469 Nostia
Nostia (?). Nach Kretschmer, Einleitung i. d.Geschichte der griechischen Sprache p. 419 istdas arkadische Dorf Νοστία oder Νεατάνη,Νεατανία „nach einem Beinamen der KoraΝοστία oder Νεατάνη (von νεσ- zurückkehren)“benannt. [Drexler.]
Nostos (Νόστος), auch Eunostos (s. d.), einDämon der Mühle (δαίμων επιμνλιος, έφοροςτων άλετών), dessen Bild in den Mühlen auf-gestellt wurde, die Fülle und den Überflufsdes Gemahlenen bezeichnend; denn νόστος be-deutet den Ertrag, der von einer Sache ein-geht (vgl. Curtius, Griech. Etym. 315). NachAthen . 14, 618 d war er eine dorische Gottheit,der bei andern Stämmen 'Ιμαλίς (Αμαλία) ent-sprach. Eustath. Hom. p. 214, 18. 1383, 42.1885, 26. Hesych. s. v. Εννοατος. Phavorinv.νόστιμον u. εννοατος. Heffter, Götterdienst aufRhodos 3, 26. Preller-Robert, Griech. Myth . 1 4 ,607. Usener, Götternamen 256. [Wagner.]
Notos (Νότος, erklärt als feuchter Windvon der Wurzel sna, vgl. νότιος, νοτιά u. s. w.,Curtius, Griech. Etym. 5 319. — Aristoteles , devent. ed. Eidot p. 45, 36 leitete das Wort vonνόσος ab, διά τό νοσώδη είναι; andere antikeEtymologieen bei Pfannschmidt, De ventor. ap.Hom. signif. Diss. Dips. 1880 S. 20; lateinischAuster, doch überwiegt bei den Dichtern diegriechische Bezeichnung, die sich z. B. beiVcrgil und Ovid allein findet). Der Gott desSüdwinds, Sohn des Astraios und der Eos,Bruder des Zephyros, Boreas und Argestes(dagegen άργεατής als Beiwort des Notos II. 11,306. 21, 334), Hes. Theog. 380. 870. Hyg. fab.praef. p. 11 Schmidt. Nonn. Dionys. 6, 41.11, 452. 12, 16. Ausführlich handeln überdiesen Wind Neumann-Partsch, Physik. Geogr.v. Griechenl. 112f. Nissen, Ital . Landesk. 1,386ff. Roscher, Das von der Kynanthropiehandelnde Fragment des Marcellus von Side.Abh. d. Sachs. Ges. d. Wiss. Phil.-hist. Kl. 17,83 ff.;vgl. Aristot. Meteor. 2, 7. Problem. 26, 11 f.,16f., 19f., 27, 32, 35, 37f., 41—47. Es ist derfeuchtwarme, bleischwere Scirocco (tepidusTib. 3, 4, 96. θερμός άητής Nonn. Dionys. 13,383 u. sonst, plumbeus*) Auster Hör. Serm. 2,6, 18. albus Notus Hör. Carm. 1, 7, 15), derhauptsächlich im Herbst und im Winter weht(Amt. Probt. 26,16. comes Orionis Hör. Carm.
1, 28, 22; vgl. Arist. a. a. O. 12f. Arat. Phaen.408, 418 ff. und Quint. Smyrn. 4, 553. χειμέριοςSoph. Ant. 335. hibernus Tib. 1 , 1 , 47. Prop.
2, 9, 34. frigidus Prop. 3, 26, 23). Er durch-braust den Wald und verhüllt mit dichtemNebel das Gebirge und die Gefilde (II. 16, 765,vgl. Verg. Aen. 2, 416 ff. II. 3, 10. Quint.Smyrn. 4, 519 Bf. nubilus Auster Prop. 3,16, 56.Schol. II. 4, 275). Er führt schlechte Dünste undKrankheiten mit sich, ist δυσώδης (Arist. a. a. O.26), besonders wenn er nicht von Regen be-gleitet ist (Arist. a. a. 0. 42 u. 50) und σηπτι-κός (Roscher a. a. 0. 84) und schadet denPflanzen ebenso sehr wie den Menschen (Etym. m.s. v. Νότος, vgl. Prop. 5, 5, 62, andre Stellenbei Roscher a. a. 0. 83). Am furchtbarsten
*> Über die symbolische Bedeutung des Bleis undseine Beziehuugen zum Tode und Totenreiche s. Wünsch,Corp. Inscr. Att. Append. cont. defixion. tabcll, praef. p. III.
