633 Odysseus (nachhomerische Irrfahrten)
Ulix. Com. 363. Dennoch gilt es, wenigstenszu einigen Fragen Stellung zu nehmen. Aufeine Irrfahrt im Osten, am PontosEuxei-nos, deutet, wie v. Wilamowitz (Homer . Unters.167) vermutet, fast allein noch der von Phere-Jcydes (Schol. /i 257) überlieferte Name des durchdie Skylla vertilgten Gefährten Sinopos hin,den man von der Stadt Sinope nicht werdetrennen wollen. Indes dieser blofse Name er-scheint zu wenig beweiskräftig, wenn man er-wägt, dafs er oder der Name der Stadt in derBedeutung trunksüchtig (vgl. Helcataios inSchol. Apoll. Bhod. 2, 946. Etym. Magn. p. 713)den ionischen Griechen geläufig sein konnte,bevor er auf die pontische Stadt bei ihrerKolonisierung durch die Milesier als Eigen-name übertragen ward.
Auch auf die Verwandtschaft, die zwischenAiaie und Aie, den Namen der Kirkeinselund des Zieles der Argonautenfahrt, obwaltet,ist kaum mit v. Wilamowitz (a. a. 0. 166) vielWert zu legen; denn beide Wörter bedeutenLand, und diese Bezeichnung konnte als Be-nennung eines bestimmten Landes in ganzverschiedenen Gegenden festwachsen. Ebenso-wenig kommen die allerdings auch am Schwar-zen Meere sefshaften Kimmerier hier in Be-tracht, weil die homerischen ausdrücklich imWesten angesetzt sind (1 14f.). Da ist es ge-wifs weit eher statthaft, die Symplegadendes Argonautenzuges und die Flankten derOdyssee zu identifizieren: beide Namen bedeutendasselbe (Cr. Curtius, Philol. 3, 3), ihr Wesenwird ungeführ gleich geschildert, und nament-lich wird die Durchfahrt durch die Planktenvon Iason wie nachmals von Od. bezeugt:fi 69 f.; i/> 327. Daher schon die Gleichsetzungvon Plankten und Symplegaden bei Strab. 3,170; Plin. N. H. 6, 32; Eustath. p. 1711,56f.; vgl. Kirchhoff, Homer. Odyssee 288. Dochwie wenig die Identifizierung, selbst wenn sieunanfechtbar wäre, für den Standort amSchwarzen Meere beweist, erhellt gerade ausStrabo , der zwar, wie gesagt, Plankten undSymplegaden gleichsetzt, aber sie fern imWesten an den Säulen des Herakles lokalisiert,wie ja auch sonst die Argonautensage (s. d.)sich nicht auf denPontos Euxeinos beschränkt,sondern sich über das adriatisch-ionische Meer,selbst nach Italien und Libyen hin ausdehnt.Eine Ansetzung des Odysseusmythus amScbwar-zen Meer ist daher unmöglich. Wenn fernerv. Wilamowitz 162 eine ursprüngliche Über-lieferung annimmt, nach der Od. zu Lande,quer durch die Balkanhalbinsel , nach Hauseoder doch nach Epeiros gelangt sei, so unter-liegt auch dies ernsten Zweifeln. Nach demAbzug von Troja finden wir ihn ja zuerst indem thrakischen Maroneia wieder (vgl. o.):hier trifft er mit Neoptolemos zusammen, derauf dem Landwege nach Molottien weiterzieht(Agias’ Nosten nach Proklos). Dafs nun Od.ihn begleitet habe, ist unerweislich. Dennwenn er auch später der Penelope in erdich-teter Erzählung berichtet, er sei dort gewesen,so erklärt sich dies aus dem jeweiligen Ver-kehr zwischen Ithaka und dem nahen Fest-land, auf das sich ja sogar Od.’ Herrschaft
