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Zweiter Band, erste Abteilung. Iache - Kyzikos.
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39 Ianus (erste Stelle bei Gebeten etc.)

prägung (Athen . 692 DB. Macrob. 1, 7, 22), jasogar der ganze religiöse Kultus (Xenon b.Macrob. 1, 9, 3. Io. Lyd. 4, 2) auf das Wirkendes Ianus zurückgeführt. Ygl. auch Macrob.1, 7, 2125, wo Ianus in dieser Beziehungals Schüler des Saturnus aufgefafst wird. DerBeiname Cenulus, den l.abeo b. Io. Lyd. 4, 1mit ενωχιαοτικός erklärt (vgl. Cedren. 1 p. 295, 7Sonn.Ρωμαία κίβονς την τροφήν εκάλονν, εξον κα'ιΐανόν Κιβούλλιον Sia το ενωχιαατι-κόν), dürfte sich am besten aus der Idee einesgöttlichen Erfinders der *ars cenanim (Hör.sat. 2, 4, 35) im Gegensätze zu dem ' ferus etrudis ante fruges cognitas victus (Macrob. 1,7, 21) erklären. Nicht recht klar ist, wieIanus dazu kam, als Erfinder der Kränze ge-nannt zu werden (Dralcon v. Kerkyrä "6. Athen .692 DE). Es fragt sich, welche Art vonKränzen in diesem Falle gemeint ist, die zumApparat des Gastmahls gehörenden, oder diedem religiösen Kultus (Plin. h. n. 21, 11)dienenden. Auf den Trientalassen seit 268(s. unten Sp. 51) erscheint Ianus selbst mitLorbeer bekränzt, und über der Prora des Re-verses steht als Beizeichen ein Kranz. Ausdieser Vorstellung des Ianus als Gott allerAnfänge und als Stifter des Gottesdienstes so-wie als Mittler zwischen Göttern und Menschen(Ου. f. 1, 171 ff. Serv. V. A. 7, 610. Macrob.

1, 9, 9. Arnob. 3, 29) erklärt sich wohl deruralte Brauch, bei allen Opfern, Gebeten undAnrufungen zuerst des Ianus zu gedenken undihn an die Spitze zu stellen. Vgl. Cic. N. I).

2, 27, 67 cumque in omnibus rebus vim haberentmaximam prima . . ., principem in sacrificandolanum esse voluerunt. Varro b. August, c. d.7, 9: penes lanum sunt prima, penes lovemsumma. Vgl. ferner die Gebete bei Cato r. r.134 u. 141, die Devotionsformel b. Liv. 8, 9, 6,die Götterreihe der arval. Tafeln Henzen, actafr. an. 144 f. Festi epit. 52. Ovid. f. 1, 171 ff.Serv. V. A. 7, 610. Xenon b. Macrob. 1, 9, 3u. 9. Io. Lyd. mens. 4, 2. Arnob. 3, 29 u. s. w;mehr b. Marquardt, Staatsv. 3, 25, 7; 26, 1.Schwegler, B. G. 1, 222 f. Beachtenswert istes , dafs ebenso wie im häuslichen und foren-sischen Kult so auch bei allen Opfern und Ge-beten Vesta eine Art Pendant zu Ianus bildet,indem sie alscustos rerum intimarum (Cic.nat. d. 2, 27, 67) die letzte, Ianus die ersteStelle erhielt (Preuner, Hestia S. 28 ff. = Mar-quardt, Staatsv. 5, 26, 3).

In nahem Zusammenhang mit diesen undden oben Sp. 35 ff. behandelten Anschauungenund Bräuchen steht die, wie Preller, B. M. a 1,166 ganz richtig hervorhebt, gewissermafsentheogonische oder kosmogonische Idee vonIanus als dem Gott der Götter oder Urgott.Wie alt und ehrwürdig diese Idee war, erhelltam besten aus dem Umstande, dafs Ianus be-reits in den Liedern der Salier als DivumDeus gefeiert wurde. Vgl. Macrob. 1, 9, 14:Saliorum, antiquissimis carminibus Ianus Deo-rum Deus canitur. Varro l. I. 7, 27: DivumDeo. Seren, fr. 23 Müller bei Terent. Maur.de metr. p. 1889: o cate rerum sator, o prin-cipium deorum. Wenn er Pater genanntwird, so bedeutet dies Epitheton wahrschein-

Ianus (Kriegs- u. Quellengott?) 40

lieh nicht blofs den gewöhnlichen Ehrentitelder anderen grofsen Götter (vgl. Iuppiter,Marspiter etc. Zinzow, d. Vaterbegriff b. d.röm. Gottheiten, Pyritz 1887 S. 6 f.), sondernbezieht sich wahrscheinlich auch auf seineStellung als Göttervater schlechthin, auf seineGeltung als principium deorum. Vgl. Macrob.

