Band 
Dritter Band, erste Abteilung. Nabaiothes - Pasicharea.
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15-16
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15 Narkissos (Deutung)

Geruch (vagvi&v). Sie fand in verschiedenenKulten und Gebräuchen Verwendung, die viel-fach (nicht immer) Bezug auf Tod und Unter-welt haben;man pflanzte die Narcisse viel-fach auf die Gräber und verwandte sie zurBekränzung der Toten ( Murr p. 248). Kränzeaus Narcissen galten nach Artemidor. oneirocr.1, 77 für unheilbedeutend, zumal für Schiffende;anderseits wurden sie aber zu Liebeskränzenverwendet und dem Eros zur Bekränzung ge-geben,in unverkennbarer Beziehung auf dieSage von N. {Wieseler p. 127).

Bedeutung des Mythus.

Über die mannigfachen Deutungen in alterund neuer Zeit vgl. Wieseler p. 74 76; auchWelcher, A. D. 4, 174 Anm. 21. N. ist balddasSinnbild einer eitlen Sprödigkeit, balddas einer schnellen Hinfälligkeit, wie Hyakin-thos und ähnliche Personifikationen ( Preller,Gr. Myth , 4 1 p. 723). Dafs die Sage mit vielenähnlichen Mythen (Linos, Hyakinthos, Adonis u. a.) verwandt ist, ist oft erwähnt worden (vgl.besonders Roscher im Art. Adonis Bd. 1 Sp. 76).Zu beachten ist dabei, dafs uns der Mythus nur in später litterar. Fixierung vorliegt, diehöchstens in die alexandr. Zeit reicht, wosolche lokale Sagen beliebt und vielfach be-arbeitet wurden (vgl. Welcher a. a. 0. p. 166).Ob in der wesentlich abweichenden, aber lücken-haften Überlieferung bei Strcibo und Probuseine ältere Sage vorliegt, läfst sich nicht ent-scheiden; das Verhältnis zwischen N. und derBlume läfst sich daraus nicht rekonstruieren.

Dafs in der thespischen Sage Symbol undMythus sich aufs beste decken, ist klar. Zu-treffend sagt Wieseler p. 81 f.:Die schöneBlume liebt das Wasser; sie senkt bekanntlichihren Kelch nach unten. Darum steht odersitzt der schöne Jüngling N. am Bande desWassers, schaut er geneigten Hauptes in dasWasser, wo er sein Bild erblickt, wie das Ab-bild der Narcisse aus dem Wasserspiegel zu-rückstrahlt. Er schaut und schaut, indem erimmer mehr und mehr dahinschwindet, bis erzuletzt am Ufer den Geist aufgiebt oder sichin das Wasser stürzt, wie die Narcisse all-mählig verwelkend endlich am Ufer verdorrtoder absterbend in das Wasser fällt. Dies Ab-sterben der Blume macht sich besonders fühl-bar zur Zeit des Sonnenbrands. Von demJüngling N. heifst es, er sei zur Zeit derSonnenhitze an die Quelle gelangt. Dochmöchte ich Wieseler nicht weiter folgen, wenner aus der von ihm angenommenen Wesenheitder Blume den Schlufs zieht, dafs N. ein Dämonder Buhe, des Todes, der Unterwelt sei. Auchläfst sich in keiner Weise sagen, ob über-haupt und was für ein Zusammenhang zwischenN. und Narkaios (s. d.) oder Athene vocq-naiastatt hat. Die oben erwähnte Benutzung derNarcissen zur Bekränzung der Toten und zumGräberschmuck erklärt sich doch schon ausder Erinnerung an den so traurig dahingestor-benen schönen Jüngling. Ich sehe in N. mitMurr p. 247 u. a. nurdie Idee des baldigenDahinwelkens der schönen Blumenwelt, welchesich im Frühjahr besonders an den Bändern