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erstreckte (s. o.) und zu dem sich ja seine Be-ziehungen auch nach der Heimkehr so vielfacherneuerten, dafs ihm daraus sogar nachmalsKultstätten bei den aitolischen Eurytanen undin Epeiros erwuchsen (s. o.). So bleibt gewifsschon nach der ältesten Fassung der Sage nurder Weg zur See für die Heimkehr übrig,und wir lenken damit zugleich in die home-rische Überlieferung ein. Wo mag man sichnun nach ihr den Schauplatz der Odysseus-abenteuer zu denken haben? Ausdrücklichwird bezeugt, Od.’ Irrfahrten seien zuerst vonHesiod in der Gegend um Sizilien undItalien und im Tyrrhenischen Meere angesetztworden: Strab. 1 , 23. Schol. Apoll. Ehod. 3, 311.Daraus ist aber gewifs nicht zu schliefsen, dafsman vor Hesiod, also etwa Homer selbst, sichdie Abenteuer in den griechischen Meeren ge-dacht habe; denn wenn auch gelegentlichKirkes Grab in die Bucht von Eleusis auf eineder Pharmakusen verlegt wird (Strab. 9, 395)oder die Insel der Kalypso (s. d.) nach dereinen Auffassung in der Nähe von Kreta lag,so fehlt doch für andere Orte ein Anhalt, alsseien auch sie im östlichen Meere zu suchen,durchaus; für sie ist hier gleichsam kein Raum.Hesiod hat demnach für die Odyssee und ihrenSchauplatz nicht eine ganz andre Gegend an-genommen, sondern die homerische Erzählungnur an gewissen Lokalen des Westens fest-gelegt und damit die mythische Geographiefür immer in eine hellere Beleuchtung gerückt.Gleichwohl bleiben noch genug Zweifel übrig;ja es wird stets bei dem Ausspruch des Era-tosthenes (Strab. 1,24. Eustath. p. 1645,64) seinBewenden haben: (jprjct τότ’ αν ενρειν τινα,nov ’OSvaosvs πεπλάνηται, όταν ενρ·ρ τον anv-τέα τον ονρράτραντα τον των άνεμων άοκόν.Vgl. Hergt: Quam vere de Ulixis erroribusEratosihenes iudicaverit, Diss. Erlang. 1877.Selbst wenn wir aber diesen Verzicht in derBescheidenheit zu weitgehend finden und mitHesiod Od.’ Abenteuer im Westen ansetzen,dürfen wir doch deu uralten Streit, ob sichjene Irrfahrten über die Säulen des Herakleshinaus auf den Ozean ausgedehnt ( Krates vonMallos bei Gell. N. A. 14, 6) oder auf dasMittelländische Meer beschränkt haben (Ari-starchos: Gell. a. a. 0.; Kallimachos : Strab. 1,44; Polybios : ib. p. 20), auf sich beruhen lassen(vgl. Ukert, Bemerkungen zu Homers Geographie6f. 27 f. Berger, Gesch. d. wissenschaftl. Erd-kunde d. Griech. 3, 117 f. 122 f.). Gehen wirlieber den von den Alten bezeichnetenSpuren des Od. nach. Bei der Fahrt umdas Vorgebirge Maleia wird er vom Nordwindan der Insel Kythera vorüber zu den Loto-phagen (s. d.) getrieben. Seine Anwesenheitbei ihnen in Libyen wird bezeugt für LeptisNeapolis: Dion. Perieg. 205 f. oder für diegrofse Syrte bei Kyrene : Strab. 3, 157, vgl. 17,829; Eustath. p. 1616, 40, aber auch für die InselMeninx vor der kleinen Syrte, wo der schonerwähnte Altar des Od. stand: Strab. 17, 834.Andere Lokalisierungen der Lotophagen weisenschon auf Sizilien hin, wo sie bei Akragas oder Kamarina wohnen sollten: Schol. « 1;Eustath. p. 1644, 40. Diese Insel galt abor
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