Band 
Dritter Band, erste Abteilung. Nabaiothes - Pasicharea.
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373-374
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373 Niobe u. Niobiden (b. Hesiod etc.)

eines Rhapsoden sein, so wäre diese Inter-polation doch für uns verhältnismäfsig sehralten Ursprungs, ja wir hätten, wie Stark (Niobe

u. d. Niobiden S. 27) hervorhebt, hier ein altesEinschiebsel eines die Lokalität von Smyrna und dem Sipylos hervorziehenden Rhapsoden.Übrigens ist hervorzuheben, dafs v. 615 ivFi7tvl.ro , o&i tpaol ftsdcov ffijisvat svvag vvtx-(puiav eine Art von Erläuterung aus nach-homerischem Sagenstoff findet durch Quintus

v. Smyrna , Posthorn, v. 291 ff., wo es von derNymphe Neaira heilst: fuxOsia iv Isxisaaivvnui FimiXcp vtcposvxt rj%i ffioi. Nioßpv lüavtteeuv. Die altertümliche Fassung des in derIlias erwähnten Mythus verrät sich in einigeneigentümlichen Zügen, welche in den uns er-haltenen jüngeren Erzählungen nicht mehrwiederkehren, wie die Bestattung der Niobidenam zehnten Tage durch die Götter und dieVersteinerung des Volkes. Über den Ort derHaupthandlung enthalten jene Verse der Ilias ebenso wenig eine Andeutung, wie die Frag-mente der andern älteren Epiker und lyrischenDichter. Auch findet sich in ihnen noch keinbestimmter Hinweis auf die genealogische Ver-bindung der Niobe mit den in der späteren Lit-teratur zu ihr in nächster Beziehung stehendenmythischen Personen. Bei Homer begegnenuns Tantalos, Pelops, Chloris, Amphion undZethos, ohne dafs ihr verwandtschaftlichesVerhältnis zur Niobe zur Sprache kommt.

Von der Erzählung des Hesiodos ist nurdie Notiz erhalten, dafs er die Zahl der Söhneund Töchter der Niobe auf je zehn angab (Apol-lodor, Bibi. 3, 5, 6). Nach Ailianos ( v. h. 12, 36)freilich hätte Hesiodos nur von neunzehnKindern geredet. Dieser Widerspruch löstsich nach Starlcs (Niobe u. d. Niobiden S. 30)Vermutung dadurch, dafs der Dichter vonneunzehn getöteten Kindern gesprochen hat,ein zwanzigstes (Chloris?), dessen Rettung ihmbereits bekannt war, ausschliefsend. NachMarkscheffel (lies. fr. 41) wäre die eine An-gabe im Kaxdloyog vorgekommen, die anderein denHoicu. Auf die Zahl der Niobidenbeziehen sich weitaus die meisten auch deranderen Dichterfragmente. Nach dem Venet.Schol. II. 24, 604 hatten die vsmxsgoi teilszwanzig, teils vierzehn Niobiden angegeben. Dieerstere, die hesiodische, Zahl wird angeführt ausMinmermos (bei Ael. v.h. 12, 36), Pindar (Ael.a. a. 0. Gell. N. A. 20,7) u. Bakchylides (Gett. ebd.).Die andere Zahl, zweimal sieben, kam vor beimHermioneer Lasos (Ael. a. a. 0.), welcher umdas Jahr 500 in Athen lebte, und wurde dieherrschende bei den attischen Dichtern Aischylos ,Sophokles, Euripides u. Aristophanes (s. d. Stellenin Trag. G. Fr. rec. Nauck p. 50. 228. 500). Ab-weichende Zahlen begegneten bei Sappho (Gell. 20, 7) und Alkman (Ael. a. a. 0.), welchevon achtzehn und zehn Niobiden gedichtethatten. Es ist auffallend, dafs die aufgeführtenZahlen, einerseits 18, andererseits 14 und 10,immer um zwei von den beiden Grundzahlen,Hesiods zwanzig und Homers zwölf, differieren.Vielleicht spielt hier die Tradition herein, dafszwei Kinder der Niobe vom Untergange ver-schont blieben. Diese Tradition ist für uns