1, 9,16: patrem [invocamus] quasi deorum deum.Cato r. r. 134. Lucii, b. Lactant, i. d. 4,3. Verg. A.

8, 357. Hor. ep. 1 , 16,59. sat. 2, 6, 20. luv. sat. 6,393. Plin. h, n. 36, 28. Geli. 5, 12, 5. Macrob. 1, 9,

15. Mehr b. Schwegler, B. G. 1, 223, 25. Zinzoioa. a. 0. 6, 4. Preller, B. M. z 1, 167, 1.

c) Ianus als Gott des Krieges (?) u. der Quellen (?). j

Schon die Alten selbst haben Ianus füreinen Kriegsgott erklärt und namentlich dieÖffnung des Ianus Geminus in Kriegszeitenund seinen Beinamen Quirinus (s. ob. Sp. 16) aufdiese Funktion bezogen. Vgl. Ennius b. Hor.

1, 4, 60 Discordia taetra Belli ferratas postesportasque refregit. Macrob. 1, 9, 16 Quirinum ,quasi bellorum potentem, ab hasta, quam Sabinicurin vocant. Lucan. Phars. 1 , 62 belligerilimini Iani. Cedren. 1 p. 295 Bonn ,luvövΚνρΐνον ώαανει πρόμαχον; Anthol. Lat. ed. :Biese 394, 1. Hiermit könnte man die aufNuma (Plut. Marc. 8) zurückgeführte Be-stimmung tertia*) spolia [opima]Ianui Quirinoagnum marem caedito (Fest. p. 189) wohl ver-einigen, wenn nicht bei Plutarch. vita Marc.

8 (τα äs τρίτα τφ Κνρίνω) statt des Ianus Quirinus der Quirinus als Empfänger derdritten Spolien genannt würde, was gegen dieLesart des Festus einigermafsen mifstrauisehmacht, zumal wenn wir bedenken, dafs Quiri- inus in diesem Zusammenhänge besser zu jIuppiter und Mars pafst als Ianus, und dafsdieser sonst immer im Opferkult und bei Ge-beten die erste, nie die dritte Stelle hat (vgl.namentlich die Devotionsformel bei Liv. 8, 9:lane, Iuppiter, Mars pater, Quirine, Bel-lona etc.). Hierzu kommt noch, dafs Ianus ebenso oft auch ausdrücklich als Friedensgottangesehen wird (vgl. Hor. ep. 2, 1, 255:claustraque custodem pacis cohibentia lanum, >Ovid f. 1 , 281: pace fores obdo, ne qua dis-cedere possit. ib. 287 ff. Martial 8, GG, 11 paci-ficus Ianus. Clandian 28, 638. Plut. Q. Born.

19: τονfavbv . πολιτικόν και γεωργικόν

μάλλον η πολεμικόν γενόμενον). Man erkennthieraus auf das deutlichste, dafs Ianus durch-aus nicht als eigentlicher Kriegsgott anzu-sehen ist und seine Auffassung als bellorumpotens und belliger sich lediglich auf die obenSp. 18f. behandelte Sitte den Ianus Geminusim Frieden zu schliefsen, im Kriege offen zuhalten bezieht (vgl. auch Ov. f. 1, 254: nil mihi cum bello, pacem postesque tuebar). Wasden Beinamen Quirinus (vgl. auch Kiefslingzu Hor. ca. 4, 15, 9) betrifft, der einzig undallein den am Eingang zu dem Forum derQuirites, d. i. der röm. Bürger, befindlichenund daselbst als custos verehrten Ianus be-zeichnet, so ist es mir bei dem unverkenn-

*) Die prima spolia galten dem Iuppiter Feretrius,die seennda dem Mars (s. d.). Vgl. unt. Sp. 43 Z. 30.