Band 
Dritter Band, erste Abteilung. Nabaiothes - Pasicharea.
Seite
643-644
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643 Odysseus (nachhomerischer Charakter)

( Bibbeck, B. Tr. 410). Auch sie bekämpft ervergleichsweise selten offen und redlich, vielhäutiger auf Schleichwegen oder, wenn siebereits in seine Hände gefallen sind, mitgrausamer Härte. Philomeleides, bei Homer in ehrlichem Kampfe von Od. überwunden,wird hier meuchlings aus dem Wege geräumt(s. o.); aus dem Hinterhalte fängt er Helenos;anf nächtlichen Expeditionen tötet er Rhesosund Dolon sowie die Wächter, die er mitseiner πτωχεία getäuscht hat. Ja nicht einmalKinder, Weiber, Greise sind vor seiner seelen-losen Unmenschlichkeit sicher: Astyanax bringt er eigenhändig um, Polyxenas Opfe-rung setzt er ohne zwingenden Beweggrunddurch; den greisen Priamo s, der fiektorsLeichnam losbittet, verhöhnt er hartherzig;und während er Palamedes die einstige Ent-larvung nicht vergessen kann, entschlägt ersich jeglicher Dankbarkeit für Hekabes Wohl-that sosehr, dafs er die unglückliche Königinmit fühlloser Härte zu seiner Sklavin machtoder sogar zu ihrer Steinigung das Zeichengiebt (s. o.). Besonders Euripides , der sich imKyklops noch am meisten an das homerischeMuster gehalten hat, schildert Od. Sinnesartin der Hekabe, den Troades, dem Orestes rohund gemein. Über Pindars Abneigung gegenOd. vgl. Ulix. Posth. 1, 39f.; Od. Herabsetzungdurch Ovid, Seneca Philostratos , Diktys s. o.Kein Wunder, dafs solchen Akten der Arglistoder Grausamkeit die härtesten Urteile, dieschlimmsten Verwünschungen folgen; vgl. diezahlreichen Schmähungen aus der griech.Tragödie: Ulix. Posth. 1, 83f.; ferner Gorg.Palam. 24: ώ πάντων άν&ρώπων τολμηρότατε;Antisth. Ai. 6: όδε ό μαατιγίας και ιερόσυλος;Plat. Hipp. min. 364ο:πολντροπώτατος; Lucian.ver. hist. 1, 3: αρχηγός τής βωμολοχίας; dialog.marin. 2: ό πανονργότατος; Nikolaos bei Walz,Bhet. Gr. 1, 355: βασκανίαν καί. συκοφαντίανποιούμενος; Tzetz. Anteh. 297: ηρώων φ&όρος,£χ&ος άρίοτων. 367: ονλιος άνήρ; Posth. 84:άγκυλόβονλος; Nonn. Dion. 13, 110: δολοπλόκος;Verg. Aeri. 2, 7, Ον. Trist. 6, 5, 51: durus;Verg. Aen. 2, 261. 762; Stat. Ach. 1, 94: dirus;Verg. Aen. 3, 273: saevus; 6, 529: hortatorscelerum; 2, 164: scelerum inventor ; 2, 90:pellax; 9, 602: fandi fictor; Hör. C. 1, 6, 7:duplex; Stat. Ach. 1,847: varius; Senec. Agam.636: subdolus; Troad. 149: fallax; 760: machi-nator fraudis et scelerum artifex. Von zoologi-schen Vergleichen (die homerischen s. ο.)beziehen sich auf diesen Charakterzug: επίτριπ-τον κ ίναδος, Soph. Ai. 103; ή Σισύφειααγκύλη, λαμπονρίς, Lycophr. Al. 344; φόνιοςδράκων, Eur. Or. 1406.*) Doch auch nach

*) Andere, z. T. gesuchte humoristische Vergleiche:Ί&ακησία ορτνγομήτρα, Wachtelmutter von Ithaka ,weil Od. wie eine Vogelmutter für sein Volk sorgt: Kra-tinos 'Οόνσσής, fr. 246 K.; Ulix. Com. 375. Wegen seinesmehrtägigen Hungers auf der See: νήστιν ηονηροϋ κε-ατρέως τριβών βίον, Eubulos' Nausikaa , fr. 68 Κ.; vgl.auch Pkilyll.fr. inc. 21 K; Ulix. Com. 380. Wegen seinesSchiffbruchs wird Od. mehrmals καύηζ, Taucher-vogel, genannt: Lycophr. Al. 741 (752), bes. 789: καύηζUiatSf κυμάτων όρομενς, ώς κόγχος αλμτι 7ΐαντό$εν Λερι-τριβείς. Wegen seines langen Lebens: κόραζ, Tzetz.Lyc. 94.

