5 Nanaia
Gaz. arch. 1876 p. 10—18. 58 — 67 pl. 4—6.Schon um 2280 v. Chr. war ihr Bild aus [Irak nachSusa entführt worden, von wo es Assurbanipal644 nach seinem alten Kultort zurückbrachte{Schräder, KeiKnschr. u. altes Test. 48. Keil-inschr. u. Geschichtsforschung 47 f.). Tiglat Pi-lesar bezeichnet Nanä als Herrin von Babylonund brachte ihr 745 Opfer dar (Schräder, Keil-inschr. u. Geschichtsf. 107). Auf indoskythischenMünzen des Königs Kanerki und seines Nach-folgers (vgl. Sollet, Die Nachfolger Alexandersd. Gr. 60 ff. 185 ff.) wird Nava oder Navaiahäufig dargestellt als langbekleidete stehendeGestalt mit einem Zweig in der Hand undder Mondsichel auf dem Kopfe ( Wilson, Arianaantiqua 14 u. 362. Grotefend, Münzen d. griech.parili. u. ind. Könige 49. Sallet a. a. 0. 186 f.Jlead, Hist. num. 710. [A. Stein, Zoroastrian
deities on Indo-Scythian coins (-reprinteä fronttheOrientalandBabylonianRecord, August 1887)p. 12 nr. XVIII und besonders Percy Gardner , Thecoinsof the GreekandScythickings of Bactria andIndia in theBrit. Mus. London 1886]; eingehendHoffmann a. a. 0. 139 ff.). Schon diese Attributeweisen deutlich darauf hin, was die Griechen ver-anlafste, ihre Artemis in Nana zu erkennen. AufGrund dieser Thatsachen hat man Nana auchder Anaitis, der persischen Artemis, gleich-gesetzt (Wilson a. a. 0.), wofür Hoffmann a.a. 0. 154ff. entschieden eintritt (vgl. E. Meyerunter Anaitis Bd. 1 Sp. 333). Es ist dies umso leichter möglich, als die innerasiatischenKulte vielfach in Austausch standen und ins-besondere der Anaitiskultus viele babylonischeElemente in sich aufgenommen hatte (vgl. E.Meyer a. a. 0.). Die Verehrung der Nana mufslange bestanden haben; denn noch in den er-wähnten Märtyrerakten wird Nana, „die grofseGöttin der ganzen Erde“, unmittelbar hinterZeus genannt (Hoffmann a. a. 0. 29). Bemerkens-wert ist auch der Umstand, dafs auf späterenphrygischen und anderen kleinasiatischen In-schriften die Eigennamen Νάνα und Νάναςnicht selten erscheinen (C. I. G. Indices p. 111und zu 3856 add.). [Zahlreiche Beispiele deskleinasiatischen „Lallnamens“ Nana s. beiKretschmer, Einleitung in die Geschichte dergriech. Sprache p. 341 ff] [Wagner.]
Nanaia s. Nana 2. -Vamii' J - Wh*· : <
Nanas u. Nanos (Νάνας, Νάνος). 1) Nanas,Sohn des Teutamides, ein Nachkomme des Pe-lasgos, den Apollodor (2, 4, 4, 2) als König desthessalischen Larisa zur Zeit des Perseus kennt.Während seiner Regierung wurden die Pelasgervon den Griechen vertrieben und kamen durchden „ionischen Meerbusen“ an den Elufs Spines(so genannt nach der Stadt Spina an der süd-lichen Pomündung). Dort liefsen sie ihre Schiffeund eroberten die Stadt Kroton (Κο&ωρνία d. i.Cortona nach Dion. Hai. Ant. Rom . 1, 26) imBinnenlande. Hier nahmen sie den NamenTyrrhener an ( Hellan. Phoronis frg. 1 bei Dion.Hai. 1, 28). Noch Herodot (1, 57) trennte diePelasger in Κρήβτων (d. i. Cortona nach Dion.Hai. 1, 29) von den übrigen Tyrsenern, wäh-rend die Späteren meist dem Hellanikos in derHerleitung aller Etrusker von den Pelasgerngefolgt sind (vgl. E. Meyer, Forschungen
Nanas (Nanos) 6
zur alten Geschichte 24 u. 105ff'. Geschichte d.Altert. 2, 502f.).
