II. 22u. 41) oder vom Saturnus dazu angeleitet,allerlei nützliche Erfindungen (z. B. Obst- undGetreidebau, Schiffsbau, Häuserbau, Münz-prägung, Staats Verfassung u. s. w.) und über-haupt eine höhere Kultur in Latium eingo-führt und verbreitet habe ( Macrob . S. 1 , 7,19 ff. Athen , u. Eustath. a. a. 0. Demoph. b.Lyd. de mens. 4, 2. Sero. V. A. 8, 319 obenSp. 22 Z. 31. Plut. Q. B. 19,22 u. 41. Num. 19,8.Auct. inc. de orig. gent. Born. p. 15 ed. Schroter). Suchen wir den eigentlichen Sinn und Kern

*) Vielleicht liegt dieser merkwürdigen Herleitungaus Perrhaibien in Thessalien die Gleichsetzung von lanusund Ianiskos (s. d.) zu Grunde, der als Sohn des Askle-pios und Bruder des Machaon und Podaleirios ebenfallsaus Perrltaibien, d. i. dem nördl. Thessalien {Bursian,Gcogr. v. Gr. 1, 48), stammen mufs. Auch der jSTame(Λϊβις) weist auf Thessalien. Ist vielleicht inOXiatrjVii eine Hindeutung aufΟλοοοαών in Perrhaibienzu erblicken? Auch in Καμίση, Καμασηνη steckt wohleine (thessalische?) Örtlichkeit; vgl. Suid. s. v. Καμαοοη-νός idviy.üv. Arcadius p. 111 ed. BarJcer. Lobeck, Fathol.Froll. p. 191 ff. Ähnlich wird lanus vom Inc. auct. or.gent . Rom. cap. 2 p. 13 Schroter mit Ion, Sohn des Apollonund der Kreusa , identificiert.

lanus (auf d. Ianiculum )

aller dieser Legenden zu erfassen, so kann eskaum zweifelhaft sein, dafs ihnen eine Er-innerung an den am Fufse des Ianiculum ge-legenen und von der schon in uralter Zeitdaselbst gebauten Feste ( arx Verg. u. Ovid.a. a. 0.) beschützten, für die älteste Zeit sowichtigen Handelshafen Roms zu Grundeliegt (vgl. Dion. Hai. 3, 45; Dichter b. Bau­ meister , Denkm. 1437 f.). Bedenkt man aufser-dem, dafs über das Ianiculum die ältesteHandels- und Verkehrsstrafse zwischen Rom und Etrurien ging (Paul. Fest. p. 104 Müll. Iani-cülum dictum, quod per eum Bomanus populusprimitus transierit in agrum Etruscum), so be-greift man, dafs dem Eponymos des Ianiculum und das ist eben lanus alle die aus demAuslande stammenden Segnungen und. Kultur-fortschritte zugeschrieben wurden, welche dasälteste Rom dem am Fufse des Ianiculum be-triebenen und von demselben beschütztenHandel und Verkehr mit ausländischen undetruskischen Kaufleuten zu verdanken hatte.Auch die antike Deutung der ältesten römischenMünzbilder mit dem Ianuskopf auf der einenund dem Schiff auf der andern Seite istkeineswegs so einfältig, wie es auf den erstenBlick aussehen mag, wenigstens scheint es, alsob wirklich lanus und Schiff eine Beziehungzu einander hätten (vgl. Flut. Q. Ii. 41, derzur Erklärung des altrömischen Münzbildesbemerkt: επει τοίννν εύκοσμίαν μεν Ιανόςκατέστησεν αΰτοΐς, έί,ημερώσας τον βίον, αφθο-νίαν δε παρέχει των αναγκαίων ό ποταμόςπλώϊμος ών και τα μεν εκ -θαλάσσης τά δε απότης χώρας κατακομβών, σνμβολον εσχε το νό-μισμα του μέν νομο&έτου τό δίμορφον .. . διάτην μεταβολήν, τον δε ποταμού τό πορθμείον).Wir glauben kaum zu irren, wenn wir dieseBeziehung in dem Verhältnisse erblicken, welchelanus von jeher zu dem römischen Handels-hafen am Fufse des Ianiculums gehabt hat,wozu noch kommt, dafs der Börsen- und Markt-verkehr auf dem Forum Rom. , wie wir sahen,ebenfalls unter dem Patronat des Gottes stancl(s. oben Sp. 20; anders Mommsen, Münzw.S. 184). Hiermit dürfte nunmehr auch derrichtige Standpunkt für die Beurteilung derHypothese Prellers (Ii. Ai. 3 1, 177 f.), dafslanus mit Portunus identisch sei, gewonnensein. Preller beruft sich hierfür auf folgendeThatsachen. Erstens wissen wir (aus Fest.Paul. p. 56, 5), dafs Portunus, der, wie lanus,pater hiefs (Verg. A. 5, 241), für einen deusportarum galt und mit einem Schlüssel inder Hand abgebildet wurde, was entschieden anlanus erinnert (vgl. auch Varro b. Intp. Veron.Aen. 5, 241: Portunus . . . deus portfuumportajrumque praeses etc.). Sodann berichtetVarro l. I. 6, 19 von einer aedes Portuni inportu Tiberino und einem daselbst am17. Aug. gefeierten Feste Portunalia*) , wasdurch eine Notiz des augustischen Kalenders:PortfunaliaJ; feriae Portuno; Portuno ad

*) Vgl. auch den jlamen Rortunalis (b. Fest. p. 217a), derarma Quirini [lani Quirini; Marquardt, Staatsv. 3, 315, 3]unguit; unter den arma Iani Quirini könnten baculum,virga und clavis gemeint sein, die lanus selbst Ov. f. 1,254 arma nennt.