Band 
Dritter Band, erste Abteilung. Nabaiothes - Pasicharea.
Seite
617-618
JPEG-Download
 

617 Odysseus (Kreis der Kypria)

(Hygin. f. 98) oder endlich von ihm und Tal-thybios (Apollodor. epit. p. 195 Wagner) unterdem Vorwand einer Hochzeit mit Achill ausArgos herbeigeholt. Alle drei grofsen griechi-schen Tragiker sowie Ennius , der dem Euri-pides folgte ( Bibbeck, B. Tr. 94f.), haben denGegenstand behandelt; während die Reste vonAisehylos Drama keinen Anhalt gewähren, be-zeugt Euripides nachdrücklich Od. Mitwirkung(Iph. Aul. 106f. 524f. 1362f.; vgl. auch Iph.Taur. 24 f.); bei Sophokles trat er sogar per-sönlich auf, nach fr. 284 Nck , s , wo er dieKlytaimestra zu dem glorreichen künftigenSchwiegersohn heuchlerisch beglückwünscht.Bhinthons Hilarotragödie mag sich dem vor-handenen Sagenstoff angeschlossen haben.Übrigens wird Od. Anwesenheit und teilneh-mende Ergriffenheit beim Opfer selbst auchdurch die Bildwerke (schon seit Timanthes,vgl. Plin. N. H. 35, 73; Quintil . 2, 13, 12, vgl.Cie. Orat. 22, 74; Val. Max. 8, 11 ext. 6) ver-anschaulicht. An die Stelle des bei Homer erwähnten (s. o.) siegreichen, aber ehrlichenRingkampfes mit dem König Philomeleidesvon Lesbos tritt bei Hellanikos (Schol. 8 343,vgl. Eustalh. p. 1498, 65) hinterlistige Ermor-dung durch Od. und Diomedes . Die beieinem Gastmahl in Tenedos (wohl Seiten-stück zu dem Mahle auf Lemnos Ό 75f.; © 230f.)in Streit geratenen Fürsten Agamemnon undAchill werden, wahrscheinlich schon in denKyprien (Ulix. Posth. 1, 9f., gegen Welcher,Kyklos 2 2 , 108) sowie in Sophokles SatyrspielΑχαιών ανίλογος oder Σνν8ειπνοι, von Od.wieder versöhnt (vgl. de Ulix. in fab. satyr.pers. in Commentat. Bibb. 110f.). Den hierbeioder bei einem Opfer auf dem Inselchen Chryse(s. d.; vgl. Soph. Phil. 270. Lemn. fr. 353 Nck. 2 )oder auf Imbros oder Lemnos ( Eustath. p. 330,lf. lOf.) von einer Natter gebissenen und wegen .des Geruchs der Wunde unerträglichen Phi-loktetes (s. d.) setzen die Griechen auf denRat des Od. in Lemnos aus, was dieser selbstals sein Verdienst in Anspruch nimmt: Soph.Phil. 5; Eur. Phil, nach Dio Chrys. or. 59, 3;Ου. Met. 13, 313f., vgl. 45f. sowie Apollodor. epit.p. 196 Wagner ; Hygin. f. 102. Od. tötet auchdie Schlange: Dict. Cret. 2, 14. Schon baldnach dem Raube der Helena haben sich Pala-medes, Od. und Menelaos nach Troja begeben iund die Rückkehr der Gerauhten verlangt:Dict. Cret. 1, 4; bei Tzetz. proleg. Alleg. Iliad .405 überbringen sie aufserdem einen BriefKlytaimestras an die entführte Schwester.Jetzt, bereits gegen Ilion unterwegs, schicken dieGriechen, von Tenedos aus (Schol. Γ 201. 206),abermals Gesandte (vgl. Herodot. 2, 118). Beidieser άπαΐτηαις 'Ελένης ist (wie bei HomerΓ 205ff; Λ 139f.; s. o. und die neugef. Fragm.v. Bakchylides XV Kenyon) wohl auch in den iKyprien und in Sophokles so betiteltem Drama(ein gleichnamiges schrieb Timesitheos) Od.der Begleiter des Menelaos ; so auch: Ov. Met.13, 196 f.; Aelian . Η. A. 14, 8; Apollodor. epit.p. 196 Wagner; Philostr. Heroie. 2, 14; Eiban.λόγ. πρίΰβ. προς Τρώας 4, 1 Beiske; Pseudo-plut. vit. Hom. 7, 3; Serv. Aen. 1, 242; sonstvariieren die Angaben; bei Dict . Cret. 2, 20

