41 Ianus (myth. Verbindungen)
baren Zusammenhang von Quirinus mit Quirites{Jordan zu Preller, 11. M. 3 1, 369, 4) wahr-scheinlich, dafs Quirinus in diesem Falle Ad-jectivum ist und den lanus der Quinten, d. h.der auf dem Forum versammelten römischenVollbürger, bezeichnen sollte (anders Butt-mann, Mythol. 2, 90 ff). Wenn Servius z. V. A.7, 610 sagt: quidam Ianum Hanum dicunt abeundo cumque esse Martem, so beruht daswohl einerseits auf der Identificierung von Gra-divus und Ianus , anderseits auf der Bedeutung,welche die Öffnung des Ianus Geminus für dierömischen Krieger hatte.
Etwas anders steht die’ Sache mit derFunktion des Ianus als Gottes der Quellen.Preller, B. M. z 1, 170 bezieht darauf die Sagevon der Ehe mit der Iuturna, aus welcherFontus hervorgegangen sein sollte (ob. Sp. 18 u.25), und die von Ovid f. 1 , 269 u. Met . 14, 785behandelte Legende von der Abwehr der dieporta Ianualis (= Ianus Geminus am Forum)erstürmenden Sabiner durch plötzlich hervor-brechende heifse Schwefelquellen (s. ob. Sp. 18).Hierzu kommt noch die Sage von der Quell-nymphe Canens (s. d.), die Venilia (s. d.),wohl ebenfalls eine Quellengöttin, auf demPalatin dem Ianus geboren hatte {Ovid Met.14, 333). Obwohl diese Sagen meines Er-achtens nicht ausreichen, um die Funktion deslanus als eines Quellengottes sicher zu be-gründen, wäre es doch im Hinblick auf Redens-arten wie claudere fontes {Ov. Met. 15, 271),aquas {Prop. 5, 9, 44), rivos {Verg. Hel. 3,111),recludere ora fontana {Ov. f. 1, 269), recluderefontes {Verg. G. 2, 175), aperire puteum {Big.39, 2, 24), aperire fontes {Cic. Tuse. 1 , 3, 6),puteus patens {Hor. ep. 2, 2, 135) u. s. w. nichtunmöglich, __ dafs Ianus Patulcius und Clusiusauch als Öffner und Schliefser der Wasser-quellen gedacht worden wäre.
C. Mythen u. mythische Verbindungen.
Da die meisten Mythen und mythischenVerbindungen des Ianus bereits zur Sprachegekommen sind, so genügt es, auf die betreffen-den Stellen dieses Artikels und die sonstigenin Betracht kommenden Artikel dieses Lexikonskurz hinzuweisen. Die mit Ianus in mythischerVerbindung stehenden Personen sind:
a) Iuturna s. d. u. vgl. oben Sp. 18 u. 25.
b) Venilia s. d. u. vgl. oben Sp. 41 Z. 25.·
c) Fontus s. d. u. vgl. oben Sp. 18 u. 25.
d) Tiberinus s. d. u. vgl. Sp. 23.
e) Canens s. d. u. vgl. Sp. 41 Z. 25.
f) Oarna und Card ea s. d. u. vgl. Sp. 33.
g) Cameses, Camesene, Camasene, Ca-mise s. Camese u. vgl. Sp. 23.
h) Saturnus s. d. ui vgl. oben Sp. 22f.Die nur von Pseudoplutarch parall. 9 berichteteSage von Ianus als Sohn des Kronos (Saturnus)und der Entoria ist apokryph.
i) Wenn Arnobius adv. not. 3, 29 sagt:Ianum, quem ferunt Caelo atque Hecata pro-creatum, so haben wir darin nicht etwa einenechten Mythus, sondern lediglich einen Aus-Hufs späterer gelehrter Spekulation zu er-blicken, zumal da Ianus naturgemäfs, seinerBedeutung als Gott der Anfänge entsprechend,
Ianus (Attribute, Opfer) 42
elternlos sein mufs {Klausen , Aeneas etc. 713).Offenbar ist ihm Caelus zum Vater gegebenworden, weil man Ianus selbst als Himmcls-gott auffafste (s. unten Sp. 44), und seineMutter Hekate erklärt sich einfach aus derThatsache, dafs diese häufig wie Ianus mehr-köpfig dargestellt und als Thürengöttin ver-ehrt wurde (s. Hekate u. vgl. ob. Sp. 35f.).
