Band 
Dritter Band, erste Abteilung. Nabaiothes - Pasicharea.
Seite
457-458
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Nortia

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tolinischen Iuppiter geschah (Cinc. Alim. b.Liv. 7, 3, vgl. Fest. p. 56, 10. Mulier, Etr. 2 2 ,307 ff.). Das Einschlagen der Balkennägel be-deutet den festen, unwiderruflichen Beschlufsdes Schicksals, wie auch bei Horaz ( Garm. 1,35, 17 ff.) die clavi trabales zu den Attributender Necessitas gehören, die der Fortuna voran-schreitet (sprichwörtlich gebraucht für allesunerschütterlich Feststehende Cie. Verr. 5,21,53.Fetron.il. Plaut.Asin.l, 3,4, Preller, li.M. 232).So schlägt auch auf einem etruskischen Spiegeleine geflügelte Jungfrau Atropos (d. i. Nortia)einen Nagel ein, um das unabwendbare Ge-schick des Meleager zu bezeichnen (Gerhard,Etr. Spieg. 3, 168 fl. Taf. 176. Müller a. a. 0.).Bergk deutete sogar den Namen Nortia alsNevortia = Atropos. Dafs sie eine Schick-salsgöttin war, geht auch hervor aus luv. 10, 74si Nortia Tusco favisset, mit Schol.: Fortunamvult intellegi poeta , und aus Martian. Cap. 1 , 88:quam alii Sortem asserunt Nemesimque nonnulli Tychenque quam plures aut Nortiam.Dadurch wird wahrscheinlich, dafs auch sonst,wo vom Kultus der etruskischen Fortuna dieBede ist, z. B. in Ferentinum und in Arna beiPerusia , Nortia darunter zu verstehen ist(Müller a. a. 0.53). DeecTce (Etrusk. F'orsch. 4,42)suchte eine Verwandtschaft zwischen Minerva und Nortia nachzuweisen. Davon ausgehendglaubte Pauli (Deecke-Pauli, Etrusk . F'orsch.u. Stud. 3,146 f.) zu einer Erklärung des NamensNortia zu gelangen. Der Minerva entsprichtauf dem Placentiner Templum nach PaulisLesung eine Göttin tecvm = tecuma, d. i. De-cima, die auch anderwärts als Göttin erwähntwird. Dieser würde dann Nortia entsprechen,wenn ihr Name von dem durch Pauli er-schlossenen Zahlwort nurff abzuleiten ist.

[Wagner.]

f Nortia , latinisierte Form des Namens einerjs besonders in Volsinii und Ferentinum verehrtenetruskischen Schicksalsgöttin, von den Römernder Fortuna, Salus, Nemesis gleichgesetzt,mehrfach in Inschriften auf Altären, Votiv-steinen u. s. w. genannt, auch alsMagnaDea bezeichnet (Peines. 1,131). In ihrem Tem-pel zu Volsinii wurden Nägel zur Zählungder Jahre in die Wand geschlagen, wie inRom im Tempel des Iupiter Capitolinus (Liv.7, 3, 7: Fest, clavus annalis). Vgl. Fahr.Gloss. li. col. 1249; 0. Müller, Etr. 2 2 , 52ff;jDeecke, Etr. Forsch. 4, 42; Etr. Stud. 5,146.Ein Beiname Nortinus bei Noel d. Verg. lEtr.3, nr. 66. Ob das etruskische Wort nur&ziauf einer Sarkophaginschrift Fahr. C. I. I.2339, sowie . . .r&z (mit unsicherm r) Gamurr.App. 740, den Namen der Göttin enthalten(s. Lattes, Iscr. etr. d. Mummia, Giunte 23),ist mir sehr zweifelhaft; ebenso ob der Bei-name nurziu (Fahr. C. I. I. 724. 1731) hier- ihergehört. Auch die sabinische Neverita möchteich gegen Lattes (l. I. § 56, Gi. 23) fernhalten.