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zuerst bezeugt durch ein Fragment der um01. 67, 3 = 510 blühenden Dichterin Telesilla (bei Apollodor Bibi. 3, 5, 6). Die Gerettetenhiefsen bei ihr Amyklas und Meliboia, beiandern (Apollod. a. a. 0.) Amphion und Chloris.Diese zwei wurden vielleicht ursprünglich ent-weder von der Gesamtzahl 20 oder 12 abge-zogen, sodafs 18 oder 10 den Tod gefundenhätten, oder zu den zwölf von Homer als ge-tötet bezeichneten hinzugerechnet. Völligentfernt von jener epischen Tradition haltensich Hellanikos (fr. 54 Müll, im Schol. Eur.Phoen. 162), der vier Söhne und drei Töchterannahm, der Aristoteliker Herodoros v. Hera-kleia (bei Apollod. 3, 5, 6), bei welchem dieZahl auf zwei Söhne und drei Töchter herab-gesetzt war (G. Müller, F. H. G. 2, 30 stelltauch bei ihm die Zahlen §' und y' her), unddie bei Gellius 20, 7 erwähnten quidam aliiauctores, die im ganzen nuv drei Kinder (viel-leicht war die argivische Niobe gemeint,) an-erkannten. Anderweitigen Inhalts sind nurzwei Fragmente der älteren Lyrik. Aus einemGedichte der Sappho , wohl demselben, inwelchem von den zehn Niobiden die Rede war,ist der merkwürdige Vers erhalten (fr. 31 beiAthen . 13, 571D): Ααχώ κοΰ Νιάβα μάλα μενφίΐαι ηααν εταιραι (Freundinnen), und Pindar (fr. 64 13 bei Plut. de mus. 15) hatte in einemPaian gesungen, dafs bei der Hochzeitder NiobeAnthippos zuerst die lydische Harmonie selehrthätte, was zu beweisen scheint, dafs dem DichterNiobe bereits als Tochter des lydischen Tantalosbekannt war (vgl. Ol. 1, 36 Ανδον Πέλοπος).

Der Niobemythus diente als Stoff der Tra-gödie. Aus den wenigen Bruchstücken der Niobe des Aischylos erhellt, dafs hier Vaterder Heldin Tantalos , der Lyderkönig, war(fr. 158), Amphion ihr Gemahl (fr. 160). DerPalast des Amphion wird von Zeus durchFeuer zerstört (ebds.), was wohl durch einenBoten gemeldet wurde. Niobe, ihrer vierzehnKinder beraubt, verbrachte einen grofsen Teildes Stückes schweigend, verhüllt, in tiefenSchmerz versunken, am Grabe sitzend (Trag.G. F. rec. Nauck 2 p. 50). Der Sipylos warerwähnt (fr. 163), die Handlung spielte wohlan diesem Berge (Stark a. a. 0. S. 37), jeden-falls in Lydien , weil Tantalos redend auftrat,zuerst seiner eigenen Macht sich rühmend(fr. 158), dann sein furchtbares Geschick, wohldie Zerstörung seines Herrschersitzes durchein Erdbeben*), beklagend (fr. 159). Wohinder Dichter die Vorhandlung, die Tötung derKinder, verlegt hatte, ist aus den Fragmentennicht ersichtlich, obgleich wohl Theben alsKönigsstadt des Amphion vorauszusetzen ist.Vielleicht gehörte Aischylos zu den Dichtern,welche auch die Tötung und Bestattung derNiobiden, wie die Verwandlung der Niobe ,nach Lydien verlegten (vgl. Schol. Townl. fl 602η δε ανμφορά ανχής, ώς μέν τινες iv Ανδία,d>g δε ενιοι, iv Θ /jßcag.**) Sophokles hatte, wie

*) Vgl. die verdorbene Glosse Phot. Lex. 301, 15voßay.y.iteiv σεισμός Νιόβη, wo Ruhnken und Naber ver-bessern Αισχύλος Νιόβη ( Nauck p. 50).

**) Stark (a. a. O. 39) vermutete, dafs das aischyleischeStück nach, dem Tode der Kinder in Lydien spielte,

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