Orsilochos
1207 Orphnaeus
keit eines lieben Toten zu ehren, indem manauf sein Grab das Bild des Frömmsten derFrommen setzte, der durch sein gottgefälligesWort selbst die Roheit der Tiere bezwang.Der in dieser heidnischen Vorstellung liegendenSelbstgerechtigkeit stellte die Christengemeindein doppelter Steigerung ihren seine Schafeweidenden Hirten entgegen. Jesus vollbringterstens, wie Piper, Mythol. u. Symb. d. christl.Kunst 1, 1847, S. 126 bemerkt, in der sitt-lichen Welt dasselbe Wunder, wie 0. in derleiblichen und unvernünftigen, zweitens aberist er nicht blofs Vorbild, sondern zugleichErlöser. Diese Gegenüberstellung des dieTiere bezaubernden 0. und des Erlösers istbereits am Anfang der Periode, der diechristlichen Orpheusdarstellungen entstammen,in den Anfangskapiteln von Klemens Protrept.(1, S. 2 — 4 Po.) bezeugt (vgl. auch Kuseb.laud. Const. c. 14, S. 1409 Migne). Weil aberJesus den Christen ein gröfserer Orpheuswar, so gab man dem das Schaf weidendenHirten geradezu die Leier seines heidnischenGegenbildes, man fügte den Baum und denVogel hinzu," bis man endlich dazu gelangte,die ganze Orpheusscene auf Christus zu über-tragen. JRossi, Bull, d’arch. Christ. 4, δ, 1887,S. 29 ff. erinnert an das Loblied des Lamas.u. Hieronym.·. . . . Christus | qui varias unoiunxit sub carmine linguas j ut pecudes volu-cresque deum cognoscere possint. Damit aufden Erlöser Züge des heidnischen Religions-stifters übergehen konnten, mufste allerdingsdieser zuvor seiner heidnischen Züge ent-kleidet sein. Dies aber war durch die christ-lichen Interpolationen der orphischen Gedichtegeschehen. Früher hat man allgemein indiesen Gedichten den Anlafs für die christ-lichen Orpheusdarstellungengesehen; vgl. z. B.Bottari, Scult. e pitt. sagre, Rom 1746, 2, 30 ff.;64; Munter, Sinnb. u. Kunstvorst, der altenChristen 1, Altona 1825, S. 89, der danebenauch auf den Gegensatz zum guten Hirtenaufmerksam macht; Creueer, Symb. 3 1 , 187,der aber in der Wunderlyra zugleich ein Bildvon der anziehenden Macht des Evangeliumssieht; Baoul Bochette, Mem. de l’acad. desinscr. et b. I. 13, 1836, 27ff.; Piper, Mythol u.Symbol. 1, 126. An dieser Ansicht war sovielrichtig, dafs ohne die christlichen Orphika dieKirche kaum auf die sepulkrale Verwendungder Orpheusdarstellungen gekommen wäre.
[0. Gruppe.]
Orplinaeus, ein Rofs des Pluton bei Claudian .de raptu Proserp. 1, 284. [Eisele.]
Orpline (’Όαφνη), Personifikation des Dunkelsder Unterwelt {Kur. Here. für. 46. 352), vonAcheron Mutter des Askalaphos (s. d. Bd. 1Sp. 611, 2 ff.), Ov. Metam. 5, 539. Maafs, Orpheus149, 40. [Höfer.]
Orsanes ( Όρσάνης ), sonst unbekannter Titanein dem Abschnitt über Tarsos bei SymeonMag. p. 686 [u. Genes, p. 67, 5 ed. Bonn : [ήΤάραος] ΰπο Έριχ&ονίον κτίσεως επετνχε ι,κατεβχεϋ·η δε παρά Όρβάνον ενός τ&ν Τιτάνωνκαι επικτίαεως είληχεν. R.] [J. Geffcken.]
Orsedike {Όραεδίκη), s.Braisia, Kinyras, Lao-gore.
