11 Narkissos (thespische Sage, b. Ovid etc.)
nr. 265). Anonym, epigr. bei Meier nr. 669(= Biese 1, 38 nr. 9). — Gelegentliche Er-wähnungen des N.: Lucian. dial. mort. 18, 1.ver. h. 2,19. epist. Sat. 70, 24. Pseudo-Charidem.24 ed. Dind. Plotin. de pulchr. p. 56., Clem.Alex. Paedag. 3, 258 ed. Potter. Fhilostr.ήρωνκ. 2, 197 (p. 319) u. imag. 1, 23 (p. 398, 10)ed. Kayser. Callistr. ίν.φράβ. 5 ed. Kays. Anth.Pal. 11, 76. Libanius 3 p. 364 BeisJce. Aristaenet.ep. 2, 10 p. 158 Boiss. Nonnus Dionys. 10, 215.11, 323. 15, 352. Choric. oratt. p. 137. Plinius h. n. 21, 128. Vergib Culex v. 407 f. Columellade cultu hört. v. 98 u. 297. Stat. silv. 1, 5, 55.Hieb. 7, 340 ff. Pentadius bei Meier 1 nr. 243.244. 246 (== Biese 1 p. 146 nr. 145. p.215nr.266.p. 186 nr. 219). Anonym, epigr. bei Meier 1 nr.666—668 (= Biese 1 p. 102 nr. 39. p. 142 nr.146. p. 143 nr. 147). Ausonius epigr. 95. 96.idyll. 6, 10. 12, 70 ed. Seal. —
Echt alexandrinisches Gepräge trägt die Sagebei Ovid. metam. 3, 339—510. N. ist Sohn desCephissus und der Nymphe Liriope. Tire-sias, befragt, ob dem Kinde langes Leben be-schieden sei, antwortet: wenn er sich nichtsehen würde. Als N. herangewachsen ist, sodafs er puer iuvenisque videri poterat, wird ervon vielen Jünglingen und Mädchen, auchWasser- und Bergnymphen geliebt; vergeblich,sie finden keine Gegenliebe. Da erblickt ihnEcho und entbrennt in heifser Liebe zu ihm(Strafe von seiten Iunos). Doch auch sie findetkein Gehör; sie vergeht vor Gram, zieht sichin Wälder und einsame Grotten zurück undschwindet endlich so dahin, dass vox taniumatque ossa supersunt (vgl. oben s. v. Echo Bd. 1Sp. 1214). Mancher der Verschmähten fleht zu denGöttern, den Hartherzigen zu strafen. Nemesiserhört das Gebet. Auf einer Jagd, von der Hitzeermattet, erblickt N. in einer Quelle sein Bildund verzehrt sich in vergeblich sehnenderLiebe, bis er zuletzt viridi in herba, also nichtin der Quelle, stirbt. Noch in der Unterweltschaut er im Styx sein Bild. Najaden undDryaden weihen dem toten Bruder Locken:croceum pro corpore florern \ inveniunt, foliismedium cingentibus albis. — Aus Ovid geschöpftsind die Erzählungen bei Lactant. narr. fab.3, 5 u. 6 und ad Stat. Theb. 7, 340. Mythogr.Vatic. 1, 185 u. 2, 180 (an letzter Stelle alsMutter Alciope nympha genannt); auch Auson.epigr. 97. — Hierher gehört auch der Vers beiSuidas s. v. u. Paroemiogr. Gr. 1, 371 u. 2,85 ed. Gotting.: πολλοί es μιαήαονβιν, άνααυτον φίλης' τοντό φαβι τας Ννμφας προςτον Νάρν,ιαβον είπειν άποβλίποντα εις πηγήνκαι τήν οίν,είαν πο&οΰντα μορφήν , wohl ausalexandr. Zeit stammend. — Die Verknüpfungder Sage mit Teiresias und die Einführung derEcho nur bei Ovid und den von ihm direktabhängigen Schriftstellern; wahrscheinlich ent-lehnte Ovid diese Züge einem alexandr. Dichter;der ursprünglichen Sage sind sie jedenfallsfremd. —
Auf einen alexandr. Dichter als Quelle geht,wie Höfer, Konon p. 92 richtig bemerkt, auchdie Version bei Konon c. 24 zurück. Die Er-zählung ist ganz ins Menschliche versetzt;Welcher, A. D. 4, 165 nennt sie eine „spätere
