637 Odysseus (nachhomerische Irrfahrten)
man in Cortona in Etrurien (anders v. Wila-mowitz, Homer. Unters. 190, der nicht an dieitalischen Etrusker, sondern an die makedo-nischen Tyrsener und ihre Stadt Gortynia,Thuk. 2, 100, denkt). Sein etruskischer NameNanos wird entweder mit Zwerg (vgl. Γ 193,ξ 230) oder mit πλανήτης (vgl. C. I. G. 1907, 11:o τε πλανάτας εοτι Λαίρτου γόνος) erklärt.Doch scheint es gerade wegen der letzteren Be-deutung, als habe man mit einem etruskischenAbenteurer Nanos (s. d.) den Od. nur vermengt,zumal der früher erwähnte Tod des Od. inEtrurien zu den Schicksalen des griechischenHelden wenig stimmt und ersterer, im Gegen-satz zu dem beweglichen und umgänglichenhomerischen Od., als unfreundlich und schläfrig,ja trotz seines Sieges über Ilion als demütiggegen den ausgewanderten Troer geschildertwird: T'lut. d. aud. poet. 8; vgl. O. Miiller-Deecke, Etrusker 1, 87f.; 2, 281 f. Data gleich-wohl der echte griechische Od. den Etruskernwohl bekannt war, beweist die bildende Kunst.
Aufserhalb der Säulen des Herakles( Strab. 3, 157; Serv. Aen. 6, 107) lassen sich,abgesehen von der unsicheren, z. T. völligphantastischen Deutung homerischer Örtlich-keiten bei antiken und modernen Gelehrten(bes. Krichenbauer,Od.’lrr fahrt als UmschiffungAfrikas erklärt, Progr. Znaim 1877, wo sämt-liche Abenteuer an den östlichen und westlichenGestaden oder Küsteninseln des Schwarzen Erd-teils untergebracht werden, ja die ältesteOdyssee als Südpolexpedition um 1450 v. Cbr.erscheint; vgl. Burs. Jahresber. 1877, 1, 155f.),Od.’ Spuren an folgenden Punkten verfolgen:In Iberien, und zwar im Gebirge Turdetaniens,steht nicht fern von der phoinikischen KolonieAbdera die Stadt Oävoasia und in ihr, wieschon erwähnt (s. o.), ein Athenetempel mitReliquien des Od.: Strab. 1, 157, vgl. 149und 1, 21; Eustath. zu Dion. Perieg. 281 undp. 1379, 21; bei Steph. Byz. Όδυοαεΐς ge-nannt. Strabo unterscheidet davon wohl ’Ολν-ιηπών in Lusitanien (3, 152), das jedoch unterdem Namen Olisipone ( Solin . 23, 6. Mart. Cap.629) mit Όδνσσεια verwechselt und daher alsGründung des Od. bezeichnet wird. Erst ver-möge dieser, wohl irrigen, Gleichsetzung er-scheint Od. als sagenhafter Gründer von Lissa-bon , und nach ihm nannte man dort auch einVorgebirge, das angeblich den nördlichenOzean vom südlichen trennt; doch vgl. Far-biger, Handb. d. alten Geogr. v.Eur , 8 31. 49. —Ferner wird der Stadt Elusa und den Elusa-tes ( Cacs. b. G. 3, 27, 3) zuliebe das von Od.besuchte Schattenreich (Elysium) nach Gallien verlegt: Claudian. ad Rufin. 1, 124. Sodannzeigte man einen Altar mit griechischer In-schrift, den Od. errichtet haben sollte, inCaledonia: Solin . 22, 1. Am merkwürdigstenist endlich die Notiz, er sei auch nach Ger-manien gelangt und habe Asciburgium am.Rhein gegründet, wofür gleichfalls ein Altarmit einer Widmung an seinen Vater Laertesals Zeugnis dient: Tac. Germ. 3; vgl. die Er-klärungen der Stelle und Pauly-Wissowa,Realenc.2, 1523. Wahrscheinlich hat man das heutigeDorf Asburg bei Mors auf dem linken Rhein -
Odysseus (nachhomerischer Charakter) 638
ufer zu verstehen. Damit haben wir die äufserstengeographischen Endpunkte der Odysseussageerreicht, die hier, vermittelst einer schwerkontrolierbaren Identifizierung des griechischenHelden mit einer nordischen Göttergestalt, andie altgermanischen Volkssagen angeknüpfthat; vgl. Müllenhoff, Deutsche Altertumskunde
1, 30f.; 2, 191A.; 324f.; Kretschmer, Eint, indie Gesch. d. griech. Spr. 85 f. — Begleiten wirschliefslich Od. in die Küstengewässer seinesHeimatslandes zurück, so erkennen wir inKorkyra die Insel, die das Altertum fast ein-stimmig als das Land der Phaiaken betrach-tete: Thuk. 1, 25; Aristot. in Schol. Apoll. Rhod.4, 984; Strab. 6, 269; Solin . 11, 1; was, ent-gegen dem Zweifel des Aristonikos {Schol. £ 8)und neuerer Gelehrten ( Bursian, Geogr. Griechl.