1208
Orse’is (Οραηΐς), Nymphe, von Hellen Mutterdes Doros, Xuthos und Aiolos , Apollod. 1, 7, 3.Vitruv. 4, 1, 3. Bei Hellanikos im Schol. Plat.Symp. 208 d p. 960 Baiter = K. H. G. 1 , 47, 10,der als ihre Tochter aufserdem noch die Xeno-patra nennt, heifst sie Ό&ρηΐς, vgl. Erma-tinger, Hie attische Autochthonensage 10, 113.
[Höfer.]
Orses (’ Όρβης ), ein Gefährte des Aeneas , inder Schlacht von Rapo getötet, Vera. Aen. 10,748. ; [Stoll.]
Orsialos (Όροίαλος). In den neu gefundenenFragmenten des Bakchylides, Philologus 57(1898), 169 [= 15,19 Bl.] findet sich für Posei-don die Umschreibung δρσίαλος δαμασίχ&ων{— Ένοβίχ%ων). Ähnlich heifst Poseidonελαοίχ&ων bei Pind. frg. 16 Bergk 4 „der meer-erregende Erderschütterer“. [Höfer,]
Orsibakchas (Όρσιβάκχας) , Beiname desDionysos in den neuen Fragmenten des Bak-chylides; Philologus 57 (1898), 175 [= 18, 49 Bl.].Zu vergleichen ist mit diesem Epitheton desGottes das ähnliche όρσιγύναιξ (nur im Accus.δραιγνναικα vorkommend), Poet, bei Plut. Mor.607 c. 671c. [Höfer.]
Orsiboe (Όρσιβόη), die tapfere Gemahlin desindischen Königs Deriades, Konti. Dion. 30,285. 35, 88. 40, 13. 101. [Stoll.]
Orsiloche (Ορσιλόχη), 1) Beiname der Artemis in d. Taurischen Chersonesos, Ammian . Marc.22, 8, 33; vgl. Hermolaus Barbarus in C. Pliniinat. hist. libr. castig. (Basel 1534), p. 96. Früherbrachte man den Namen mit λόχος 'Hinter-halt, Schar’ in Zusammenhang, s. d. Lexikavon Pape, Passow etc. de Vit, Onomasticons. v. Crusius, Ad Plutarchi de proverb. Alexandr.libell. commentar. fase, alter 47. Dagegen hatv. Wilamowitz , Hermes 18 (1883), 260 (vgl.Holland , Heroenvögel in d. griech. Mythologie8. 34, 1) erkannt, dafs der Name die Artemisals Geburtshelferin ( Αοχία ) bezeichnet,unddafs dieser Name von Nikander bei Anton.Liberal. 27, wo Όραιλόχεια (vgl. 0. Schneider,Nikandrea p. 65 Anm. 1) steht, auf die zurUnsterblichkeit erhobene Iphigeneia übertragenworden ist; vgl. auch Anton. Liberal, p. 201Mythogr. Westermann ’ίφιγένεια είς δαίμονακαλούμενονΟρσιλόχην. Vgl. Orthia. Orthosia.— 2) Όραιλόχη ist nach Schwarte im Schol.Eur. Or. 1646 der handschriftlich Όρχιλόχηoder ’Αρχιλόχη überlieferte Name der Gattindes Parthis, der Mutter des Keteus (s. d.)und des Paros zu lesen. [Höfer.]
Orsilochos (Οραίλοχος). 1) Sohn des Flufs-gottes Alpheios, König im messenischen Pharai,Vater des Diokles (s. d.), Hom. II. 5, 545ff.Od. 3,489. 15, 187. 21,16. Paus. 4,1, 4. Strabo8, 367. Hesych. s. v. οίκος. Schol. Hom. Od. 3,489. Die Mutter des Orsilochos, deren Namebei Homer fehlt, war nach messenischer SageTelegone, die Tochter des Pharis, des Oikistenvon Pharai, Paus. 4, 30, 2. Als Kinder desOrsilochos werden aufser Diokles noch genanntDorodoche, die Gemahlin des Ikarios, Schol.Hom. Od. 15, 16, und Medusa , die Gemahlindes Königs Polybos in Korinth, Pherekydes imSchol. Soph. Oed. B. 785; vgl. d. A. Oidipus706, 17 ff. Vgl. Ortilochos. — 2) Enkel des