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dem Kriege, auf der Wanderschaft, wirdOd. oft Iganz anders geschildert: an die Stelle des aus- 1harrenden, mutigen Seehelden ist ein lüster-ner, genufssüchtiger Bramarbas ge- '

treten, der mit nie erlebten Abenteuern prahlt.

Der Komödie bot eine solche Fassung des Cha-rakters, die wohl schon auf Epicharmoszurückgeht, reichen Stoff. Hatte schon Homer den Helden in der πτωχεία , bei Eumaios, ja imeigenen Hause als Bettler eingeführt., so brauch-ten die Komiker nur daran anzuknüpfen, umeinen Parasiten aus ihm zu machen, vgl. Ulix.Com. 365f. 368. 381. 388f.; ja sie brachten esfertig, ihn, der allerdings leibliche Genüsse zuschätzen weifs {i 5 f.; η 215 f.), was aber Athenaeus(10, 412b) nicht als γαστριμαργία hätte be-zeichnen sollen, auch im Verkehr mit Philoktet auf Lemnos , mit dem Kyklopen, der Kirke,den Seirenen als trunksüchtigen Schlemmerdarzustellen; und ein Epikur berief sich zurRechtfertigung seiner Freude an Speise undTrank auf Od. τρυφήν καί λαγνείαν {Athen .

12, 513 a, e); vgl. auch Lucian. d. parasit. 9f.Nicht verwunderlich daher sein Tod amZipperlein: Lucian. tragodopodagr. 261f. (s. o.).Damit steht nur im Einklang die Unzahl seinerLiebesabenteuer und die stattliche Nach-kommenschaft, die sich, von Penelope und ;ihren Kindern abgesehen, auf fünf Weiberverteilt (s. o.). Erlangt dadurch Od. auch die 1weitreichende Würde einer Stammvaters vieler 1Geschlechter, so wird er doch gleichzeitig sei- rner sprichwörtlichen Gattentreue entkleidet,und sein vielgerühmtes Eheglück verflüchtigtsich. Im Gegensatz zu Sokrates , der über- "haupt für Od. eingenommen ist, ihn der Jugendgegenüber bewundert (Xen. Memor. 1, 2, 58. :

Schol. Ael. Aristid. 3, 480 Dind.) und daher jversichert, er erweise sich ούδαμον τρενσάμενοςund sei kein άλάξων {Plat. Hipp. min. 369e),erklärt vielmehr Dio Chrysost. or. 11, 17f.:πλεΐστα γονν τόν Όδυσσέα "Ομηρος πεποίηκεTp εν δ ό με νον, ον μάλιστα ίπαινεΐ, und läfstdie Frage, ob Od. άλαξών, lieber offen, ähnlichwie Philostr. Heroic. 2, 6 ihn ein παίγνιον'Ομήρου nennt (s. o.), dem jener viele seinerErzählungen aufgebunden habe; vgl. auch Ov.Trist. 1,5,79; Iuvenal . 15, 13f. Auch insofernhat der homerische Held ein Gutteil seinerNaivetät eingebüfst, als er hie und da zweifel-süchtig oder belehrend moralisiert: Epicharm.fr. inc. 96 Ahr., Eur. Cycl. 354f. 606f., Carcin.fr. inc. p. 797 Nck. 2 , vgl. Ulix. Posth. 1, 79;Alexis bei Kock 2, 320, vgl. Ulix. Com. 388; jdaher ό φιλόσοφοςΟδ.: Eustath. p. 1656, 49. !

Überdies wird er mit den philosophischen ·Rhetoren Thrasymachos und Theodoros ver- :glichen: Plat. Phaedr. 261b. Über Od. alsKaufmann in Epicharms Όδ. αύτόμολος (hieri Schweinehändler), in Kratinos Όδυσσής, in ISoph. Philokt. und den auf Skyros spielenden jTragödien und Komödien s. o.; vgl. auch Aelian . iV. H. 4, 20. Dadurch verlieren freilich auch jseine Irrfahrten viel von ihrem epischen Werte ],und sinken mehr in eine triviale Sphäre herab: |

Od. wird zum πλανήτης (s. o.), vgl. auch IPs.-Skymn. 98. Je bestimmter seine Wände-rungen und Städtegründungen fixiert werden,