381 Niobe u. Niobiden (b. Euphorion ete.)
Die Niobesage wurde eine der beliebtestenund bekanntesten dichterischen Stoffe, so dafsΝιόβης πά&η für grofse Leiden als sprich-wörtliche Redensart in den Volksmund über-gingen ( Apostol. cent. 12, 11 bei Paroem. gr.ed. Leutsch 2 p. 544). Abgesehen von fast un-zähligen gelegentlichen Anspielungen auf dieSage, die in der ganzen antiken dichterischenLitteratur zerstreut sind (vgl. d. Stellensamm-lung bei Stark S. 56 ff.), erfahren wir von einer ioReihe dichterischer Bearbeitungen. Timotheosvon Milet (460—357 v. Chr.) dichtete ein Melo-drama Niobe , aus welchem ein parodistischesZitat des Komikers Machon bei Athen . 8 p. 341 csich erhalten hat: Charon rief aus: ,.noch fafstder Nachen, es ruft die nächtliche Moira, aufdie man hören mufs!“ Als Antwort daraufsind, nach Nauck ( F. T. G. p. 51), die berühm-ten Worte το εκ τής Νιόβης ( Diog. La. 7,26, 28)zu betrachten: έρχομαι, τί μ’ ανεις, ich komme, 20was rufst du mich, die Worte, welche derStoiker Zenon vor seinem Selbstmord aus-spracb, und die G. Hermann der Schlufssceneder aischyleischen 'Niobe ’ zugewiesen hatte.Unter den Dichtern der alexandrinischen Zeithatte Euphorion, vielleicht in den Χιλιάδες,die Sage zusammenhängend behandelt, worausdie Erzählung des Didymos im Schol. II. 24, 602geflossen ist. Darnach ist Niobe Tochter desTantalos , Gemahlin des Amphion, Mutter von 30zwölf Kindern, sie ist stolz auf Menge und Schön-heit der Kinder und schmäht Leto wegen desBesitzes von nur zweien. Die Göttin zürnt undApollon tötet die Söhne bei der Jagd auf demKithairon, Artemis die Töchter im Hause. Dieüber ein solches Unglück weinende Niobewandelt Zeus aus Mitleid in Stein, der nochjetzt am Sipylos in Phrygien , Quellen vonThränen strömen lassend, von allen gesehenwird. In der Zahl der Niobiden schlofs sich 40also Euphorion an Homer an, liefs aber denTod aller zwölf nicht, wie Homer , hl μεγάροιαιerfolgen, sondern an getrennten Orten, zumTeil zu Hause, zum Teil auf dem Kithairon.Dafs Nikandros v. Kolophon in seinen Ετεροιον-μενα, welche eine so wichtige Quelle für dierömischen Dichter waren, oder in seinenΘηβαικά die Niobesage erzählt hatte, ist mitSicherheit nicht nachzuweisen, wenn auch sehrwahrscheinlich. 50
Aus alexandrinischer Quelle ist die aus-führliche dichterische. Erzählung in Ovids Meta-morphosen (6, 146—312) geflossen, welche, ab-gesehen von ihren poetischen Vorzügen, füruns als die einzige erhaltene dichterische Ge-samtdarstellung von grofsem Werte ist. AlsJungfrau bewohnte Niobe Maeonien und Sipylus,ist die Tochter des Tantalos und einer Schwesterder Pleiaden (der Hyade Dione)*), ihre Grofs-
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*) Vgl. Hyg. fab. 9 Niobam, Tantali et Dionis fdiamDagegen. Tzetz. Chil. 4, 416 Νιόβη 7talz Ταντάλου μενy.a't της Εύ^νανάσσης. Euryanassa, die Tochter desFlusses Paktolos, wird als Tantalosgemahlin genannt auchSchol. Plnd. Ol. 1,72. Schol. Eur. Or. 4.1t; Eurythemiste,Tochter des Xanthos, Schol. Eur. Or. 11; Klytia , T. desAmphidamas, Pherek.fr. 93 bei Schol. Eur. Or. 11; Sterope,
