645 Odysseus (in d. Dichtung anderer Völker)
um so prosaischer, aber zugleich um so un-wahrscheinlicher werden die Berichte, undvollends bei den Etruskern oder gar in Germanien verlieren wir den Helden der griechischen Poesieganz aus den Augen und sind genötigt, heimischeSagengestalten an seine Stelle zu setzen. Dieletzten Lebensschicksale endlich, entweder dieVerbannung von Ithaka und sein Tod in derFremde, oder sein gewaltsames Ende vonSohnes Hand, lassen ihn als Opfer der lntrigue,beziehungsweise eines Mifsverständnisses er-scheinen; indem der vielgeprüfte Held amAbend seines Lebens dem eigenen Sohne er-liegt, bleibt die poetische Gerechtigkeit unbe-friedigt, während in der ähnlichen deutschenSage von Hildebrand und Hadubrand(wenigstens nach der abgeschlossenen Bearbei-:< tung Kaspars von der Rhön ) der Vater denj Sohn besiegt und mit ihm in der Heimateinen friedlichen Ausgleich herbeiführt.
Etwas lockerer ist die Beziehung zu dervon Kückert bearbeiteten Heldengeschichte vonKostern und Suhrab in Firdusis Königsbuch,wo im Zweikampf der Vater den Sohn tötet.Dagegen weist auf die überraschende Ähn-lichkeit zwischen der Odysseus - undOrendelsage hin Müllenhoff, JÜ.A. l,32f.43f.;vgl. Kretschmer, Kinl. 85f. Als ein „christ-licher Od.“ erscheint der heilige Alexiusbei Gregorovius , Gesch. d. St. Koni im M.-A. 3 4 ,374. — Konrad v. Würzburg, der im 13. Jahrh.diese Legende in einem mhd. Gedicht bearbei-tete, hat aber auch den Trojanischen Kriegselbst besungen und damit die Odysseussageerweitert; vgl. darüber H. Dünger, Sage vomtrojan . Krieg im M.-A. (1869); aber auch G.Körting, Diktys und Dar es, ein _ Beitrag zurGesch. d. Trojasage (1874). — Über Od. bez.die Trojasage bei den Franken vgl. Zarncke,Sitzungsber. d. Sachs. Gesellsch. d. Wissensch.1866, 257f.; — bei den Mongolen, Ta-taren, Slaven vgl. Willi. Grimm, Abhandl.d. Berliner Akad. 1857, lf.; K. Rohde, Griech.Roman 173f.; Mannhardt , Wald- und Feld-kulte 2, 106 f.; anders Bolte (s. u.) 11 f.
III. Name und Wesen des Odysseus .
Der Name des Helden erscheint schon beiHomer in den beiden Formen: ’Oövßßsvg und’Oövßsv s. Die Schreibung mit <f ist nach jHomers Autorität für das Gemeingriechi-sche in Geltung geblieben und später auchfür das Etruskische mafsgebend geworden(H. Jordan, Krit. Beitr. 40 f. 44), wo der grie-chischen Media die Tenuis oder die Aspirataentspricht und sich demnach die Formen Utuze(Utuste), bezw. Uthuze, Uthuste, Uthste finden( Corssen , Etrusk . 1, 840 f.; 2, 642); denn Uluxeals Inschrift eines Sardonyxskarabäus, die0. Müller noch für etruskisch hielt,, ist viel-mehr bereits lateinisch ( Deecke zu 0. MüllersEtrusk . 2 2 , 291 Anm. 47; Jordan a. a. 0. 40),Ulis aber überhaupt unecht ( Corssen 2, 642).