2) Nanos. Lykophron (1242 ff.) berichtet,dafs Odysseus (νάνος, πλάναιβι πάντ ερεννή-βας μυχόν | älog τε καί γης), begleitet von denbeiden Söhnen des Telephos, Tarchon und Tyr-senos, in Italien mit Aineias zusammen getroffensei. Odysseus (s. d.) ist hier mit der lydischen Ein-wanderung der Etrusker in Verbindung gesetzt;die Scholien und Tzetzes, die sich im übrigenauf eine Paraphrase der Stelle beschränken,bemerken hierzu: ό Όδνασενς παρά Τυραηνοΐςνάνος καλείται, δηλονντος τον ονόματος τονπλανήτην. Dabei bleibt die von 0. Müller ge-leugnete Möglichkeit bestehen, dafs νάνος beiLykophron gar nicht als Eigenname aufzufassenist, und dafs die Angabe des Scholiasten ebensoaus den Worten des Lykophron abgeleitet ist,wie der folgende Zusatz des Tzetzes: εγω äsενρον, οτι ο Όδυσβενς πρότερον Νάνος εκαλείτο,νοτερον δε εκλή&η Όδνσαενς, ωοπερ 6 ‘Αχιλλενςπρότερον Αιγνρων καί Πνρίαοοος καί ε'τεροιετέρως εκαλούντο. An einer andern Stelle setztLjykophron (805 ff.) den Odysseus in direkte Be-ziehung zu Cortona : er werde aus Kummerüber den Tod des Telemachos und dessenGattin (Kirke) in Gortyneia sein Leben aus-hauchen und auf dem tyrsenischen GebirgePerge (Monte Pergo bei Cortona nach Gori,Inscr. Etr. 2, 366) begraben werden. NachTheopompos (frg. 114, Scliol. u. Tzetz. v. 809) warnämlich Odysseus, als er nach Ithaka heim-kehrend erfuhr, wie es um Penelope stand,wieder abgefahren und hatte sich in Tyrrhe-nien niedergelassen. Nach einem andern Be-richt (Plut. quaest. Gr. 14) kam Odysseus , nachdem Freiermord durch einen Schiedsspruch desNeoptolemos (vgl. über diesen Apollod. ep. 7, 40)aus Ithaka verwiesen, nach Italien . Auch sonstgiebt es noch einige Angaben über Odysseus in Etrurien. In Aristoteles ’ Peplos sind zweiEpigramme (12 f.) nach der Überschrift demin Tyrrhenien begrabenen Odysseus gewidmet.Cäre und Cluaium wurden auf sein Geschlechtzurückgeführt (0. Müller, Etrusker 2 S , 283).Nach Plutarch (de aud. poet. 8) hätten dieTyrrhener eine Geschichte bewahrt, nach derOdysseus schläfrig und deshalb vielfach un-zugänglich gewesen sei, und Ptolem. Heph.(S. 197, 2 West.) will sogar von einem Wett-kampf im Flötenspiel wissen, den Odysseus inTyrrhenien siegreich bestanden habe (vgl.Klausen , Aeneas u. d. Pen. 1144ff. Preller-Jordan, Rom. Myth. 2, 309).
Dafs Odysseus (s. d.), der bereits im Anhangzur Hesiodischen Theogonie (1013) durch seinenSohn Latinos als Stammvater der Latiner er-scheint, nachdem einmal seine Abenteuer inItalien lokalisiert waren, auch zu den Etrus-kern in Beziehung gesetzt wurde, ist nicht zuverwundern, und zwar tritt bei Lykophron (1242) deutlich das Bestreben hervor, dieswenigstens äufserlich mit der lydischen Ab-leitung der Etrusker zu verbinden. Dafs aberOdysseus wirklich den Etruskern unter demNamen Nanos bekannt war, ist nicht zu er-weisen. Deshalb mufs auch eine auf dieserGleichsetzung fufsende Kombination 0. Müllers,
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