Odysseus (Kreis der Kypria) 618

gesellt sich Menelaos und Od. noch Diomedes zu; bei Dar. Phryg. 16 sind es letztere allein; beiTzetz. Anteil. 154 aufser den beiden auch Pala-medes und Akamas. Unerwähnt bleibt Od. beiParthen. Erot. 16 in Westerm. Mythogr. 169. Od.Gesandtschaftsrede an die Troer fingiert alsrhetorisches Schaustück Libanios (4,15 Beiske).Die Reise ist zwar erfolglos; die Art aber, wienamentlich von Od., selbst unter persönlicheri Lebensgefahr, die Sache der Griechen verfochtenwird, imponiert dem Gegner, und die mitAntenors Hause sowie mit Helena angeknüpftenBeziehungen sollen jenen später noch die bestenFrüchte tragen. Während der BelagerungTrojas sorgt Od. mit Rat und Tbat für seineLandsleute, schützt das Lager durch einenGraben, legt den Feinden Hinterhalt und tröstetdie Verzagten über die lange Dauer des Kriegeshinweg: Ov. Met. 13, 212 f. Zur Abstellungbeginnender Hungersnot holt er mit MenelaosAnios Töchter, die Oinotropen, von Delos (vgl. gl 62 f.) herbei, die durch Handauflegung allesin Lebensmittel zu verwandeln vermögen: sozuerst Simonides von Keos, fr. 24 BgkA, währendin dem früheren Bericht der Kyprien PalamedesGesandter ist: Ulix.Posth. 1,37.12f. O. Immisch,B h. M. 44, 299 f. Wentzel, Philol. 51, 46 f Noack,Hermes 28, 146f. Einen Fouragierungszug desOd. nach Thrakien erwähnen Kallimachosund Euphorion bei Serv. Aen. 3, 16 (vgl. auchzu Aen. 2, 81): nach Ainos, einem dort ver-storbenen Gefährten des Od., ist eine vondiesem dort gegründete Stadt benannt. Geradediese Berichte von seinen Verproviantierungs-mafsnahmen setzen ihn in einen feindlichenGegensatz zu Palamedes, durch dessen er-findungsreiche Klugheit er trotz aller Ver-dienste immer mehr in Schatten gestellt wird.Zum Neide gesellt sich bei Od. nachträgerischerHafs gegen Palamedes wegen der einstigenEntlarvung seines erheuchelten Wahnsinns beiBeginn des Krieges ( Aisch. Palam. fr. 181 Nck. 2 ;Ov. Met. 13, 58). In den Kyprien wird Pala-medes beim Fischfang von Od. und Diome-des meuchlerisch ertränkt (Paus. 10, 31,2), womit noch am meisten stimmt Dict. Cret.2, 15: hier lassen ihn die beiden Gesinnungs-genossen zur Hebung eines angeblichen Schatzesin einen Brunnen steigen, den sie dann zu-schütten. Die drei grofsen Tragiker und derjüngere Astydamas sowie mit Vorliebe spätereRhetoren, angeblich schon Gorgias und Alki-damas in den noch vorhandenen Schulreden(bei Blafs, Ausg. des Antiphon), sodann auchLibanios und Philostratos haben, meist zuUngunsten des Od., den Stoff weitergebildet:darnach wird Palamedes von Od. als Haupt derFriedenspartei (Verg. Aen. 2, 84) des Verratsbeschuldigt, seine Bestechung durch die Feindemit vorher in seinem Zelte vergrabenem undnun wieder aufgedecktem Golde sowie mit einemgefälschten Briefe des Priamos rabulistisch er-härtet und darauf, nach einem Prozefs, dersich zugleich zu einem Redewettkampf zwischenden beiden Hauptgegnern gestaltet, die Todes-strafe durch Steinigung an ihm vollzogen(Ov. Met. 13, 60. Hygin. f. 105. Apollodor. epit.p. 190. 217 Wagner. Philostr. Heroic. 10,7; 11).