Früh tritt im Griechischen auch die Schrei-bung mit X auf; wenn jedoch Eustathiosp. 289, 39 ihren Standort mit nov bezeichnet,meint er damit schwerlich schon den Homer-text, dessen Redaktion durch Zenodot vorher,
bei der Besprechung eines andern Lautwandels,ausdrücklich mit εν τοις Ζηνοδότου bezeichnetist. Auch ob bereits Ibykos das λ in demNamen kennt, bleibt unsicher, weil das ganzeCitat bei Diomedes ( Bergk, Lyr. 3 4 , 241) wederdem Wortlaut noch dem Metrum nach völligklargestellt ist und die Fassung der Lesartzwischen ’ΟΧνξενς, Ονλίξης,’ίΙλίξης und ’ίίλνξηςhin- und herschwankt (vgl. Kretschmer, Kuhnsio Zeitschr. 29, 433). Dagegen wandten die Athe-ner des 6. und 5. Jahrhunderts, wenn auchnicht ausschliefslich (so Bolte, de monumentisad Odysseam pertinentibus , Berl. Diss. 1882,S. 26 Anm. 55, vgl. vielmehr Kretschmer a. a. 0.432 f..· ’Οόυβΰενς, Όόυαενς, Όόιβοενς), so dochvorzugsweise jene Schreibung mit X an,mit den Variationen: Όλυτ{τ)εύς, Όλτενς (?),Όλναενς, Ώλνσοενς, sogar ΟΧλυτενς ( Kretsch-mer a. a. 0.431 f. und Griech. Vaseninschr. 146 f.);20 aber auch ein Weihgefäfs vom Kabirenheilig-tum bei Theben trägt die Inschrift: Όλνα-αείδας KaßCgoi ( Mitt. d. arch. Inst, in Athen 15, 399); und eine korinthische Vase des7. Jahrhunderts bietet die Namensform Όλι-οεΰς ( Archäol. Jahrb. 7, 1892, 28; vgl. auchKretschmer, Einleitung in d. Gesch. d. griech.Spr. 280). Nach Quintilian 1, 4,16 soll endlichOlissea (acc.) äolisch gewesen sein ( Jordan39 f.). Von der Form mit X hat dann, imGegensatz zum Etruskischen (s. o.), das La-teinische seine Namensbildung abgeleitet.
Hand in Hand mit dem I geht hier und inden verwandten italischen Sprachen der Gut-tural, statt des Spiranten oder des Dentalen,in der Mitte des Wortes. Im Griechischen istdas £ für den Namen nicht sicher verbürgt.Denn das erwähnte Citat aus Ibykos bei Dio-medes (s. o.) bietet keinen festen Anhalt.Ebenso entbehrt das früher angeführte Zeug-nis des Foseidonios bei Plutarch (Marcell . 20)von der Inschrift eines Helms im Tempel zuEngyion auf Sicilien (s. o.), aus der ΟνΧίξηςauch als griechische, etwa als sicilische{Mommsen K. G. I 6 , 199), oder, weil jene Stadteine Kolonie der Kreter war, kretische (0. Sie-vers, Act. soc. phil. Dips. 2, 96) Namensform zuentnehmen wäre, als „Ciceronenlüge“ zu sehrder urkundlichen Grundlage ( Jordan a. a. 0. 43;Preller-Jordan, Köm. Mythol. 2 8 , 307). Endlichsteht auch die Form ΟνΧιξενς bei Priscian 6, 92wahrscheinlich unter dem Einflufs des Lateini-schen: um den Unterschied der griechischen undder lateinischen Endsilbe um so augenfälligerzu bezeichnen, hat der Grammatiker die beidenersten Silben der griechischen Form dem La-teinischen angepafst. Noch weniger als imGriechischen ist x für die etruskische Namens-bildung nachweisbar; denn Uluxe ist, wie wirbemerkt haben (s. o.), gar nicht etruskisch.Daraus folgt, dafs die Schreibung oder Aus-sprache mit 1 und x charakteristisch fürdas Lateinische ist. Denn selbst wennLivius Andronicus seine Übersetzung derOdyssee Odyssia (und nicht Ulixia) betitelthaben sollte, so hätte er damit eben nur denNamen des Originals beibehalten. Plautusund die römischen Tragiker wenden sodannstehend die Formen mit 1 und x an. Varros
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