2, 358f.: nichts als ein Utopien oder Schlaraffen-land; Lewy, Jahrb. 1892 S. 179: Melite), wie-der festhält Zimmerer, Verhandl. d. 41. Philol.-Vers. 344 f.; vgl. Kretschmer a. a. O. 281:Ezsqit] (von ffj'Ego's, continens) = Festland("HTceigog). — Der Leukadische Fels warangeblich benannt nach Od.’ vor Ilias gefallenem{A 491) Kampfgenossen Leukos ( Ptolem. N. H.in Westerm. Mythogr. 198), ebenso wie die vonOd. gegründete Stadt Ainos in Thrakien nacheinem dort begrabenen gleichnamigen Gefähr-ten des Od. {Serv. Aen. 3, 16; anders Steph.Byz. s. v.). Über die Veranlassung andrervon Od. auf dem griechischen Festland ge-stifteter Kultorte (Tempel der Athene ÄsiUü-ftsia in Sparta : Paus. 3, 12, 4; der RetterinAthene und des llischen Poseidon zu Asea inArkadien : ibid. 8, 44, 4; der Artemis Heurippezu Pheneos : ibid. 8, 14, 5) und der dem Od.zu Ehren errichteten Stätten (Altar zuTram-pya in Epeiros; Orakel bei den aitolischenEurytanen: Lycophr. 799f. mit Tzetz., vgl.auch Steph. Byz. s. Bovvsiga·, Reliquienstättein Sikyon ; Ampel, lib. memor. 8, 5; Heroonin Sparta : Plut. Quaest. Gr. 48) s. o.
Der Charakter des nachhomerischenOd. bezeichnet, vermöge der vielseitigen, nichtimmer einheitlichen und folgerichtigen Fort-entwickelung der Lebensschicksale, eine Weiter-bildung der homerischen Heldengestalt, freilichoft im Sinne der Vergröberung und Herab-ziehung. Vgl. Mahaffy, the degradation ofOdysseus in Greek litterature, Hermathena 2,265 f. Die meisten homerischen Merkmalesind als Grundzüge des Bildes festgehalten,das aber durch die lebhafte Schattierung unddie Ausführung nebensächlicher Linien hie undda verzerrt ist. Beibehalten wird in der spä-teren bildenden und dichtenden Kunst seinezwar nicht imponierende, aber doch männlichschlichte, kräftige Erscheinung; von Geistes-gaben: kriegerischer Sinn, Beredsamkeit, be-sonnene Klugheit und erfindungsreiche List;von Herzenstugenden: Pietät gegen Götter,Angehörige und Volksgenossen, unverwüstlicheHilfsbereitschaft, Nationalgefühl und Vater-landsliebe, ausharrende Geduld. Für alle dieseEigenschaften bietet die nachhomerische Sagezahlreiche Belege. Non formosus erat, sagt Ov.A. A. 2, 123; orehilari stalura media schildertihn Dar. Phryg. 13; vgl. ferner Alex. Aphrodis.
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