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offenbart sich aber seine Macht auf der See,wo er durch Regensturm und Nebelhülledoppelte Gefahren über die Schiffer herauf-beschwört (II. 2, 144ff. 394ff. Soph. Ant. 335ff.Arat. Phaen. 422 ff. Stat. Theb. 1, 350 ff.); des-halb warnt schon Hesiod den Schiffer, nichtdas Wehen des Notos abzuwarten, der mitherbstlichem Regen das Meer erregt, χαλεπόνδέ τε πόντον ε&ηκεν (Opp. 675 ff. , vgi. Arat.Phaen. 287 ff.). Horaz bezeichnet ihn als denmächtigsten arbiter Hadriae (Carm. 1, 3, 14,vgl. 3, 3, 5), und in Grabepigrammen für autder See Umgekommene wird er nicht seltenals Todesursache genannt (z. B. Anth. Pal. 7,263. 13, 27). In natürlichem Gegensatz stehter seiner Richtung und seinem Wesen nachzu dem trockenen und gesunden Nordwind(vgl. die von Aristoteles a. a. 0. 41 u. 46 an-geführten Verse άρχομένου τε νότον και λή-γοντας βορέαο und εΐ δ’ ό νότος βορέαν προκα-λέααεται, αντίκα χειμών. Ovid . Met. 1 , 262 f.Nonn. Dionys. 39, 174ff., andre Stellen beiRoscher a. a. 0. 83 f.). Homer und nach ihmandre nennen deu Notos anch gern mit Euroszusammen (II. 2, 145. Tib. 1 , 5, 35. Prop. 4,15, 32. Verg. Aen. 1, 85) und schildern denKampf zwischen beiden Winden (II. 16, 765ff.Verg. Aen. 1 , 108ff.). Euros und Notos hinderndie Abfahrt des Odysseus von der InselThrinakia (Od. 12, 325), und Notos treibt ihnzur Charybde zurück (12, 427). Beim Wehen des Notos gelangen die Argonauten zum Ein-gang des Pontos (Pind. Pyth, 4, 203); dieRömer verschlägt er nach Epirus (Hör. Carm.3, 7, 5) und hemmt die Heimkehr des Jünglingszu der ihn erwartenden Mutter (4, 5, 9). — DieErscheinung des Gottes schildert anschaulichOvid . Met. 1, 262ff. Als Zeus die Erde über-fluten will, schliefst Aiolos den Nordwind unddie andern trocknen Winde ein und sendetden Notos aus. Mit feuchten Flügeln fliegter aus, das schreckliche Antlitz in pechschwarzeFinsternis gehüllt. Sein Bart ist schwer vonNebeln, von den grauen Haaren fliefst Wasser,auf seiner Stirn sitzen Nebel, Federn undGewand triefen. Als Gott ruft den Notos der82. orphische Hymnus an: Schnellen Flügel-schlags komm durch die feuchte Luft mitden nassen Wolken, όμβροιο γενάρχα | τούτογάρ εκ Διός έβτι αέ&εν γέρας τ,ερόφοιτον, \όμβροτόκονς νεφέλας εξ ήέρος ες χ&όνα πέμπειν.
Eine individuelle Göttergestalt wie Boreas ist Notos nicht geworden; doch hat neuerdingsRoscher a. a. 0. umfassend die Ansicht be-gründet, dafs die Verfolgung der Harpyiendurch die Boreaden ursprünglich nichts anderesbedeute, als den siegreichen Kampf des Boreas gegen Notos, des reinigenden Adlerwinds(Aquilo) gegen den verderblichen Geierwind(Volturnus), und dafs der auf einem Geierbalgesitzende Dämon der Verwesung Eurynomos(auf dem Unterweltsgemälde Polygnots) wahr-scheinlich mit Notos identisch ist, für den sichauch deutliche Beziehungen zur Unterweltnachweisen lassen (a. a. 0. S. 85). Die Sagen,in denen bei Nonnos Notos als Person auftritt,sind meist späte Erfindungen. Mit den andernWinden kommt er dem Zeus gegen Typhon zu
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