[Deecke],

[ NoSOS , Nosoi (Nooos, Noeoi ; hinsichtlich

I der Etymologie vgl. Curtius, Grdz. d. gr.EtyrnA S. 162, nach dem vooog eigentlich einverderbliches, d. h. schweres, Leiden be-deutet). Wir betrachten zunächst die in grie-

Nosoi (myth. Krankheiten) 458

chischen Sagen vorkommenden Krankheiten (I),sodann die Götter und Dämonen, die als Ur-heber von Krankheiten auftreten (II), endlichdie Personifikationen von Krankheiten im All-gemeinen und Besonderen wie Νόσος (Morbus ),Αοιμός, Εφιάλτης etc. (III).

I. Mythische Krankheiten (vgl. Eoscher,Oie Hundekrankheit (κνων) der Pandareostöchteru. andere myth. Krankheiten im Ehein. Mus.i 1898 S. 169 ff.).

1) Die Krankheit der Proitiden. IhreSymptome waren nach Hesiod. fr. 41 und 42Götti, μαχλοαννη στυγερή (vgl. Apollod. 2, 2, 2άκοαμία·, Ael. v. hist. 3, 42 μάχλοι), κνύος αί-νον ( juckender Grind), άλφός (= Linsen-maal), αλωπεκία (= Haarschwund), endlichvorübergehender Irrsinn (μανία Polyanthos v.Kyrene b. Sext. Empir. p. 658, 10 Bekk. Apollod.a. a. 0.; Ael. v. h. 3, 42; Galen. 5 p. 132 K.)

i und Veränderung der Stimme; sie bildetensich nämlich ein, in Kühe verwandelt zu sein;und irrten, wie solche fürchterlich brüllendund nackt (γυμναί Ael. a. a. 0.)*), in der Pelo-ponnes umher (Bakchyl. 11, 56 αμερδαλέαν φω-νάν f είσαι ; Verg. ecl. 6, 48 implerunt falsismugitihus agros. Sero. z. d. St. illa [Iuno ]irata hunc furorem earum immisit mentibus,ut putantes se vaccas in saltus abirent et ple-rumque mugirent et timerent aratra-, vgl. auchBohrens, Poet. lat. min. 5 p. 108 v. 9). Allegenannten Merkmale machen es in hohemGrade wahrscheinlich, dafs es sich in diesemFalle um den oft mit Delirien verbundenensogenannten weifsen Aussatz (λεύκη), derfür heilbar gilt, handelt (vgl. Böttiger inSprengels Beiträgen z. Geschichte d. Medicin2 S. 37 und Sprengel ebd. S. 45; Eoscher,Kynanthropie S. 13 ff. und Anm. 37), womitauch die Thatsache trefflich übereinstimmt,dafs die rasenden Mädchen von Melampus(s. d.) oder Asklepios (Polyanthos v. Kyr.a. a. 0. und beim Schol. z. Eur. AUc. 1 [IIo-λυαρχορ!]) mittelst der Niefswurz (= Προί-τιον, Μελαμπάδιον) geheilt sein sollten,welches φάρμακου man insbesondere gegenμανία sowie gegen άλφοι και λειχήνες (= κνύος)και λέπραν anzuwenden pflegte (Dioskor. m. m.1, 149). Als Urheberin der Krankheit galt (wohlnach der ältesten argivischen Lokalsage) Hera (Akusilaos v. Argos b. Apollod., Bakchyl., Polyan-thos, Serv. a. a. 0.), in deren argivischem Kultgerade weifse Kühe eine bedeutsame Rollespielten (s. Bd. 1 Sp. 2076, 59 ff.; 2 Sp. 264,39 ff.), woraus sich die fixe Idee der mit derλεύκη behafteten Proitiden, in (weifse) Küheverwandelt zu sein, leicht erklären läfst. Nachanderen (späteren) Versionen sollte Dionysos (wegen der μανία: Hesiod . b. Apollod. a. a. 0.)oder endlich (wohl irrtümlich wegen der μαχ-λοσύνη und der γνμνότης) Aphrodite (Ael.a. a. 0.) die Krankheit der Proitiden ver-anlafst haben. Vgl. auch Io.

2) Die mit schweren Delirien verbundeneKrankeit des rasenden Herakles wurde vonden Alten gewöhnlich als ιερά νόσος oder έπι-

*) Nacktheit und völliger Verlust des Gefühles fürKeuschheit und Anstand ist bekanntlich oft ein Zeichendes Wahnsinns oder des Deliriums.