k) Hinsichtlich des Aithex und der 0li-ste n e_ als Kinder des Ianus s. oben Sp. 23.
l) Über das Verhältnis des Ianus zu Picusu. s. w. vgl. Verg. A. 7, 180. Jordan. Rom.§39M. Huseb. b. Hieron. Chron. ad a. Abr. 838.
D. Attribute des Ianus.
Nach Analogie der menschlichen Thürhüterführt Ianus zunächst den Schlüssel (clavis) undeinen Stock oder Stab (virga, baculum), denman aber nicht mit dem Mafsstabe des Aionverwechseln darf, wie dies Arch. Ztg. 19
5. 139 geschehen ist. Vgl. Ovid f. 1, 99:Ule tenens baculum dextra clavemque sinistra,ib. 177. 228. 254. Maerob. 1, 9, 7: cum clavi etvirga figuratur, quasi omnium et portarumcustos et rector viarum. Arnob. 6, 25. Auchauf den erhaltenen Bildwerken (s. u.) erscheintder Stab in der Rechten mehrfach ganz deut-lich, während in der Linken statt des Schlüs-sels hie und da eine patera vorkommt. Wieaus der Erzählung von Carna = Cardea (Ov.f. 6, lOlff.) hervorzugehen scheint, bestand dievirga des Ianus aus Weifsdorn {spina albaOv. f. 6, 129 1), dem man überhaupt einesegnende, unheilabwehrende Wirkung zuschrieb(vgl. Bötticher, Baumkultus d. Hell. S. 360 f.Kuhn, Herabkunft d. Feuers 1 237. Wuttke,d. dtsch. Volksaberglaube S. 474 unter 'Hage-dorn’. Mannhardt, Baumkultus 178. 295. 426).Hinsichtlich des Lorbeerkranzes, mit welchemI. auf Münzen geschmückt ist, s. Sp. 39 u. Sp. 51.
E. Opfer.
Als regelmäfsiges Opfer des Ianus an denKalenden (namentlich des lanuarius) wirdKuchen {πόπανον, Ianual, strues) genannt, vondem Ianus sogar einen Beinamen (griech.Ποιχάνων — Libarius?) erhielt. Io. Lyd. mens.4, 2: b δε Βάρρων .. . φηοίν αυτόν . .. λέγεαϋαι.. . Kai Ποπάνωνα, διά το έν ταΐς Ιίαλένδαιςάναφέρεσ&αι πόπανα. Paul. epit. Fest. ρ. 104Ianual libi genus, quod Iano tantummodolibatur. Ov. f. 1, 127 cui Ceriale sacerdos im-ponit libum f arraque mixta sale. ib. 275 aramihi posita est parvo coniuncta sacello: haecadolet flammis cum strue farra suis (vgl.Seren, b. Terentian. v. 1889 ff. — frgm. 23Müller u. Fest. p. 310: strues genera liborum . ..digitorum coniunctorum non dissimilia). Vgl.auch Cass. Dio 73, 13: τφ ’ΐανφ τφ προ των&νρων [τον συνεδρίου] &ύαειν εμ,ελλεν, wo wohlein Kalendenopfer gemeint ist. Far, vinumund eine agna werden als Opfer des Ianus undder Vesta im Privatkult genannt bei luvenal.
6, 385 ff. Nach Cato r. r. 134 wurde ihm kurzvor der Ernte zusammen mit Iuppiter undIuno tus und vinum und sodann ihm alleinstrues geopfert (vgl. Ov. f. 1, 171: cur, quam-vis aliorum numina placem, Iane, tibi primum
io
20
30
40
50
60