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chaldäisch-babylonisehen Könige.*) Jedenfallswar der Borsippatempel kleiner als Esagila inBabylon . Von altersher war er berühmt durchden sieben Etagen hohen Turm ( zikkuratu ), vondem Nebukadnezar II. sagt, er habe ihn ge-baut, wie er vor alters war, und seine Zinnenerhöht, und sein Name sei gewesen „Tempelder 7 Abteilungen Himmels und der Erde“. Alseine feierliche, dem Gotte wohlgefällige Cere-monie galt die Besteigung des Turmes. DieArchitektur des Turmes kann als Prototyp desGen. XI geschilderten Turmbaues gelten**).Der Tempelturm stand in der Mitte des grofsenTempelkomplexes, der ja nicht nur gottes-dienstliche Gebäude, sondern auch Waren- undGetreidemagazine, Tempelfabriken umfafste.Aufser dem Hauptheiligtnm mit dem Aller-heiligsten („erhabenes Lebensbaus") befandensich innerhalb derMauern an den Thorendie Kapellen der „be-freundeten“ und ver-wandten Götter, dar-unter eine Kapelle fürdie Göttergemahlin undeine solche für Mar-duk, den Vatergott. DieRuinen des Neboturmessind aufgefunden undunter der Leitung K.
Bawlinson's , der auchdie Bauurkunde Nebu-kadnezars in vierfacherAbschrift (die sog. Bor-sippa- Inschrift, s. KBIII, 2, 52) in den Trüm-mern fand, genau unter-sucht worden (Berichtvom 13. Jan. 1855 ab-gedruckt im Journal ofthe Royal Asiat. Soc.vol. 18, 1—34, wo sichauch die genaue Be-schreibung der Bor-sippa - Ausgrabungenfindet). Noch heuteragen die Trümmer ca.
48 m hoch über dieEbene empor; nachRawlinson 'eMesBwagenwar jede der Stufen ziemlich 8 m hoch, dieBreite der untersten Stufe betrug 82 m. Eine
*) C. P. Tiele hat in einer Vorlesung der Kgl. Akad.der Wissensch. zu Amsterdam vom Jahre 1887 (auszugs-weise deutsch mitgeteilt in ZA 2, 179ff.) alles Wissens-werte därgestellt. Vgl. auch Art. Babylon in Pauly-WissowaRealencykl. 2, 2267 ff. (A. Baumstark ) und Mo Gee, Zur Topo-graphie Babylons in BA 3, 524ff. (im Druck).
**) An den „himmelhochragenden Turm“ erinnertTiglatpileser ’a (7, 102) Hyperbel, der die Türme des Tempelsbis zum Himmel bauen will. Rudolph von Ihering , dergrofse Jurist, hat in seinem bedeutsamen nachgelassenenWerke „Vorgeschichte der Indoeuropäer“ in den Turm-bauten der Babylonier mit Recht den Ausdruck eines„Ehre sei Gott in der Höhe“ erkannt (S. 161). Aber seinUrteil, in den Etagentürmen habe man die Berge derUrheimat nachgebildet, um den Göttern die gewohntenOrte der Anbetung in der Niederung zu ersetzen (dieTempel stellten kahle, die hängenden Gärten bewaldeteBerge dar), beruht auf unkontrollierbarer Voraussetzung.
Ansicht der Ruinenstätte bieten wir Abb. 3,vgl. Smith, Chald. Gen. 125f. u. Kommet, Gesch.Bab.u.Ass. S. 116 f. u. Ausland 1891, 385 (gegenJemen , Kosmol. 143). Die von II. Raiolinson inden Ruinen wiedererkannten Planetenfarben dersieben Stufen sind folgende von oben nach unten:silbern (Mond), dunkelblau (Merkur ), weifsgelb(Venus), golden (Sonne ), rosenrot (Mars),braunrot (Iuppiter), schwarz (Saturn). Auf demio Gipfel des Stufentempels hat sich nach Herodoteine Götterkammer befunden. Ob auch Königs-gräber im Innern angelegt wurden, wie in denPyramiden der Ägypter, bleibe dahingestellt;nachweisbar ist nur, dafs die Tempel Königs-gräber ( gigunü ) bargen, wie aus den Gudea -Inschriften hervorgeht (die betr. Stellen sindbei Jensen KB 3, 1 S. 33 und 51 unerklärtgeblieben).
Zusatz. Die vermeintliche keilschriftliche„Legend of the Tower of Babel“ existiert nicht.Es ist an der Zeit, der englischen Fabel einEnde zu machen. Der betr. Text (FragmentK 3657, Bezold, Catalogue 2,552), den G. Smith,Chald. Gen. 122 ff. als Urkunde vom Thurm-bau auffafste (so auch noch Sayce in den neuenAusgaben der Hibbert Lectures), berichtet ineigenartiger poetischer Form einen historischen60 Vorgang aus einer Zeit tiefen Verfalles derStadt Babylon: „die Bevölkerung Babyloniens war an Frobndienste gespannt“, heifst es zwei-mal. Von dem Helden der Erzählung wirdgesagt: „Über ihr Geschrei war er den ganzenTag bekümmert, wegen ihrer Wehklage auf
Vielmehr entspricht der Turmbau dem religiösen Ge-danken, dafs die Götter, sofern sie sich nicht unter denMenschen aufhalten, „oben“ wohnen (s. Sp. 50).
3) Die Trümmer des Tempelturmes vom Nebotempel in Borsippa (Birs Nimrud ) inihrer heutigen Gestalt. Photographie aus Riehm, Handwörterbuch des BiblischenAltertums (Bielefeld und Leipzig, Velhagen und Klasing).
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