T. des Atlas, Mythogr. Fat. 1, 204; Peniope, LactantiusPlac. ad Stat. Theb. 4, 576 Niobe Tantali filia et Peniopes;
Niobe u. Niobiden (b. Ovid) 382
väter sind Zeus und Atlas. Vermählt ist siemit Amphion, dem König von Theben. Allesdieses gab Ursache zum Stolz, doch auf nichtswar sie so stolz, wie auf ihre Kinder, siebenSöhne und sieben Töchter, und sie wäre dieglücklichste aller Mütter geblieben, wenn siesich dessen nicht überhoben hätte. Einst gingManto, die Tochter des Teiresias , von gött-lichem Geist ergriffen, durch die StrafsenThebens und forderte die Thebanerinnen imNamen Letos auf, ihr selbst und ihren gött-lichen Kindern unter Gebeten Weihrauch zuspenden und das Haar mit Lorbeer zu um-winden. Alle gehorchen dem Gebot, da kommtNiobe daher, von zahlreichem Gefolge um-geben, in vollem Schmuck der Herrscherin.Hochaufgerichtet, die schönen auf die Schulterherabhängenden Locken schüttelnd, ruft sieunwillig: „Welcher Wahnsinn ist es, Himm-lische, von denen man nur gehört, den sicht-baren vorznziehen? Warum wird Latona ver-ehrt, während meine göttliche Natur nochkeinen Weihrauch erhalten hat?“ Hieraufberuft sie sich auf die göttlichen Ansprüche,welche ihr die Abstammung giebt, auf ihreHerrschermacht, auf die ungeheueren Schätzeihres Hauses, endlich auf ihren Kinderreichtum.Dazu stellt sie in vollen Gegensatz die Ab-stammung der Leto von dem unbekanntenTitanen Coeus, die Besitz- und Heimatlosig-keit der verbannten Göttin, der auf Himmel,auf der Erde und auf dem Wasser nur einekleine unstäte Insel eine Zuflucht gewährthabe, endlich die geringe Anzahl ihrer Kinder.Auf Grund dieser Vorzüge nennt sich Niobe glücklich und über jedes Unglück erhaben.Mögen ihr auch Kinder ^geraubt werden, bisauf die Zahl Zwei werde sie nie herabgebrachtwerden, die Zahl der fast kinderlos zunennenden Latona. „Geht“, schliefst sie dieRede, „für eine so geringe Zahl von Kindernist genug geopfert, legt den Lorbeer ab ausden Haaren.“ Die Thebanerinnen wagen esnicht, ihr ungehorsam zu sein. Latona, ent-rüstet, wendet sich auf dem Gipfel des Cynthusan ihre beiden Kinder. Sie, die stolz sei, solcheKinder geboren zu haben, die keiner Göttinaufser Juno nachstehe, solle in Zweifel ziehenlassen, ob sie eine Göttin sei? Wenn dieKinder ihr jetzt nicht hülfen, so sei Gefahr,dafs sie auf immer göttlicher Verehrung ver-lustig gehen werde. Die Tantalostochter hätte zuihrer gottlosen That noch freche Schmähungenhinzugefügt, ihre Kinder den beiden der Latonavorgezogen und diese kinderlos genannt. Apollon und Artemis schneiden alle weiteren Bittender Mutter ab, indem sie sofort zur Thatschreiten. In schnellem Fluge lassen sie sich,von Wolken umhüllt, auf der kadmeischenBurg nieder. Die Strafe vollzieht sich zunächstan den Söhnen der Niobe , die auf einem ebenenFeld vor der Stadt sich gerade im Reiten undRingen üben. Ismenus und Sipylus, die beiden
endlich Pluto, T. des Kronos, Schol. Pind. 01. 3,41. ImSchol. Ven. B II. 24, 602 tijv 1Vtoßtjv ol f.ihv TTeXortog, olde Zyj&ov, ol de lAXa).y.of.ievt<jo yvvaly.a (paoiv ist, wennder Text nicht verdorben ist (so Thrämer S. 12), Niobe als Gemahlin des Tantalos angegeben.