Band 
Dritter Band, erste Abteilung. Nabaiothes - Pasicharea.
Seite
371-372
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Ninos

und 10 Stadien breit ( Diod. e. 7). Die von demIambographen Phoinix {Athen . 12, 530 e) wie-dergegebene Grabschrift pafst besser für denweichlichen Ninyas, als für den KriegsheldenNinos; denn derselbe Phoinix hob an andrerStelle die kriegerisch einfache Lebensweisedes Ninos hervor ( Ath. 10, 421 d). Ovid {Met .4, 88) verlegt die busta Nini nach Babylon .An den Königspalästen der von ihr erbautenStadt Babylon lieis Semiramis sich und ihrenGatten zweimal darstellen, auf der Jagd undzusammen mit dem Gotte Bel {JDiod. c. 8). DieRegierungszeit des Ninos wurde von Kastorauf 52 Jahre berechnet {Kephalion a. a. 0.);ihr Anfang fiel nach Ktesias in das Jahr 2189v. Chr., nach Eusebios {Chron. 1,56.2,11 Schöne)2057, vgl. Duncker a. a. 0. 22.

Eine spätere Umbildung der Ninossagefinden wir bei Diodor , der nach einem Schrift-steller Athenaios und anderen berichtet, Semi-ramis sei eine Hetäre gewesen, die, von Ninoszu seiner Gattin erhoben, ihn bewog, ihr auffünf Tage (einen Tag bei Plutarch ) die Herr-schaft zu überlassen, und diese dazu benutzte,ihn durch seine Leibwächter einkerkern undtöten zu lassen {JDiod. 2, 20. Deinen b. Ael.V. II. 7, 1. F. II. G. 2, 89. Plut. amator. 9).Keine Beachtung verdient die Angabe desKephalion (vgl. über ihn Wachsmuth a. a. 0.150), Ninos sei nicht in Ninive gestorben,sondern habe, nachdem er die Unkeuschheitseiner Gattin durchschaut, sein Reich ver-lassen und sei nach Kreta geflüchtet (beiMoses v. Chorene 1, 15. F. H. G. 3. 627). End-lich istNinos zum Helden eines wahrscheinlichim 1. Jahrhundert v. Chr. entstandenen Romansgeworden, dessen Fragmente aus einem BerlinerPapyrus Wilcken {Hermes 27, 161 ff., vgl. Levi,Kivista di filologia. N. S. 1, 122) trefflichherausgegeben hat. Er erscheint als siebzehn-jähriger tugendhafter Königssohn. Im Mittel-punkt steht die Liebe zu seiner jugendlichenBase, in der Wilcken wegen des Namens ihrerMutter Derkeia (Derketo) Semiramis richtigerkannt hat, obwohl auch von deren mythischemCharakter nichts übrig geblieben ist. Das eineFragment giebt eine ausführliche Schilderungdes bei Diodor nur kurz erwähnten Kriegsgegen Armenien.

Ninos, den man mit dem biblischen Nimrudzusammengestellt hat, ist eine rein mythischeGestalt, von der die Geschichte nichts weifs.Der Stadtheros von Ninive wird mit der GöttinSemiramis zu einem Königspaar verbunden,und in ihre Thaten drängt die Sage die Ent-stehung und den in Jahrhunderten allmählicherfolgten Ausbau des assyrischen Weltreichsnach bekannter Methode zusammen, so dafsfür ihre Nachfolger nichts mehr zu thun übrigbleibt. Als Quelle des Ktesias , auf den dieuns erhaltenen Berichte zurückgehen, nahmDuncker (a. a. 0. 2, 17ff, 4, 16) ein medoper-sisches Epos an, dessen älteste Ausbildung erin die erste Häifte des 6. Jahrhunderts setzt,Spiegel {Aasl. 677 u. 701 ff. Ztschr. d. deutsch ,morgenl. Gesellsch. 45, 202. Krumbholz, lihein.Mus. 52, 282 ff.) dagegen mündlich überlieferteSagen. Weiteres s. u. Semiramis. [Wagner.]

Niobe u. Niobiden (b. Homer) 372

Niobe {Nioßri) und die Niobiden. Die älteste,episodische, Erwähnung des Niobemythus findetsich im 24. Gesang der Ilias (v. 599620).Achilleus hat die Leiche des Hektor auf denWagen gehoben und verkündigt, in seinZelt zurückkehrend, dem Priamos die voll-zogene Lösung seines Sohnes. Tröstend redeter darauf dem bekümmerten Greise zu:Nunlasse uns aber an das Mahl denken, denn selbstio die schönhaarige Niobe dachte an das Essen,sie, der doch zwölf Kinder im Hause gestorbenwaren, sechs Töchter und sechs jugendkräftigeSöhne. Diese hatte Apollon mit dem silbernenBogen getötet, jene Artemis , die pfeilfrohe,weil nämlich Niobe sich der schönwangigenLeto verglich. Nur zwei, behauptete sie, habeLeto geboren, sie selbst dagegen viele. Ob-gleich nun jene nur zwei waren, so ver-nichteten sie doch alle. Neun Tage lagen20 diese in ihrem Blut und niemand war da, siezu bestatten; zu Steinen hatte der Kronossohndie Leute gemacht. Am zehnten Tage aberbestatteten sie die himmlischen Götter. Niobeaber dachte dann an das Essen, als sie müdewar des Thränenvergiefsens. [Jetzt aber inden Felsen, im einsamen Gebirge, auf demSipylos, wo, wie man sagt, die Lagerstättender Göttinnen sind, der Nymphen, die amAcheloos tanzten, dort, zu Stein geworden,30 zehrt sie an dem Kummer, dem von denGöttern verursachten.] Nun, wohlan, trefflicherGreis, wollen auch wir uns um das Essen be-kümmern. Nachher mögest du wieder deinengeliebten Sohn beweinen, wenn du ihn nachIlios gebracht haben wirst;. ein vielbeweintersoll er dir sein. Die eingeklammerten Verse(614 617) sind den Scholien zufolge vonAristophanes v. Byzanz, dann von Aristarchos mit Athetese belegt worden, wegen ihres un-40 gehörigen Eintretens in den Zusammenhang,wegen des dreifach wiederholten sv, endlichwegen des hesiodische Ausdrucksweise ver-ratenden Wortes SQQioeavto. Die Athetese istauch von den meisten Neueren angenommenworden. Für die Echtheit der vier Verse istmit Entschiedenheit nur Peppmüller {Kommentard. 24. Buches d. Ilias S. 286. 291294; vgl. nochDüntzer, Homer. Abh. S. 370 ff.) eingetreten,ja er hat gerade diese Verse als Hauptstütze50 seiner Hypothese von der smyrnäischen Her-kunft des 24. Gesanges benutzt. Die Ver-gleichung des Priamos, welcher aufgefordertwird, seinen Kummer nur auf kurze Zeit gaunterbrechen, da er doch ohnehin nachher nieaufhören werde, seinen Sohn zu beweinen, mitder Niobe , die auch ihren Kummer für einenAugenblick unterbrach und nachher in derVersteinerung fortfuhr, unaufhörlich an ihremSchmerze zu zehren, dieser Vergleich scheint60 in der That nichts zu enthalten, was unpassendund entbehrlich wäre. Auf einen begrifflichenZusammenhang der athetierten mit den fürecht erklärten Versen deutet der gemeinsameZug der Versteinerung hin, hier des Volkesder Niobe , dort dieser selbst. Sollte demnachdas verwerfende Urteil der alexandrinischenKritiker dennoch richtig und die Schilderungdes Endschicksals der Niobe das Einschiebsel