Narkissos (b. Konon, Pausan.) 12
aus der Fabel in das Geschichtliche etwas derb .umgedeutete Erzählung“. N. erweist sich gegen ,alle Liebhaber als Verächter des Eros. Allestehen von ihrem Werben ab, nur Ameinias 'nicht. Als aber N. ihm sogar ein Schwertschickt, tötet er sich vor der Thür des N.,nachdem er den Gott (d. i. Eros ) angeflehthatte, ihm ein Rächer zu werden. Nachdemsich nun N. in sein Spiegelbild verliebt hat, {entleibt er sich endlich selbst, savzov diajjpchaiäiKcua naa%siv oirj&eig e.v&’ dtv ’Aysiviove^vßQies tovs SQmtag. Die Thespier aber be-schlossen, den Eros seitdem noch mehr zuehren und ihm aufser dem gemeinsamen Dienstenoch jeder für sich zu opfern. Die Einge-borenen glauben, dafs die Narcisse zuerst aufjener Erde entstanden sei, wo das Blut des N.sich ergossen hatte. — Eigen ist bei Konondie Verknüpfung mit dem Eroskult, der lokaleCharakter und die ätiologische Zuspitzung derSage. Das Motiv für die Liebespein und denTod des Jünglings ist ihm mit Ovid gemein-sam. Treffend verweist Höfer a. a. 0: für dasecht alexandr. Motiv der Entleibung vor der 'Thür des Geliebten auf Theocrit. idyll. 23. Überden Namen Ameinias vgl. oben Stoll s. v.Welcher, A. D. 4, 166. Wieseler, Karl:, p. 95 f. iu. Anm. 64 u. 65. — In manchen Punkten er- jinnert diese Erzählung an die Sage von Koresos !und Kallirrhoe (vgl. obenfSp. 930 u. 1380f.).
Eine ganz rationalistische, „weniger be- ,kannte“ Form der Sage führt Paus. 9, 31, 6noch an. Darnach hatte N. eine ihm an Aus-sehen und Kleidung völlig ähnliche Zwillings-schwester, die er sehr liebte und mit der erauf die Jagd zu gehen pflegte. Als diese ge-storben, erblickt er im Bilde der Quelle ihrEbenbild in seiner Gestalt. Obwohl er ge-wufst, dafs er seinen eigenen Schatten sähe,sei es ihm doch eine Erleichterung seiner Liebegewesen zu wähnen, dafs er ihr Bild schaue.
— Natdlis Comes 9, 16, dem diese Stelle desPaus, bekannt war, führt diese Version aufeinen Euanthes zurück.
Ein absonderliches, einzig dastehendes Motivfür den Sturz des N. in das Wasser findet sich ,bei Pentadius (Meier 1 nr. 242 = Biese 1 , 214 ,nr. 265): er habe seinen Vater* im Flusse }gesucht, jiI mma. fc'ArV.-..| , 1' ,* !<
Soweit die Sage von ’Ühespiai. ■— DieGenealogie in derselben: Kephissos als ·Vater genannt: Hygin. fab. 271. Stat. Theb. 7, i340 ff. u. Lactant. z. d. St. ( Lactant. ad Stat.Achill . 2, 42 nennt statt Kephissos den Sper-cheios). — Pentad. ( Meier 1 nr. 242) sprichtschlechthin von einemFlufsgott. — Kephissosund Leiriope als Eltern bei Ovid a. a. 0.,Mythogr. 1,185. Lactant. narr. 3,5. Kephissos :und Leirioessa bei Eustath. u. Eudoc. a. a. 0.i — Diese Genealogieen gehören ersichtlich nichtalter Überlieferung an; sie sind speziell fürdie Thespische Version erfunden, dichterischeSpielerei einer späterenZeit und selten; Leiriopenur bei Ovid und seinen Benutzern, Leirioessanur bei Eustath. und Eudocia. Der Zweck dieserGenealogie ist sehr durchsichtig: wie die Nar-cisse besonders an Flüssen und Quellen wächst,so sind der Flufsgott und eine Quellnymphe