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der Bäche in herrlicher Pracht entwickelt; nurdafs sich hier an den Grundgedanken noch ge-wisse ethische, dem Mystischen sich näherndeVorstellungen von heftigem Verlangen, Sinnes-betäubung und Hinabgezogenwerden in diefeuchte Tiefe anschliefsen (d. h. in spätererZeit). Ob der Name der Blume auf denJüngling übertragen ist ( Welcher, A. D. 4, 166;so schon Tzetzes chil. 1, 9, 247 ff. oder exeg. in \II. p. 75, 16 ed. Herrn), wie in manchen an- [deren Blumensagen, oder ob umgekehrt nachder mythischen Person die Blume benannt ist,wie Wieseler will, mag dahingestellt bleiben.Dafs die Behauptung des Paus. a. a. 0., dieBlume sei älter als N., in ihrer Begründungvonmerkwürdiger kritischer Akrisie zeuge,wird treffend von Wieseler p. 3 bemerkt; vgl. :auch Kalkmann, Pausanias p. 234. Die viel-fach gesuchten inneren Beziehungen des N. zu )Amphiaraos, Eros , den Musen und Nymphenlassen sich nicht glaublich naehweisen.

Ob der hei Artemidor. oneirocr. 1, 77 er-wähnte Aberglaube: το sv vSazi κατοπτρίξεΰ&αι, [θάνατον προαγορενει αυτά τφ ί'όόντι η τινιτων οίκειοτάτων αντω etwas mit der Narkissos - ;sage zu thun hat, ist fraglich. Man vgl.auch noch die Hirschfabel, ferner was Golumella ide re rust. 6, 35 oder Plutarch qunest. s ymp.

5, 4 erzählt, wozu auch Wieseler p. 93 Anm. 58zu vergleichen ist.

Bildliche Darstellungen. !

Litteratur: Wieseler , Die Nymphe Echo, ]Gött. 1854, p. 3354. Narkissos p. 974. Nach-richten von der K. Gesellsch. d. Wissensch, zu IGöttingen 1869 p. 351 ff. (Ganz ungenügendMüller-Welcher, Handbuch der Arch . 3 p. 693). iDie frühere Litteratur ist bei Wieseler voll- >ständig zu finden. Wieseler selbst hat unter |vielfacher Zustimmung eine gröLere Anzahlvon Darstellungen auf N. bezogen, die wir ;heute nicht als hierher gehörig anerkennenkönnen. Dahin gehört zunächst der häufigvorkommende, vielbesprochene Typus eines er-müdet dastehenden Jünglings, der aufser alsN. auch als Pan, Dionysos , Hyakinthos, Geniusder Buhe oder des Todes, zuletzt von Furt-wängler ohne genügenden Grund als Adonis ge-deutet worden ist. Eine befriedigende Erklärungist noch nicht gefunden. Vgl. über den Typus:Arch. Zt. 1862 p. 305. 1867 p. 104*. Hübner, .Die antik. Rildw. in Madrid p. 80f. Bullet.1877 p. 158. Furtwängler, Satyr von Pergamonp. 29, 2. Matz-IJuhn, Antike Bildw. in Rom 1, 273ff. nr. 969-977. Dütschhe, Ant. Bildw.

4, 650. Friederichs - Wolters p. 243 f. nr. 525.Winnefeld, Hypnos p. 30. Furtwängler, Meister - 1

werke p. 483 ff., wo man die übrige Litteratur 'findet. Ferner ist als nicht auf N. bezug- ilieh auszuscheiden der ebenfalls sehr häufige ;Typus, den Furtwängler, Meisterw. p. 459 alssich bekränzender Knabe bezeichnet und denkurz zuvor noch Helbig ( Rendic. d. Accad. deiLincei 1892 p. 790ff.sopra un tipo di Nar-cisso) für N. in Anspruch genommen hatte.Die Wiederholungen, Modifikationen und dieLitteratur siehe bei Furtwängler a. a. 0. p.453ff., dessen früher bereits von anderen aus-

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